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Orlamünder Nachrichten
Ausgabe 4/2026
Nichtamtlicher Teil
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Aus privatem Bestand ...

... ein Brief der zwischen 1746 und Anfang 1749 von Hummelshain nach Orlamünde gelaufen ist. Eine genaue Datierung ist auf Grund des fehlenden Inhalts nicht möglich.

Zu dieser Zeit lag Orlamünde unweit an 2 Postverbindungen der kaiserlichen Post, deren Generalpostmeister die Fürsten von Thurn und Taxis waren. Zum Einen gab es die seit 1702 bestehende Postlinie Leipzig-Saalfeld und zum Anderen die Postlinie Weimar-Pößneck. Diese kreuzten sich in Kahla, unweit von Orlamünde. Der Brief hätte also auf normalem Postweg den Weg von Hummelshain über Kahla nach Orlamünde finden müssen, aber die rückseitigen notierten 18 Pfennige sprechen eher für einen Boten, war zu dieser Zeit der Weg über die Post doch sehr sehr teuer. Der Botenlohn war auf kurzer Distanz die bessere und günstigere Wahl. In Luftlinie zu Orlamünde liegt Hummelshain 7,7 km (etwas über 1 Meile) entfernt und die 18 Pfennige entsprachen den damaligen Botenlohn.

Absender war der Oberforstmeister (in Hummelshain von 1736 bis 1749) Johann Friedrich von Kessel (1703-1764), dessen Linie derer von Zeutsch bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhundert reicht. Sie treten da unter der Edelmannschaft der Grafen von Orlamünde auf, urkundlich aber erst im 15. Jahrhundert. Seit Ende des 16. Jahrhunderts sind sie im Besitz des Rittergutes Winzerla in der Orlamünder Flur, wessen 1799 vom Enkel Ernst von Kessel verkauft wurde, der neuer Besitzer des Rittergutes in Rausdorf bei Roda (Stadtroda) wurde.

Empfänger war der im Jahre 1746 gewordene Vize-Superintendent Johann Gottlieb Bergmann (1698-1755). Bergmann war schon 1724 Pfarrer auf der Leuchtenburg bei Kahla und dann 1727 in Unterbodnitz. 1734 zum Landeskircheninspektor nach Altenburg berufen, kam er 1742 schließlich als Pfarrer und Inspektor nach Orlamünde und blieb hier bis zu seinem Tode 1755.

Das rückseitige Siegel zeigt das Wappen des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg unter dem Herzog Friedrich III. (1699-1772), zu dem Hummelshain aber auch Orlamünde damals gehörte.

Marcel Schreiber

archiv@stadt-orlamünde.de