Selten sind Lebenswege in der heutigen Zeit noch geradlinig. Schon in der Generation meiner Eltern haben viele harte Einschnitte erleben müssen und heute gibt es zum Teil völlige Neuausrichtungen. Wenn ich dann meinen Freundeskreis, zwischen 30 und 40 Jahren ansehe, verstärkt sich mein Eindruck noch. Die Wenigsten sind an einem festen Ort geblieben. Es finden sich wechselnde Wohnsitze quer durch die Republik oder sogar auf anderen Kontinenten. Arbeitsplatzwechsel und Berufe lösen sich ab; mitunter findet sich eine neue Ausbildung oder sogar ein zweites Studium. Sogar der Umstand, dass ich diese Zeilen schreibe, ist solchen Einschnitten zu verdanken.
Natürlich ist die Frage dabei, ob diese Brüche eine Chance waren, die jemand ergriffen hat; etwa ein Umzug, eine Firma zu gründen, vielleicht auch ein Auslandsjahr. Man könnte dann auch sagen - ich mache es doch nicht. Ich bleibe, wo ich bin. Es ist eigentlich nicht so schlecht. Andererseits können uns die Lebensumstände auch in Veränderungen hineinzwingen. Und wenn wir dann, freiwillig oder nicht, auf dem neuen Lebensabschnitt unterwegs sind, dann mag es zu Problemen und auch Zweifeln kommen. Ich meine damit nicht ein wenig Pessimismus, sondern ein Gefühl schon nah an der Verzweiflung - nicht die eine verhauene Prüfung, sondern eher der bankrotte neue Arbeitgeber.
In eine solche Situation spricht der Monatsspruch: „Darauf sagte Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht! Stellt euch auf und seht, wie der HERR euch retten wird! Denn so, wie ihr die Ägypter jetzt seht, werdet ihr sie nie wieder sehen (Exodus 14,13).“
Hier steht das Volk Israel beim Auszug aus Ägypten am Schilfmeer. Auf einer Seite Wasser und im Rücken naht die Armee des Pharao. Das ganze Volk ist verzweifelt, will sich ergeben und zurück in die Sklaverei, doch es passiert das Unmögliche. Gott rettet sein Volk. Er hat seinen Beistand zugesagt und nun gewährt er ihn. Gott hat den Israeliten nicht zugesagt, dass sie mühelos und ohne Strapazen ins gelobte Land spazieren. Doch er hat versprochen, sie aus der Unterdrückung zu befreien und ihnen beizustehen. Dieser Beistand ist im Übrigen uns allen, im Glauben an Christus ebenso versprochen.
Ich finde das beruhigend und auch hilfreich, wenn es auf meinem Lebensweg schwierig wird. Auch in den größten Problem kann ich - und wir alle - auf Gottes Beistand hoffen.
Oliver Reinsch
Gemeindepädagoge