Neundorf/Görkwitz. Gut 60 Kilometer Wegenetz sind es jetzt, die seit Bestehen der Verwaltungsgemeinschaft als ländliche Wege neu ausgebaut wurden. Wege, deren Zustand so schlecht war, dass selbst landwirtschaftliche Technik sich schwertat, sie unbeschadet zu benutzen. Meist handelte es sich bei dabei um Jahrhunderte alte Ortsverbindungen, die ihren ursprünglichen Charakter durch den Ausbau des übergeordneten Straßennetzes längst verloren hatten. Für die Landwirtschaft haben sie allerdings eine entscheidende Bedeutung, dienen sie doch bei der Feldbearbeitung als Haupterschließungsachsen. Gut, dass es für den Ausbau eine Förderung gibt, da eine Finanzierung den Gemeinden sonst nicht möglich wäre.
Die Mittel kommen vom Thüringer Landwirtschaftsministerium und sollen gezielt der Verbesserung der Bedingungen für die Agrarbetriebe zugutekommen. Im Falle von Neundorf und Görkwitz beträgt der Zuschuss sogar 85 Prozent, da beide Kommunen als finanzschwach eingestuft sind. Verbunden ist der Ausbau allerdings mit einem kleinen Nachteil - die Wege sind für mindestens zwölf Jahre der Öffentlichkeit zu entziehen. Diejenigen, die sich gleich darüber aufregen, sollten sich hinterfragen, wann sie denn das letzte Mal dort mit ihrem PKW unterwegs waren. Fahren dürfen also zunächst nur die Land- und Forstwirtschaft, eingeschlossen auch alle privaten Waldbesitzer, und natürlich die Radfahrer. Für Letztere schafft der jüngste Ausbau beste Bedingungen, kann man doch jetzt, über den Unterweg von Schleiz kommend, über Zipfelteich und Pahnstangen auf kurzer und verkehrsarmer Strecke direkt ins Teichgebiet gelangen. Aus landwirtschaftlicher Sicht profitieren die Oettersdorfer Lanwirtschaftliche AG und vor allem die Agrar GbR Großmann/Picker vom Ausbau. So haben sich die Pahnstangener René und Robby Großmann, die die Görkwitzer Stallanlage mit betreiben, sehr gut beratend und unterstützend in den Görkwitzer Bau eingebracht. Im Gegensatz zu dem 800 Meter langen am Pahnstangener Stall beginnenden Wegestück, war die in der Görkwitzer Gemarkung befindliche 1,0 Kilometer lange Strecke selbst für robuste Technik kaum befahrbar. Aus der Oberfläche ragende Felsrücken wechselten sich mit Geröllabschnitten und tiefen Fahrspuren ab. Der Ausbau hat hier für eine deutliche Abhilfe gesorgt. Gut, dass der Hohlwegcharakter erhalten blieb, der Weg durch die beidseitige Eingrünung auch das Landschaftserlebnis für Radfahrer und Fußgänger erhält. Nach Überwindung einer 400 Meter langen 10-prozentigen Steigung wird man, oben angekommen, mit einer schönen Fernsicht belohnt.
Die Kosten des bautechnisch anspruchsvolleren Weges „Gasse/Steinweg“ belaufen sich inklusive Planung und landschaftspflegerischer Maßnahmen auf knapp 280.000 Euro. Der Pahnstangener „Schleizweg“ dagegen kostet insgesamt 170.000 Euro. Bauausführende Firmen waren für Letzteren die STRABAG und für Görkwitz die Firma Streicher. Beide Betriebe gingen im Rahmen der Ausschreibung als Sieger hervor, auch weil sie bei dem technikintensiven Ausbau aufgrund ihrer eigenen Asphaltmischanlagen Vorteile gegenüber kleineren Bietern haben.
Der Ausbau der Wegenetze geht weiter. Bereits beschieden ist die Anbindung des Oettersdorfer Holzmühlenweges an die ehemalige B2. Hier soll im kommenden Jahr gebaut werden. In Vorbereitung sind darüber hinaus die Wege von Göschitz zum Steinbruch Vogelsberg und der Verbindungsweg Volkmannsdorf-Pahnstangen.
Mario Streit