Mauergasse. Schenkung von Jürgen Ulbricht, Sohn des Künstlers. KS-Ulb-002
Am 6. April 1996 verstarb der Neustädter Maler und Grafiker Heinrich-Rudolf Ulbricht in Suhl. Vielen Neustädterinnen und Neustädtern ist er noch im Gedächtnis, teils als Zeichenlehrer, eine Generation von Kunstschülerinnen und Kunstschülern über die Grenzen der Stadt prägend, noch weittragender aber durch sein umfangreiches und hervorragendes Oeuvre heimatlicher Motive in realistischer Malweise, von denen sich einige in den städtischen Kunstsammlungen befinden.
Ulbricht wurde am 18. März 1910 als Sohn eines Dekorationsmalers in Neustadt an der Orla geboren, durchlief eine Kaufmannslehre und verließ die Stadt vorerst 1928, um in Berlin zu arbeiten. Dort absolvierte er ein Abendstudium an der Kunsthochschule Berlin-Charlottenburg und erzielte bald erste Erfolge als freischaffender Künstler. Nach seiner Verpflichtung in den Kriegsdienst 1942 kehrte Ulbricht 1946 nach Neustadt an der Orla zurück und bildete mit Karl Herrmann, Doris Herrmann (geb. von Mohl) und Heinrich Kiefer die Künstlergruppe „die Arnshaugker“. Sein Beitrag zur 3. Deutsche Kunstausstellung 1953 konstituiert zweifellos einen Höhepunkt seines Schaffens: Das Ölgemälde „Dorfstraße in Ahrenshoop“ wurde in Dresden als bestes Landschaftsbild prämiert, von Wilhelm Pieck persönlich angekauft und zusammen mit fünf weiteren Gemälden als Kunstdruck herausgegeben. Ulbricht verließ Neustadt 1954 und arbeitete fortan in seiner Wahlheimat Berlin als freischaffender Maler und Grafiker. Er beteiligte sich an Ausstellungen in Moskau, Budapest, Sofia und Warschau, doch die Kontakte in seine Geburtsstadt pflegte der Künstler weiterhin: Zum Anlass der 700-Jahr-Feier wurde eine Postkartenserie mit Motiven des Künstlers geschaffen, die zum begehrten Souvenir avancierte. Heinrich R. Ulbricht zog 1990 nach Suhl, wo er bis zu seinem Tode Kunstwerke schuf.
Ein glücklicher Umstand ist es, dass durch Schenkungen drei Bilder dieses großen Neustädter Künstlers im Museum für Stadtgeschichte bestaunt werden können. Der Sohn des Malers, Jürgen Ulbricht, schenkte den Kunstsammlungen der Stadt ein Gemälde seines Vaters. Es zeigt die Mauergasse mit Blick von Osten.
Das Motiv taucht auch in der Postkartenserie zur 700-Jahr-Feier auf und ist vielen Neustädterinnen und Neustädtern bekannt. Zwei weitere Kunstwerke Ulbrichts, nämlich ein Aquarell mit Passepartout, das eine Wasserszene mit Kühen zeigt, sowie eine Dorfansicht von Neunhofen in Öl auf Hartfaserplatte, wurden der Stadt von Familie Mailbeck übergeben. Gerade zum Anlass des 30. Todestags Heinrich R. Ulbrichts im Vormonat, ist es wichtig, diese Schenkungen und ihre Bedeutung für die Sammlung hervorzuheben.
Die Bilder sind im 1. Obergeschoss des Museums zu sehen im Kontext einer kleinen Ausstellung mit weiteren Schenkungen, welche im Verlauf der letzten Monate ihren Weg in die Sammlungen gefunden haben, und auf die schon in der letzten Ausgabe des Kreisboten aufmerksam gemacht worden ist. Wer sich also auf den Weg macht, die frisch angelaufene Ausstellung zur Fincke-Orgel zu besuchen, sollte auch diese Highlights nicht verpassen.
Christoph Müller
FD Kultur