Das alte Gerbfass an seinem neuen Standort an der Orla
Über 500 Jahre lang war das Gerberhandwerk neben der Tuchmacherei der wichtigste Wirtschaftszweig in Neustadt an der Orla. Der Wohlstand der Stadt verdankte sich ganz wesentlich den Gerbern, deren Niederlassungen sich entlang der Orla konzentrierten und der Gerberstraße ihren Namen gaben. Neben der Lohe aus den nahen Wäldern und Tierhäuten aus der ländlichen Umgebung war zum Reinigen, Weichen und Auswaschen der Häute vor allem ausreichend Wasser vonnöten. Auf seinem Höhepunkt um 1910 beschäftigte das Gewerbe in Neustadt 346 Personen, darunter 47 Gerbermeister.
Zur Erinnerung an diesen Wirtschaftszweig konnte ein Gerbfass gesichert, restauriert und aufgestellt werden. Das Fass hatte einst den Arbeitsprozess mechanisiert, wurden doch damit die vorbereiteten Tierhäute unter ständiger Bewegung mit der Gerbflüssigkeit durchsetzt und durch innen angebrachte Zapfen zusätzlich gewalkt. Die Gerbung verlief wesentlich schneller als bei den älteren Grubengerbverfahren, sodass das Gerbfass als Symbol für den ganzen Wirtschaftszweig - die mechanisierte Gerberei - gelten kann. Das an historischem Ort aufgestellte Fass stammt aus der letzten Gerberei der Stadt, die bis 2023 von Ingenieur und Gerbermeister Robert Döpel (1954-2025) betrieben wurde. Dessen Urgroßvater Gustav Robert Döpel hatte sie 1889 in der Gerberstraße 8 gegründet.
Mit freundlicher Unterstützung der Stadtwerke Neustadt an der Orla GmbH laden der „Verein zur Förderung des Neustädter Brauchtums (Brunnenverein) e.V.“ sowie der „Förderverein für Stadtgeschichte e.V.“ am Tag des Offenen Denkmals herzlich zur offiziellen Einweihung des Industriedenkmals ein! Nach Ausführungen zur Geschichte und zur Bedeutung des Gerberhandwerks für unsere Stadt wird auch des letzten Gerbermeisters gedacht.
13. September 2026, 13.00 Uhr, Gerberstraße (am ehemaligen Spielplatz)
Prof. Dr. Werner Greiling und Peter Vock, Vereinsvorsitzende