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Mitteilungsblatt der VG Thaleischweiler-Wallhalben
Ausgabe 50/2020
Amtlicher Teil
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Persönlicher Nachruf Scherer von OB Holub

Da Aufgrund der strengen Corona-Auflagen die Beisetzung von Herbert Scherer am 1. Dezember 2020 nur im engsten Familienkreise stattfand, wurde mir leider die Möglichkeit verwehrt, bei der Trauerfeier mit einige Worte und Geschichten über Herbert die Anwesenden an ihn zu erinnern.

Aus diesem Grunde möchte ich Sie nun auf diesem Wege an den Gedanken zum Abschied von Herbert Scherer teilhaben lassen, womit Gertrud und Steffen Scherer einverstanden sind.

Liebe Familie Scherer,

liebe Angehörige

und

liebe Trauergemeinde,

vor allem jedoch

liebe Gertrud, lieber Steffen und lieber Günter mit Familie,

zunächst bedanke ich mich bei Euch, dass Ihr mir die Möglichkeit gebt, mich hier und heute, im Namen der Ortsgemeinde von Herbert zu verabschieden.

Ich erhalte so für uns alle die Chance, sein kommunal-politisches Leben in kurzen Zügen Revue passieren zu lassen, und auch den Menschen Herbert noch mal in den Fokus zu rücken.

Die kommunalpolitische Laufbahn für die Ortsgemeinde im Ehrenamt begann für Herbert Scherer 1989 mit seiner Wahl in den Gemeinderat. In diesen wurde er in den er die folgenden 30 Jahre durchgehend als Mitglied gewählt, wofür er im vergangenen Jahr mit seinem Ausscheiden aus diesem Gremium auch eine Ehrenurkunde vom Gemeinde- und Städtebund erhielt.

Ab 2009 war er zudem zehn Jahre lang bereit als 1. Beigeordneter noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Er war in dieser Zeit auch bereit sich in diversen Ausschüssen einzubringen.

Doch auch über die Ortsgrenze hinaus brachte er sich ab 2009 zehn Jahre als Verbandsgemeinderatsmitglied auf Verbandsgemeindeebene ein, und er unterstützte ab 2009 fünf Jahre als Beigeordneter der Verbandsgemeinde den Bürgermeister. Und auch auf dieser Ebene brachte er sich in verschiedenen Ausschüssen ein.

Wenn ich mir diese Zahlen und Aufgaben noch mal kurz anschaue, frage ich gleichzeitig:

Wie, lieber Herbert, hast du da alles unter einen Hut bekommen?

Hatte dein Tag vielleicht doch mehr als 24 Stunden?

Denn neben seinen erwähnten Ehrenämtern führte er schließlich noch ein Unternehmen, und war zudem auch Gutachter z.B. für Versicherungen, und er musste aus diesem Grund zu Terminen bei Gericht.

Auch fand er die Zeit für seine „Wetterstation“, deren Werte er an das Innenministerium des Bundes in den letzten 20 Jahren übermittelte. Hierfür bekam er in den letzten Tagen noch ein Dankesschreiben aus dem Ministerium, in dem auch eine Ehrung angekündigt wurde. Das Schreiben hat er noch lesen können, worüber er sich sehr gefreut hatte, wie du, liebe Gertrud, mir am Freitag erzählt hast. Leider wird er die festliche Ehrung, sofern sie stattfinden sollte, nun nicht mehr erleben.

Er war für so viele da, und engagierte sich gerne für Andere, ohne darüber viele Worte zu verlieren.

So habe ich in den letzten Tagen mit dem 1. Vorsitzenden des Fußball Club Höheischweiler gesprochen, der mir in dem Gespräch sagte, dass die Trikotsätze, die die Fa. Scherer in den letzten Jahrzehnten gesponsert hat, schon gar nicht mehr zu zählen seien. Und, wenn irgendetwas im Argen war, man Herbert auch am Wochenende mal ansprechen konnte. Vielleicht sogar wenn er, wie so oft, als Fan bei den Heimspielen mit seinem Bruder am Spielfeldrand stand und mitfieberte.

„Darauf ist der FCH mega stolz und für seine vielschichtige Unterstützung dankbar.“

An diese Stelle passt auch die Geschichte, die mir zu Herbert einfällt. Es geht dabei darum, wie ich ihn als Geschäftsmann kennengelernt habe. Und zu dieser Geschichte passt auch das oft gebrauchte Attribut, das viele mit Herbert verbinden; nämlich selbstlos:

Wir haben uns, als unser Sohn noch ganz klein war, einen Stahlschrank für die Gasflaschen durch die Fa. Scherer aufbauen lassen. Herbert hatte uns hier beraten, damit wir immer eine Gasflasche zum Wechseln vor Ort haben, falls beim Kochen die eine Flasche mal leer wird.

Als dann die Rechnung kam, habe ich ihn gefragt, ob er einen Fehler gemacht hat, da sie mir „zu günstig“ schien. Er meinte, dass es so schon richtig sei, er möchte „Junge Familien“ unterstützen, und deswegen wäre es etwas günstiger. Und das sagte er mit seinem typischen Augenzwinkern.

Dieses Augenzwinkern durfte ich dann ab 2012 noch häufig sehen, und dazu kam dann noch der spezielle Humor von Herbert. Und den hatte er zum Glück zu genüge, schließlich hat er sehr gerne gelacht, und sein Gegenüber sehr gerne zum Lachen gebracht.

Gut, in unserer Arbeit war uns nicht immer zum Lachen, aber ich habe von Herbert gelernt, das Beste aus scheinbar „miesen-Situationen“ zu machen, denn er war in meinen Augen auch immer ein Optimist. Ich habe viel von ihm gelernt, nicht nur auf der politischen Ebene, die uns zunächst näher gebracht hatte, denn hier kann ich Herbert als meinen politischen Ziehvater bezeichnen. Und darauf bin ich stolz, denn er hat mir die Augen und die Sinne auch für das geschärft, das für andere unwichtig scheint.

Wir waren zwar nicht immer einer Meinung, aber wir sind nie im Streit auseinander gegangen, da auch er, andere Meinungen und Ansichten zugelassen hat.

Manches mal war eine Diskussion oder ein Gespräch schon schwierig, da Herbert einem direkt gesagt hatte, was er denkt. Dies ist, wie in vielen Situationen nicht immer schön, aber wenn man dann doch mal die Anmerkungen reflektiert, konnte und musste man ihm doch das ein oder andere mal im Nachhinein Recht geben. Doch das fällt nicht leicht, aber Herbert war bei solchen Gesprächen dann noch nicht einmal überheblich. Er hat sich eher gefreut, dass ein Gespräch nicht „im Sande verläuft“.

Liebe Gertrud, lieber Steffen und lieber Günter mit Familie sowie alle Anwesenden,

ich glaube, dass alle merken, dass ich hier noch weiter kürzere oder auch längere Anekdoten über und von Herbert erzählen könnte, aber ich denke, dass es jedem hier so geht, denn Herbert hat bei uns allen Spuren hinterlassen:

Als Ehemann und Vater, als Bruder, Schwager und Onkel, als Neffe und Cousin und, und, und...

und für mich als - zum Schluss - väterlicher Freund, der mich, liebe Scherers, in Eure tolle Familie eingeführt hat.

Die Ortsgemeinde verliert durch Herberts Tod einen zuverlässigen, engagierten und geachteten Mensch, in all seinen Facetten, in denen er in seinem Leben aufgetreten ist.

Herbert, wir werden dich vermissen!

Für die Ortsgemeinde Höheischweiler
Ricarda Holub
Ortsbürgermeisterin