Kammerforst. Am vergangenen Sonntag lud der Musikverein Kammerforst zu seinem traditionellen Frühlingskonzert in den Kulturraum der Eisenacher Straße ein. Als langjähriger Gast, Freund und Vereinsmitglied war ich gespannt auf die Klänge, die uns erwarteten. Und ich wurde nicht enttäuscht: Das Orchester präsentierte Blasmusik auf einem beachtlich hohen Niveau, das die tiefe Verwurzelung und die jahrelange Arbeit des Vereins eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Doch beim Blick in den Saal mischte sich in die Freude über die Musik eine bittere Note. Insgesamt fanden nur 60 Besucher den Weg zum Konzert - der Saal war damit nicht einmal zur Hälfte gefüllt. Besonders bedauerlich: Nicht einmal 50 % der Gäste kamen aus Kammerforst.
Es ist eine Entwicklung, die nachdenklich stimmt. Vor einigen Jahren noch war bei diesem Konzert kein Stuhl mehr frei. Da die Einwohnerzahl im Ort nahezu konstant geblieben ist, lässt sich dieses schwindende Interesse kaum erklären. Wo waren die „Nachbarn"? Wo waren die Vertreter des Gemeinderates oder die Mitglieder der anderen ortsansässigen Vereine?
Der Zusammenhalt kann keine Einbahnstraße sein.
Ein Dorf lebt vom Miteinander. Gerade das Ehrenamt und das Vereinsleben sind das Herzstück unserer Gemeinschaft. Doch dieses Herz schlägt nur weiter, wenn man sich gegenseitig unterstützt; nicht nur bei der bereits bestehenden Hilfe untereinander, sondern auch beim gegenseitigen Besuch ihrer Veranstaltungen.
Liebe Einwohner von Kammerforst, wir müssen uns einer unbequemen Wahrheit stellen: Wenn die Wertschätzung für solche kulturellen Höhepunkte weiter sinkt, wird es irgendwann kein Konzert des Musikvereins mehr in unserem Ort geben. Dann werden diese wunderbaren Klänge nur noch in anderen Gemeinden zu hören sein.
Wir können stolz darauf sein, einen solch hochkarätigen Klangkörper in unseren eigenen Reihen zu haben. Lassen Sie uns diesen Schatz nicht durch Desinteresse verlieren. Ein Verein braucht nicht nur Applaus, sondern auch die Gewissheit, dass er für sein Dorf spielt - und dass sein Dorf hinter ihm steht.
Gerd Betzold