Laut aktueller Pressemitteilung des Statistische Bundesamt (Destatis) ist die Zahl der Geburten im Jahr 2025 im Bundesgebiet auf den niedrigsten Stand der Nachkriegszeit gesunken. Die Geburtenzahl verringerte sich bereits im vierten Jahr in Folge und erreichte den niedrigsten Stand seit 1946. Gründe für die niedrigen Geburtenzahlen sind die zahlenmäßig kleinen 1990er-Geburtsjahrgänge und die ebenfalls sinkende durchschnittliche Kinderzahl pro Frau. Der demografische Effekt macht sich gerade in Ostdeutschland noch stärker bemerkbar und stellt sich anhand der Geburtenzahlen in unserer Gemeinde konkret wie folgt dar:
| Jahr | Geburten | Potential für Kindergarten |
| 2014 | 62 |
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| 2015 | 62 |
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| 2016 | 69 |
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| 2017 | 67 |
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| 2018 | 49 |
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| 2019 | 60 |
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| 2020 | 43 | 369 |
| 2021 | 42 | 350 |
| 2022 | 40 | 330 |
| 2023 | 35 | 301 |
| 2024 | 25 | 269 |
| 2025 | 27 | 245 |
| 2026* | 25 | 212 |
| 2027* | 25 | 194 |
| 2028* | 30 | 177 |
| 2029* | 30 | 167 |
| 2030* | 30 | 162 |
*ab 2026 geschätzte Anzahl
Die dritte Spalte gibt das rechnerische Potential an Kindern aus der Landgemeinde für die Kindergärten unter Berücksichtigung der aufaddierten Geburten pro Jahr und den (voraussichtlichen) Schulabgängern an.
Neben den Kindern aus der eigenen Gemeinde besuchen Kinder aus angrenzenden Kommunen die vier Kindergärten in der Landgemeinde, was die Auslastung verbessert. Ebenso besuchen aber einheimische Kinder im Zuge das Wunsch und Wahlrechtes nach § 5 Thüringer Kindergartengesetz Einrichtungen in Nachbargemeinden, was für die hiesigen Einrichtungen nachteilig ist.
Insgesamt gibt es in den vier Kindergärten in der Gemeinde 318 Betreuungsplätze, zusätzlich gibt es noch Tagesmütter die bis zu 13 Kinder betreuen können.
Die aktuelle Belegung der Einrichtungen in der Gemeinde stellt sich wie folgt dar:
| Kindergarten | Plätze insgesamt | Plätze belegt |
| Apfelstädt | 75 | 50 |
| Gamstädt | 80 | 60 |
| Ingersleben | 50 | 39 |
| Neudietendorf | 113 | 78 |
Ersichtlich wird, dass aktuell schon die mögliche Kapazität der Einrichtungen nicht ausgeschöpft ist. Tendenziell sinkt die Belegungszahl durch mehr Schulabgänger und weniger nachkommende Kinder infolge der seit 2020 merklich absinkenden Geburtenzahl weiter ab, so dass in den Einrichtungen voraussichtlich ab 2029 nur noch die Hälfte der vorgehaltenen Plätze belegt sind. Hier gibt es natürlich auch gewisse Unsicherheiten, da im Zuge des bestehenden Wunsch- und Wahlrechtes der Eltern bei der Einrichtungswahl sowie der ungewissen Entwicklung der Anzahl von Kindern welche aus oder in Nachbargemeinden die Einrichtungen besuchen, einige unkalkulierbare Faktoren vorliegen. Festzustellen ist jedoch eindeutig, die Zahl der Kinder nimmt in der Gemeinde schnell ab und die Einrichtungen werden zukünftig weniger ausgelastet sein. Dies hat natürlich erhebliche Auswirkungen auf die Finanzierung der wichtigen Aufgabe der Daseinsvorsorge, denn weniger Kinder bedeuten in der Summe auch weniger Zuweisungen des Landes für diese Aufgabe und anhand des gesetzlich festgeschriebenen Betreuungsschlüssels auch einen sinkenden Personalbedarf. Der Gemeinderat hat sich in den vergangenen Monaten schon mehrfach mit der Sache befasst und sich grundsätzlich zum Erhalt aller vier Einrichtungen bekannt. Dennoch ist es erforderlich, nötige Anpassungen in der Ausgestaltung der Angebote vor Ort vorzunehmen. Hier sind in den nächsten Monaten die weiteren Entscheidungen gemeinsam mit den Kindergärten sowie dem Träger des evangelischen Kindergartens Neudietendorf vorzubereiten und dann von den gemeindlichen Gremien zu treffen.
Unabhängig von Meldungen in der Tagespresse und Aussagen einzelner Gemeinderatsmitglieder zu Schließungsgedanken sei abschließend vermerkt, dass die Gemeinde Nesse-Apfelstädt erhebliche finanzielle Mittel insbesondere zur energetischen Sanierung des Kindergarten Sonnenschein Apfelstädt und in nötige bauliche Anpassungsmaßnahmen am Gebäude des Kindergarten Arche Neudietendorf aufwendet. Damit sollte erkennbar sein, dass sich die Gemeinde dem Grunde nach zu allen Kindergartenstandorten bekennt. Und natürlich müssen auch die nötigen Anpassungsschritte erfolgen, damit die Kinderbetreuung möglichst dauerhaft finanzierbar und pädagogisch sinnvoll möglich ist.
Ihr Christian Jacob
Bürgermeister