Das Rot des Tegauer Marmors prägt den Charakter des Dorfplatzes
Mittels Spezialtechnik der Firma Schwerlast Weise wurde der 15 Tonnen schwere Großstein im Steinbruch verladen und vor Ort versetzt. Der Chef der Firma HQ-Landschaftsbau, Paul Querengässer (links) bringt den Koloss in die richtige Lage.
Mit einem kleinen Programm bereicherten die Kinder der Tegauer KiTA „Flohkiste“ die Platzweihe
Es war eine lange Odyssee und eine schwere Geburt, bis der neue Dorfplatz in Tegau endlich am 28. August vor zahlreichen Einwohnern eingeweiht werden konnte. In seinen kurzen Rückblick ging Mario Streit auf die Geschichte des Objektes ein: „Hier, wo ich gerade stehe, stand ich bereits vor knapp sechzig Jahren, aber mit Kufen unter den Schuhen.“ Jahrhunderte lang befand sich an dieser Stelle der zentrale Dorfteich. Er gehörte von Anfang an zu den Tegauern. Hier tummelten sich einst Enten und Gänse, auch einiges Abwasser wurde aufgefangen und nicht zuletzt war der Teich ein wichtiger Löschwasserspeicher. Bei Letzterem beginnt auch die Geschichte vom Ende. Als der Rückbau laut wurde, gab es nicht nur Freude: „Ihr könnt doch den Teich net wegmachen“, meinten einige der Älteren Bewohner, „der war schon immer da und muss auch bleiben!“.
Doch der Gemeinde blieb keine Wahl. Der Teich konnte nicht bleiben. Mit der Umgestaltung der Dorfmitte im Zuge der großzügig geförderten Dorferneuerung im Jahre 1998 wurde auch die Kanalisation neu konzipiert und umgebaut. Ziel war es, die Einträge von Abwasser in den Teich zu minimieren. Dies wurde auch umgesetzt. Neue Mischwasserleitungen nahmen neben dem Abwasser aber auch das Niederschlagswasser der Dächer und Höfe auf. Wasser, das vorher den Teich ausreichend speiste, floss jetzt an ihm vorbei. Da es in Tegau aufgrund der Topographie an einem Fließgewässer fehlt, war man von Beginn an auf Quellen, Schichtenwasser und das Regenwasser angewiesen. Auch nachdem Anfang 2000 nachträglich noch zwei Höfe angebunden wurden, war der Teich nicht mehr zu füllen. Reparaturen wurden durchgeführt, Risse in der Mauer geschlossen, eine neue Lehmsohle eingebaut, doch all das brachte keine entscheidende Wende.
Jahre des Wartens und Bangens vergingen. Besonders im Winter 2012, als das Gehöft der Ortsstraße 3 in Flammen stand, nur 50 Meter vom fast leeren Speicher entfernt. Doch ein großes Aufgebot an Feuerwehren mit moderner Technik verhinderte Schlimmes. Der Gemeinderat wollte ein weiteres solches Zitterspiel vermeiden, entschied sich zu Taten. Allein an Geld fehlte es zunächst. Verschiedenste Förderoptionen wurden abgeklopft, vergebens. Nachdem die Gemeinde finanziell wieder besser aufgestellt war, fiel die Entscheidung: Es wird gebaut, auch ohne Zuschüsse! Und wie es bereits die Dittersdorfer (auch ohne Fördermittel) vormachten, sollte der Teich zurückgebaut, eine 100 Kubikmeter fassende Löschwasserzisterne eingebaut und die darüberliegende Freifläche ansprechend gestaltet werden. Die Planung des Tiefbaus übernahm das Zeulenrodaer Büro Daehne und Putschli. Bauausführende Firma war die ZeuTie Tiefbau GmbH, die gerade auch im Auftrag des Zweckverbands Zeulenroda vor Ort tätig war und Synergien nutzen konnte.
Ein Jahr später erfolgte die Gestaltung des Platzes. Diesmal ohne Planer. Ideen kamen von (wenigen) Bürgern und der Verwaltung. Mit dem Oppurger Unternehmen HQ-Garten & Landschaftbau, wurde eine Firma gefunden, die es bestens verstand, das Grobkonzept aufzunehmen, zu verfeinern und fachlich perfekt bis hin zur Bepflanzung umzusetzen. Blickfang des Platzes ist ein 15 Tonnen schwerer Großstein aus rotem Marmor als Symbol für den Jahrhunderte langen Bergbau. Vor allem der Marmor kam in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei vielen deutschen Repräsentativbauten zum Einsatz. So zieren zum Beispiel seit 1910 vier fünf Meter hohe Säulen den Altar der Kirche St. Michaelis, des größten und bekanntesten Gotteshauses der Hansestadt Hamburg. Die Säulen stammen noch aus dem Schöbelbruch, einem der drei Tegauer Steinbrüche, in denen Marmor abgebaut wurde.
Das rote Gestein findet sich passend auch als Splitt auf den über den Platz führenden Wegen wieder. Komplettiert wird die Freifläche durch einen großzügigen Pavillon, Bänke und drei Schautafeln zur Geschichte des Ortes und des Bergbaus.
Die Gesamtkosten für Tiefbau, einschließlich Abriss, Zisterne, Freiflächengestaltung und Planung beliefen sich auf knapp 215 tausend Euro, eine in Anbetracht der aktuellen Marktsituation durchaus überschaubare Summe.
In seine Dankesworte schloss Bürgermeister Gottfried Löffler auch alle der an einem weiteren Objekt Beteiligten, dem Spielplatz vor dem Kindergarten, ein. Die Kinder selbst gaben der Platzweihe mit einem kleinen Programm einen feierlichen Rahmen. Am Ende gab es Beifall für das gelungene Werk und auch die Gemeinde, die, unterstützt von der Feuerwehr, Bier und Roster spendierte.
Text: Mario Streit