Am Samstag, dem 14. März 2026, wurden in Ohrdruf drei Stolpersteine zur Erinnerung an Mitglieder der Familie Nussbaum verlegt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung - rund 70 Teilnehmende nahmen an der Verlegung an der Straßeneinmündung „Zur alten Ziegelei“ in die Bahnhofstraße teil.
Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative der Stadt Ohrdruf und des Gymnasiums Gleichense. Ziel ist es, das jüdische Leben in Ohrdruf wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken und an Menschen zu erinnern, deren Geschichten durch die Zeit des Nationalsozialismus beinahe in Vergessenheit geraten wären.
Die Verlegung erfolgte durch den Künstler Gunter Demnig, der mit seinem europaweiten Kunst- und Erinnerungsprojekt ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen setzt. Stolpersteine werden vor den letzten frei gewählten Wohnorten von Opfern des Nationalsozialismus in den Gehweg eingelassen und erinnern mit Namen, Geburtsdaten und Angaben zu ihrem Schicksal an die verfolgten und ermordeten Menschen.
Ein besonderer Dank gilt Dr. Michael Willhardt, der die Verlegung der Stolpersteine finanziell unterstützt hat:
Ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung war die Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Gleichense. Amy Ortlepp, Paula Meister, Henning Falk und Sullivan Böhm haben sich im Rahmen ihrer Seminarfacharbeit intensiv mit den Schicksalen der Familie Nussbaum auseinandergesetzt. Während der Verlegung stellten sie ihre Ergebnisse vor und gaben den Anwesenden einen eindrucksvollen Einblick in die Lebensgeschichten der Familienmitglieder Ludwig Nussbaum, Sally (Selig) Nussbaum und Therese Nussbaum geb. Meyer. Dadurch wurde das Gedenken mit persönlichen Schicksalen verbunden und für die Zuhörenden greifbar gemacht.
Im Anschluss an die Stolpersteinverlegung fand in der Bibliothek im Schloss Ehrenstein ein öffentlicher Vortrag von Gunter Demnig statt. Darin gewährte er Einblicke in sein bewegtes Leben sowie in die Entstehung und Entwicklung seiner zahlreichen Kunstprojekte. Besonders eindrücklich schilderte er die Idee hinter den Stolpersteinen und deren Bedeutung als dezentrales, lebendiges Mahnmal, das europaweit zur aktiven Erinnerungskultur beiträgt.
Die beiden Veranstaltungen haben eindrucksvoll verdeutlicht, wie wichtig es ist, die Geschichte der Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten und ihnen einen festen Platz im öffentlichen Gedächtnis zu geben. Das Engagement der beteiligten Schülerinnen und Schüler sowie die große Anteilnahme aus der Bürgerschaft zeigen, dass die Erinnerung an die ehemaligen Mitbürgerinnen und Mitbürger auch heute noch von großer Bedeutung ist.