Übersicht der Einnahme- und Ausgabeentwicklung für die Kindergärten der Stadt.
Blick auf die Schwimmbadbaustelle im Spätherbst 2025.
Solarcarport-Fundamente im Vordergrund und das rundum sanierte Heizhaus im Hintergrund.
Der Gebäudekomplex Löberstraße 12 bis 18 von hinten gesehen.
Haushaltsberatungen sind für jede Kommune, jeden Stadtrat und jeden Bürgermeister eine besondere und meist auch herausfordernde Zeit. Und in Zeiten der wirtschaftlichen Stagnation, wie wir sie gerade in Deutschland erleben, gilt das im Besonderen. Infolgedessen stagnieren auch die Gewerbesteuern, als eine der wichtigsten kommunalen Einnahmequellen. Die Landeszuweisungen gleichen das nicht aus. Bei gleichzeitig steigenden Ausgaben für Personal, Energie, Dienstleistungen und besonders für das Bauen müssen sich die Stadträte in den Haushaltsberatungen einig werden über die Prioritätensetzungen für das kommende und die weiteren Jahre. Und gegebenenfalls müssen auch unpopuläre Entscheidungen getroffen werden. All das hielten auch die Haushaltsberatungen der Stadt Ohrdruf für das Jahr 2026 bereit. Sie begannen mit der Einbringung des Haushaltes in den Stadtrat im Oktober 2025 und endeten in der letzten Stadtratssitzung kurz vor Weihnachten am 18.12.2025. Dazwischen lagen viele Besprechungen in den Ausschüssen des Stadtrates. Dass es am Ende sogar einen einstimmigen Beschluss des Stadtrates für den Haushalt 2026 gab, ist dem aufeinander zugehen in den Beratungen geschuldet. Vorschläge der Fraktionen, die Sinn machen und mehrheitsfähig sind, werden unkompliziert mitberücksichtigt.
Der Haushalt 2026 der Stadt Ohrdruf hat ein Gesamtvolumen von 29,561 Millionen Euro. 22,2 Millionen Euro entfallen auf den Verwaltungshaushalt und 7,34 Millionen Euro entfallen auf den Vermögenshaushalt aus dem insbesondere die Investitionen der Stadt finanziert werden. Bei der Einbringung des Haushaltes gab es eine große Deckungslücke zwischen den prognostizierten Einnahmen und den notwendigen bzw. gewünschten Ausgaben, die Schritt für Schritt durch Einsparungen, durch das Setzen von Prioritäten aber auch durch geringfügige Einnahmeerhöhungen geschlossen wurde. So konnte auch die ursprünglich ausgewiesene Aufnahme von Krediten im Kernhaushalt der Stadt vermieden werden. Hier wird nur ein Förderkredit des Landes aus dem neuen Kommunalen Investitionsprogramm genutzt, für den das Land Zins und Tilgung leistet. Für Investitionen der Stadtwirtschaft Ohrdruf zur Komplettsanierung eines Wohngebäudes in der Strengestraße ist allerdings eine Kreditaufnahme der Stadtwirtschaft notwendig und vorgesehen.
Der Stadtverwaltung, mir als Bürgermeister und auch dem Stadtrat war es wichtig, dass die gute Vereinsförderung der Stadt, die Jugendarbeit, die Bibliothek, die Sportstätten, das Schwimmbad, die Gemeindehäuser und das Schlossmuseum als sogenannte freiwillige Leistungen weiterhin Bestand haben. Dafür werden im Jahr 2026 mehr als 1 Millionen Euro aufgewendet, womit Ohrdruf vermutlich die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für freiwillige Leistungen im gesamten Landkreis Gotha hat. Aber genau diese freiwilligen Leistungen sind der Kitt, der unsere Gemeinschaft zusammenhält. Diese Leistungen schaffen die Grundlagen für die Arbeit im Ehrenamt, für sportliches und kulturelles Engagement in unserer Stadt. Und deshalb ist es gut, dass sie auch 2026 wie bisher weiter finanziert werden können.
Eine Ausgabe im Verwaltungshaushalt bei der sich der Stadtrat sehr einig war, sind die veranschlagten 100.000 Euro, für Maßnahmen zur Gewinnung von Ärzten in der Stadt Ohrdruf.
Im Rahmen des Ringens um den Haushalt für 2026 wurden auch die immensen Kostensteigerungen für die Kindergartenbetreuung in unserer Stadt näher beleuchtet. Während die Zahl der betreuten Kinder von 403 im Jahr 2022 auf nur noch 327 im Jahr 2026 sinkt, sind die Kosten für die Kindergärten und die Kinderbetreuung von 4,37 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 5,805 Millionen Euro im Jahr 2026 gestiegen. Zieht man von den Kosten die Einnahmen durch Zuwendungen des Landes und die Elterngebühren ab, bleiben die ungedeckten Kosten, die die Stadt aus ihren übrigen Einnahmen finanzieren muss. Diese ungedeckten Kosten steigen von 2,215 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 3,131 Millionen Euro im Jahr 2026. Für jedes Kind wendet die Stadt jährlich also fast 10.000 Euro auf, die nicht durch Elternbeiträge und Landeszuweisungen gedeckt sind. Natürlich spiegelt sich dabei auch die deutliche Verbesserung des Betreuungsschlüssels ab 2025 wider. Auf Grund dieser Kostensteigerungen war sich der Stadtrat einig, dass es notwendig ist, eine moderate Anhebung der Kindergartengebühren in Höhe von monatlich 20 Euro für eine Ganztagsbetreuung vorzunehmen. Bei geringerem Betreuungsumfang fällt die Gebührenanpassung entsprechend geringer aus. Auch nach dieser Gebührenanpassung gehört Ohrdruf zu den Städten und Gemeinden mit den niedrigsten Kindergartengebühren in Thüringen. Bei der Bewertung der Gebührenanpassung sollte man zudem wissen, dass es derzeit bereits zwei gebührenfreie Kindergartenjahre gibt. Ab September 2027 wird es das dritte gebührenfreie Kindergartenjahr geben. Die Erstattung für diese gebührenfreien Kindergartenjahre erfolgt durch das Land auf Basis der jeweiligen kommunalen Gebührensatzung. Mit der geringfügigen Gebührenanpassung erhält die Stadt nun auch höhere Erstattungsbeiträge vom Land – zukünftig sogar für drei gebührenfreie Jahre.
Ein weiteres heißes Eisen musste der Stadtrat mit der Erstellung des Haushaltes für 2026 anfassen – eine moderate Erhöhung der Grundsteuer B. Im Jahr 2025 gab es die - durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes - erzwungene Grundsteuerreform. Geplant war eine Aufkommensneutralität im Rahmen der Reform. Es sollte nicht mehr, aber auch nicht weniger Grundsteuereinnahmen für die Kommunen geben. Leider ist dies dem Gesetzgeber nicht gelungen. Für die Stadt Ohrdruf, die ihre Hebesätze für die Grundsteuer im Jahr 2025 nicht verändert hat, bedeutete das eine Mindereinnahme in Höhe von 350.000 Euro, die 2025 verkraftet werden musste. Andere Kommunen im Landkreis hatten ihre Grundsteuern bereits im zurückliegenden Jahr erhöht. Dies musste die Stadt Ohrdruf nun für das Jahr 2026 beschließen. Der Hebesatz für die Grundsteuer B steigt deshalb von 435 v.H. im Jahr 2025 auf 475 v.H. im Jahr 2026. Bei dieser Erhöhung hatten die Stadträte allerdings im Blick, dass der Freistaat Thüringen ein neues Grundsteuergesetz beschlossen hat, das ab dem 01.01.2027 wirken soll. Mit diesem Gesetz soll die Unwucht der Reform des Jahres 2025 korrigiert werden, durch die Besitzer gewerblich genutzter Grundstücke entlastet und Besitzer privat genutzter Grundstücke belastet wurden. Für Privatgrundstücke kann also im Jahr 2027 mit einer Entlastung gerechnet werden.
Stabile Einnahmen für die Stadt sind kein Selbstzweck. Mit den Einnahmen werden die Organisation unseres Gemeinwesens, die Kindergärten, der Bauhof, die Stadtverwaltung, die Feuerwehr, die freiwilligen Ausgaben und natürlich auch die Investitionen in unsere Infrastruktur finanziert.
In Bezug auf die Infrastruktur kann sich Ohrdruf mit seinen Ortsteilen wirklich sehen lassen. Vieles wurde nach der Wiedervereinigung geschaffen. Vieles wurde aber auch in den zurückliegenden Jahren durch gezielte Investitionen saniert und in wieder Ordnung gebracht. In den hinzugekommenen Ortsteilen gab es einen immensen Aufholprozess. Aber natürlich gibt es noch viel zu tun. Und die Liste der noch notwendigen Investitionen ist lang. Deshalb mussten im Rahmen der zurückliegenden Haushaltsberatungen auch Prioritäten gesetzt werden. Alles mit einmal geht leider nicht!
Wichtig war es den Stadträten erst einmal einige große noch laufende Investitionsmaßnahmen abzuschließen. So ist nach langer Vorbereitungszeit und zwei Jahren Bauzeit im Laufe des Sommers die Fertigstellung der Sanierung und die Wiedereröffnung des Wölfiser Schwimmbades geplant.
Eine ähnlich große Baumaßnahme ist die Erneuerung der Heiztechnik im Heizhaus der Stadt und die Sanierung sowie Erweiterung des Fernwärmenetzes. Auch diese, für eine Stadt wie Ohrdruf sehr große Baumaßnahme, soll im ersten Halbjahr dieses Jahres vollständig abgeschlossen werden. Dazu zählt auch die Errichtung eines neuen solarüberdachten öffentlichen Parkplatzes in der Südstraße (Fläche des ehemaligen Gartenmarktes), der mit mehreren Elektroladesäulen für’s öffentliche Laden bestückt sein wird.
Die Sanierung und der Umbau der Gemeindeschenke Wölfis zum Dorfgemeinschaftshaus wird 2026 nach mehreren Jahren Bauzeit seinen Abschluss finden. Fast fertig ist auch die Sanierung des unteren Teils der Stirnstraße in Wölfis, einschließlich der Erneuerung der eingestürzten Ufermauer zum angrenzenden Schillbach. Die Sanierung des Kunstrasenplatzes am Goldberg in Ohrdruf ist leider wetterbedingt im Winter zum Ruhen gekommen. Auch diese Baumaßnahme soll im Frühjahr dieses Jahres abgeschlossen werden. In Crawinkel wurde im zurückliegenden Jahr am Gemeindezentrum „Alte Mühle“ ein Teil der straßenseitigen Fassade erneuert. Nur die dazugehörigen Fensterläden müssen für diesen ersten Bauabschnitt noch saniert und wieder angebracht werden. Sehr mühsam ist es im letzten Jahr mit der Erneuerung der Brücke zwischen der Langgasse und der Steingasse in Wölfis vorangegangen. Das setzt sich hoffentlich in diesem Jahr nicht so fort. Auch dieses Bauwerk soll möglichst im ersten Halbjahr dieses Jahres fertiggestellt werden. Im Kindergarten Kleine Rasselbande läuft aktuell noch die energetische und akustische Gebäudesanierung. Die Arbeiten begannen im 2. Obergeschoss und haben inzwischen das Erdgeschoss erreicht. Ein nahes Ende in diesem Jahr ist also in Sicht.
Aber nicht nur Fertigstellungen sind 2026 geplant. Größte neu beginnende Baumaßnahme ist die Sanierung des stadteigenen Gebäudekomplexes Löberstraße 12 bis 18. Derzeit sind für diese Baumaßnahme Gesamtkosten in Höhe von 6,1 Millionen Euro geplant. Die Baugenehmigung für die Gesamtmaßnahme ist erteilt und Ende Dezember 2025 ging bei der Stadt für diese Maßnahme ein Förderbescheid aus der Städtebauförderung in Höhe von fast 1,8 Millionen Euro ein. Es kann also gestartet werden, damit auch die hier geplanten zwei schönen neuen Arztpraxen entstehen können.
Die Gemeinde Wölfis konnte in den zurückliegenden Jahren nach Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm von erheblichen Fördermitteln aus diesem Förderprogramm profitieren. Letzte Fördermaßnahme daraus wird die Sanierung der historischen Gewölbebrücke in der Bergstraße sein, die in diesem Jahr umgesetzt werden soll. Danach wird die Stadt versuchen auch den Ortsteil Gräfenhain ins Dorferneuerungsprogramm zu bekommen. Der Anfang 2027 einzureichende Antrag wird in diesem Jahr vorbereitet. Gräfenhain geht aber nicht leer aus bei den Investitionen in diesem Jahr. Das bereits vergangenes Jahr bestellte neue Feuerwehrauto TLF 3000 im Wert von 450.000 Euro wird in diesem Jahr endlich ausgeliefert. In Crawinkel soll in diesem Jahr der Spielplatz in der Schulgasse erneuert werden. Alle Ortsteile sollen vom geplanten Neubau oder der Erneuerung der Sirenentechnik für den Katastrophenschutz profitieren, die in Abhängigkeit der Gewährung von Fördermitteln geplant ist. Wenn die bereits in Aussicht gestellten Fördermittel tatsächlich gewährt werden, soll auch die Anbindung des Radweges in der Straße „Am Bahnhof“ in Ohrdruf an den Herrenhöfer Weg über die Bahnhofskreuzung führend, realisiert werden - ein noch ausstehender dringender Lückenschluss für die Radwegeverbindung ins Gewerbegebiet und zukünftig auch nach Gräfenhain. Weitere geplante Investitionen sind die Erneuerung des Daches des Funktionsgebäudes im Goldbergstadion, die Anbindung des Nordflügels an die Heizung der übrigen Flügel des Schlosses, sowie ein weiterer Bauabschnitt der Sanierung des Tobiashammers. Zudem hat die Stadt erhebliche Investitionsmittel für Straßensanierungen eingestellt, um besonders schadhafte Bereiche in diesem Jahr verbessern zu können. Die Stadtwirtschaft Ohrdruf wird, wie schon ausgeführt, die Investitionen rund um das Heizhaus und die Fernwärmenetzerweiterung zum guten Abschluss bringen. Nach Abschluss dieser großen Maßnahme gibt es auch wieder mehr personelle Ressourcen, um die Sanierung der Bestandswohnungen voranzutreiben. Größte Maßnahme wird in diesem Jahr die Komplexsanierung des Wohnblocks Strengestraße 15 sein.
Auch wenn die Auflistung der geplanten Investitionen nicht abschließend ist, will ich es bei diesen Erläuterungen bewenden lassen. Sie sehen, trotz der angespannten Haushaltslage kann die Stadt immer noch ordentlich investieren und viele Dinge voranbringen.
Ein herzlicher Dank geht an alle, die dies mit möglich machen, angefangen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt, über die Planungsbüros und Bauunternehmen, bis hin zu den Mitgliedern des Stadtrates, die letztendlich mit dem Haushaltsbeschluss die Grundlagen dafür gelegt haben.
Auf ein gutes Gelingen im Jahr 2026!
Herzliche Grüße sendet Ihnen
Ihr Bürgermeister
Stefan Schambach