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Thüringer Waldbote
Ausgabe 10/2026
Aus der Stadt Ohrdruf
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Ohrdrufer Leichtathletin Leni Fritsche krönt Marathon-Debüt mit Edelmetall bei den Deutschen Meisterschaften

Wenn man die Entwicklung von Leni Fritsche in diesem Jahr verfolgt, erkennt man schnell, dass hier nichts dem Zufall überlassen wird. Die Athletin aus Ohrdruf arbeitet sich konsequent und mit klarer Struktur durch ihre Saison. Schon im Winter deutete vieles darauf hin, dass 2026 ihr Jahr werden könnte. Und spätestens mit ihrem Marathon-Debüt ist klar: Sie ist durch ihren bedingungslosen Ehrgeiz und ihre Disziplin mit Recht stolze Gewinnerin einer DM-Medaille.

Der Auftakt ins Jahr verlief nahezu perfekt. Beim Wettkampfwochenende in Chemnitz im Januar ging Fritsche gleich doppelt an den Start - über 1500 Meter und 3000 Meter. Zwei Rennen innerhalb von zwei Tagen, zweimal persönliche Bestzeit, zweimal Bronze in der neuen Altersklasse der Frauen. Ein früher Fingerzeig, dass die Form stimmt und der eingeschlagene Weg der richtige ist.

Auch bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften zeigte sie sich konkurrenzfähig. In einem Teilnehmerfeld, in dem Studierende aller Altersklassen gegeneinander antreten, behauptete sie sich stark und belegte über 3000 Meter Rang elf - gegen teils deutlich ältere und erfahrenere Konkurrenz. Ein Ergebnis, das ihren Platz im nationalen Vergleich unterstreicht.

Parallel dazu nutzte sie die Winterlaufserie in Eisenach gezielt als Trainingsbaustein. Zwei Starts, zwei souveräne Siege - mit deutlichem Vorsprung. Es ging weniger um Platzierungen, vielmehr um Wettkampfhärte, Rhythmus und den nächsten Entwicklungsschritt.

Der Fokus verschob sich zunehmend auf längere Distanzen. Bei den Deutschen Meisterschaften über 10 Kilometer in Uelzen setzte sie einen wichtigen Zwischenreiz, bevor eine Woche später beim Mühltallauf in Eisenberg über 5 Kilometer der nächste Sieg folgte - erneut mit großem Abstand. Die Formkurve zeigte klar nach oben.

Ein besonderes Wochenende folgte am 21. und 22. März. Während bei der Sportgala des Landkreises Gotha die erfolgreichsten Athletinnen und Athleten geehrt wurden, war Fritsche bereits unterwegs zum nächsten Wettkampf. Für ihre sportlichen Leistungen im vergangenen Jahr - darunter der Mitteldeutsche Meistertitel über 5000 Meter und der Sieg beim internationalen Citylauf in Dresden über 10 Kilometer - wurde sie zur „Sportlerin des Jahres 2025“ auf Platz zwei gewählt. Vor Ort sein konnte sie leider nicht, der Fokus lag bereits auf dem nächsten wichtigen Rennen.

Nur einen Tag später stand sie in Frankfurt am Main an der Startlinie der Deutschen Meisterschaften im Halbmarathon. Mit einer hervorragenden Endzeit von 1:31:20 Stunden lief Fritsche persönliche Bestzeit und belegte Rang 13 in Deutschland in der Altersklasse U23. Ein starkes Signal: Auch auf den längeren Distanzen ist mit ihr zu rechnen.

Doch das war nur der Auftakt für das, was folgen sollte.

Endlich Altersklasse U23 - und damit endlich die Freigabe für das, worauf sie lange gewartet hatte: ihr Marathon-Debüt. Zwei, drei Jahre trug sie den Wunsch bereits mit sich herum, doch ihr wurden durch ihren Trainer klare Vorgaben gemacht. Ein Start über die 42 Kilometer kam erst mit dem Wechsel in die neue Altersklasse U23 infrage.

Beim Hannover-Marathon am 12.04.2026 war es dann soweit. Tausende Läuferinnen und Läufer, eine besondere Atmosphäre - und mittendrin eine 19-Jährige, die sich ihrer größten sportlichen Herausforderung stellte. Eingebettet in das Rennen: die Deutschen Meisterschaften.

Die Vorbereitung? Zwei Halbmarathons in einer Woche. Einer in Frankfurt mit Bestzeit, der andere bei den Landesmeisterschaften in Apolda mit Bronze in Thüringen. „Von den Wettkämpfen im Vorfeld hat der Marathon jetzt perfekt gepasst“, sagte sie später. Und trotzdem war da diese Unsicherheit. Diese schwer greifbare Zahl: 42,195 Kilometer.

Und genau das bekam sie zu spüren.

Die ersten Kilometer nach dem Start ist sie zu schnell angegangen. Entgegen der Vorgabe ihres Trainers ging sie das Rennen offensiver an als geplant. Bis zur Hälfte lief alles nach Plan, die Zwischenzeiten passten, das Gefühl war gut. Doch dann kam der harte Teil der vielen Kilometer. Schritt für Schritt wurde es härter, aus Laufen wurde Kämpfen.

Von da an ging es nur noch ums Durchkommen. Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation. Kilometer für Kilometer. „Ich wollte es mir selbst beweisen - ich kann das und habe dafür so viele Entbehrungen in Kauf genommen.“ Die ursprüngliche Zielzeit rückte immer weiter in den Hintergrund. Stattdessen zählte nur noch eines: das Ziel erreichen.

Nach 4:24:53 Stunden war es geschafft. Marathon-Debüt - erfolgreich gefinisht, was für eine junge Debütantin keine Selbstverständlichkeit ist. Und mehr noch: Bronze bei den Deutschen Meisterschaften in der Altersklasse U23.

Ein Ergebnis, das für viele Grund zum Feiern gewesen wäre. Fritsche selbst sieht es differenzierter. Die Medaille bedeutet ihr viel - keine Frage. Doch sie weiß auch, dass mehr drin gewesen wäre. Gerade diese Mischung aus Erfolg und Selbstkritik zeigt, wohin ihr Weg führen kann.

Denn gelernt hat sie in diesen Stunden mehr als in vielen Rennen zuvor. Über Renneinteilung, mentale Stärke und die eigenen Grenzen.

Ob es in diesem Jahr noch einen zweiten Marathon geben wird, ist offen. Klar ist dagegen, wie es jetzt weitergeht: zurück auf die Bahn, um die Freiluftsaison vorzubereiten.

Der Wechsel von der Extrembelastung Halbmarathon und Marathon zurück zu kürzeren Strecken wie 3000 oder 5000 Meter wird zur Herausforderung. „Das ist mental gar nicht so einfach“, sagt sie. Nach 42 Kilometern wieder auf Tempo umzuschalten, fühlt sich zunächst wie ein Systemschock an. Doch genau daran wird jetzt gearbeitet - an der Schnelligkeit, an der Spritzigkeit, an neuen Reizen im Training.