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Vogtei-Echo - Amtsblatt der Gemeinde "Vogtei"
Ausgabe 14/2026
Heimatgeschichte
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Chronik des Gesangsvereins Oberdorla

Teil 2

Im Sommer dieses Jahres (1922) fand das gut gelungene Heimatfest in unserm Orte statt, wozu auch der Gesangsverein aufgefordert wurde, das selbe durch Gesangseinlagen verschönern zu helfen. Aus diesem Anlass waren eigentümliche Streitigkeiten im Verein entstanden, wodurch der erst im März gewählte Vorsteher H. Barthel sein Amt schon niedergelegte. An seine Stelle wurde im November der Tischlermeister Martin Zeng gewählt; auch der Kassierer H. Herwig welcher dieses Amt 15 Jahre begleitet hatte, legte selbiges nieder und es trat an seine Stelle Lehrer Ebert. Der Jahresbeitrag mußte, da die Inflation immer krasser wurde, schon wieder erhört werden und zwar für Aktive auf 50 und für Passive auf 120 RM. Mitglieder, die ohne Entschuldigung fehlten, hatten 25 Mk. Strafe zu zahlen. Am 3. März 1923 wurde die Rechnung gelegt. Die Einahmen betrugen 31950 M. Die Ausgaben 20857,15 Mk., so daß ein Kassenbestand von 11072,85 M. verblieb. Mit einem Schlage war der Verein, wenigstens buchmäßig sehr vermögend geworden. Leider hatten aber diese 11072 RM. nach dem Dollarstand umgerechnet damals einen Wert von ca. 5 Pfennig, denn schon im November desselben Jahres, wo die Inflation den Höhepunkt erreicht hatte, galten eine Billion Papiermark (1.000.000.000.000.000) 1 Reichsmark. Nun wurde die Währung wieder stabil, die Milliarden und Billionenscheine kamen in Wegfall und die Rentenmark wurde eingeführt, welche im Werte der Reichsmark gleich stand. Alle auf den Kassen befindlichen Spareinlagen wurden nach obigen Exempel umgerechnet. In dieser vorerwähnten Versammlung wurde an Stelle von Jakob Stollberg, Hermann Karmrodt, Gartenstr. zum Schriftführer gewählt und anschließend über die bevorstehende Feier des 25 jährigen Stiftungsfeste beraten. Man einigte sich aber erst in der nächsten Versammlung am 21.4. dahin, dasselbe in Verbindung mit der Fahnenweihe am 3. Juni auf dem Anger zu begehen und am Vorabend dieser Feier einen Kommers zu veranstalten. Bezüglich der damit verbundenen hohen Unkosten wird nochmals der Beitrag erhöht und zwar für Aktive auf 100, für Passive auf 200 Rm. monatlich; auch soll extra ein Festbeitrag von 1500 M. von den Aktiven und 3000 Rm. von den passiven Mitgliedern erhoben werden.

Die Doppelfeier fand wie festgesetzt am 2. und 3. Juni bei günstigen Wetter statt. Da der vorhandene Fahnenfonds durch die Inflation zu einem Nichts zusammengeschmolzen war, wurden zur Fahnenbeschaffung Spenden gesammelt. Gespendet wurden hauptsächlich von den Mädchen bezw. Jungfrauen des Ortes insgesamt 213.500 Rm. und 40 Stk. Eier. Die Fahne, welche die Firma Triebian Hann. Münden lieferte, kostete 250.000 Mk. und einen Inflationszuschlag von 1000 Mk. Der Lieferant erhielt die 40 Eier und verzichtete somit auf den Zuschlag. Es wurde dem nach pro Ei mit 250 M. angerechnet. Über die Jubiläumsfeier und Fahnenweihe selbst ist noch folgendes zu berichten: "Die Vorfeier am 2.6. sollte in erster Linie ein Ehrenabend für die 20 Jubilare des Vereins sein. Der Vorsitzende Herr Zeng eröffnete den Abend mit einer kurzen Ansprache, er dankte den Jubilaren für die, dem Verein gehaltene 25 jährige Treue und überreichte jedem derselben eine Ehrenurkunde. Der Schreiber dieser Zeilen H. Erdmann dankte im Namen der Jubilare in Form eines Gedichtes (das Gedicht Seite 52) und hieß damit die Geschichte des Vereins von der Gründung bis zum Jubiläum im Geiste vor den Augen der Mitglieder vorüberziehen. Ein Humorist aus Mühlhausen trug besonders zur Erheiterung dieses Abends bei. Am nächsten Morgen um 5 Uhr wurden durch die Festreveille mit dem Motiv: "Nun danket alle Gott" von Golde die Sänger aus dem Schlaf geweckt und damit war die Einleitung zum Fest gegeben. Kurz nach 12 Uhr zogen die beiden Treffurter Gesangsvereine mit eigener Musikkapelle hier ein. Es folgten dann der Liederkranz und Germania von Mühlhausen ebenfalls mit eigener Musik und anschließend noch die Vereine von: Hallungen, Niederdorla, Langula und Kammerforst insgesamt 249 auswärtige Sänger. 8 Festjungfrauen trugen die neue Fahne auf Bändern vom Vorsitzenden, wo sie untergebracht war, nach dem Anger. Die vor dem Kreuz angetretenen Vereine schlossen sich diesen an. Die Feier auf dem Anger wurde mit unserem Begrüssungslied: "Brüder reicht die Hand zum Bunde" eröffnet. Danach begrüßte der Vorsitzende die Erscheinenden und dann überreichte Frau Hochheim mit einen von Frau Ebert verfassten Gedicht die Fahne. (das Gedicht Seite 54) Hierauf hielt Pfarrer Otto Fischer kernige eine Weiherede und übergab die Fahne ihrer Bestimmung. Nach diesem Akt wurden zwei Waffenchöre: "Mein deutsches Lied" und "Die Himmel rühmen" gesungen. Die Jungfrauen überreichten anschließend eine Fahnenschleife und einige Vereine stifteten Fahnennägel. Nun erfolgte der Umzug durch das Dorf und nach Rückkehr trugen die einzelnen Vereine ihre Chöre vor. Abends dann war Tanz auf beiden Sälen. Der am Freitag danach, also am 8. Juni getätigte Abschluss ergab folgendes Resultat: Einnahme 494720 Mk., Ausgabe 471620 Mk. und es blieb folglich noch ein Bestand von 23100 Mk.

Rückseite der Fahne des Vereins mit den Text: Klinge Deutsches Lied Gegr. 1898 und den Wappen Sachsen, Mainz, Hessen, der Vogtei und dem preussischen Adler

Zum 25 jährigen Stiftungsfeste des Gesangsvereins 1923 v. H. Erdmann

Heut vor fünfundzwanzig Jahren - wir allhier zusammen waren, etwa dreizig durftens sein. Wozu dies Zusammenfinden? Einzig deshalb, um zu gründen unseren Gesangsverein.

Schnell und glatt ging es vonstatten - allesamt die Meinung hatten: "Ewas schön'res gibt es nicht;

drum mit welcher Lust und Liebe und mit einem solchen Triebe, jeder war darauf erpicht.

Kurze Zeit war nur verflossen, der Verein trieb Zweige, Sprossen, immer größer war die Zahl;

gern hat jeder eingefunden - sich stets zu den Singestunden hier in dem Vereinslokal.

Und der Erste, der ihn führte, der ihn damals dirigierte war, wir wissen es, Herr Schmidt.

Ihm ja wollen wir gedenken, er tat den Verein so lenken, daß er immer Schiffbruch litt.

Freitag wurde stets gesungen, manches Liedlein ist erklungen, mancher schöne Vers gemacht;

bald ein Ausflug unternommen und der Heldrastein erklommen, jedem's Herz im Leibe lacht.

Als Herr Schmidt dann weggegangen, sahen wir mit Sorg und Bangen in die Zukunft - aber nein.

Andere Männer stets sich fanden, die es wirklich auch verstanden zu dirigieren den Verein.

Mehmel, Kohlhaus, Chors und Semmann, Wesel Hermann, dann kam der Mann der nach jetzt ihn dirigiert. (Wehr)

Alle die verdient sich machten - laßet sie ehren uns und achten, ihn ehren uns und achten, ihn'n zu danken sichs gebührt.

Als nun stand in voller Blüte der Verein - o, Gott behüte - brach herein der böse Krieg.

Viel der Brüder mussten fügen sich und ihrer Pflicht genügen, zu verhelfen mit zum Sieg.

Anders doch ist es geworden, denn nach langen Kämpfen, Morden brach das Schicksal schnell herein;

Acht der lieben Sangesbrüder - kehrten nicht zur Heimat wieder, tiefbetrauert vom Verein.

Wenn auch nicht, wie sonst es üblich - eine Tafel, darauf buchstäblich unser Helden aufgeführt;

dennoch stehen fest die Namen, - derer, die nicht wieder kamen tief im Herzen eingraviert.

Durch den Krieg und seine Tücken, gab es im Verein noch Lücken, mancher Sänger blieb zurück,

denn wer wallt und konnt sich zwingen - frohe Lieder mit zu singen, wenn der Krieg ihm brach das Glück.

Heute doch - am Jubeltage, wird verscheucht des Alltags Plage, wird jeder seine Stimme vertritt.

So, wie wir einstmals gesungen, also singen jetzt die Jungen und wir brummen leise mit.

Alt und grau sind wir geworden, nur noch singt man in Akkorden, die sich stark dem Wall geneigt;

früher fuhr man stolz per Pedes, aber wie es kommt, vergeht es, 's Alte fällt, das Neue steigt.

Doch im Kreis der Sangesbrüder - wird man etwas frischer wieder, drum lasst heut uns fröhlich sein!

Alte Grillen von uns drängen - mit in frohen Chorgesängen uns der guten Sache weih'n.

Lasst die Lieder hell erklingen, dass sie in die Herzen dringen zeigt, dass ihr noch Deutsche seit!

Pflegt und wahret das Schlichte, Schöne - klar im Vierklang un're Töne gern dem deutschen Sange weiht.

Dann wird der Verein bestehen, dann kann er nicht rückwärts gehen, vorwärts wird die Losung sein.

Fromme Wünsche ihn begleiten - so, daß er trotz schweren Zeiten möge wachsen, blühen, gedeih’n!“

Zur Fahnenweihe bezw. Übergabe der Fahne von Frau Hochheim

Schon oft von einer Fahne war die rede,

Im Sturm der Meinungen ward sie nicht wahr,

Doch heut zum 25 jährigen Bestehen

Da bringen wir sie zum Geschenk euch dar.

Wie viele Feste habt ihr uns bereitet,

Von eurer Arbeit ließt ihr fern uns sein.

Und jede von uns weiß, wie wir uns freuten

Stets auf die Feste vom Gesangsverein,

Wir konnten's euch bisher mit nichts vergelten,

Wenn unser Dank auch in den Augen stand.

Heut weih'n wir dem Verein als sichtbar Dankeszeichen,

Die Fahne aus der Frauenhand.

Sie sei ein Ansporn auch für immer höh'rem Schaffen,

Sie sei win Halt euch auch in ernster Zeit,

Sei Zeuge mancher schönen Ruhmesblattes,

Dar euer Fleiß bei Freunden euch verleiht.

Um sie geschart gedeihe eure Runde,

zu ernsten Streben sporne sie euch an,

Das der Verein stets nur das Beste biete,

Dafür setz jeder seine Kräfte dran.

Was mahnend sie war euren Reihen kündet,

"Kling deutsches Lied" tön in euch immerfort,

Daß deutsches Lied zu ehren wieder komme

In Deutschland wie in allerfernstem Ort.

Und mit dem deutschen Lied mög deutsches Wesen,

Mög deutsche Art und deutsches Wort und Geld.

Allüberall die Achtung wieder finden,

Die jetzt streitig macht die ganze Welt.

Dann kling erst recht, du deutsches Lied, ins Weite,

Dann zeig, was du geschafft, Gesangsverein;

Das schöne deutsche Lied sei Eigentum des Volkes

und jeder stimme jubelnd ein.

Und hoch darüber flattern eure Fahnen

und künden dann, so weil das Auge sieht:

Bei bösen Menschen gibt es keine Lieder:

Hoch deutsche Art! Hoch deutsches Lied!

Verfasst von Frau Ebert

Die nächste Generalversammlung fand am 5. April 1924 statt. Alle Vorstandsmitglieder wurden wieder gewählt. Inzwischen war die vermaledeite Inflation vorüber und wir hatten wieder normale Währungsverhältnisse, denn der Kassenabschluss sieht jetzt folgendermaßen aus: Einnahmen 466,50 Rm. Ausgaben 315,90 Rm. Bestand 150,60 Rm. Von dem Überschuss wurden einige Singebücher, sowie eine Lyra als Ersatz für die vorhandene Fahnenspitze beschafft. Zugleicht wurde beschlossen, wieder ein Winterfest im Januar 1925 zu feiern. Am 14.3.1925 wurde angeregt, wiederum einen gemischten Chor einzurichten. Im Sommer desselben Jahres besuchte unser Verein die Sommerfeste in Langula und Nazza. 1926 am 25.3. hatte der Verein bei der Rechnungslegung einen Bestand von 230 Rm. Es wurde beschlossen, den Betrag zinsbringend anzulegen. An diesem Abend wurde der bisherige Schriftführer H. Karmrodt zum Dirigenten und der Lehrer Eisenhardt zu seinem Stellvertreter und Lehrer Weber zum Schriftführer gewählt. Am 9. Mai fuhr der Verein nach Treffurt und beteiligte sich an dem 25 jährigen Stiftungsfeste. Am 6.11. desselben Jahres fand eine zweite Generalversammlung in der "Grünen Linde" statt, weil die Musiker und der Vereinswirt in einem unliebsamen Streit geraten waren. Dieserhalb wurde auch hier beschlossen, das Winterfest im "Deutschen Kaiser" zu feiern. Die nächste Generalversammlung am 12.3.27 fand, weil der Streit inzwischen beigelegt war, wieder im "Goldenen Kreuz" statt. Am 8. Mai beteiligte sich der Verein an dem 50 jährigen Stiftungsfest in Nazza.

Quelle: Verfasst vom Heimatdichter Heinrich Erdmann

Heimat- und Trachtenverein Oberdorla

Hans W. Schuhmann