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Pößnecker Stadtanzeiger
Ausgabe 4/2026
Nichtamtlicher Teil
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Goethe-Gesellschaft Pößneck e. V. lädt ein

Thomas Manns Roman „Lotte in Weimar”

Vortrag von Oliver Meyer-Ellendt, Wetzlar

 

 

Während eines viermonatigen Aufenthalts im Sommer 1772 in der Reichsstadt Wetzlar verliebt sich der 22-jährige Goethe in die drei Jahre jüngere Amtmannstocher Charlotte Buff. Doch Charlotte hat sich bereits einem anderen Mann versprochen. Goethe flieht und verarbeitet seine Erfahrungen in dem Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ (1774). Im September 1816 begegnet der 67-jährige Goethe der mittlerweile verwitweten Charlotte Kestner, geb. Buff, erneut, als Charlotte Verwandte in Weimar besucht. Das Wiedersehen nach 44 Jahren verläuft für Charlotte enttäuschend. „Ich habe eine neue Bekanntschaft von einem alten Manne gemacht, welcher (...) keinen angenehmen Eindruck auf mich gemacht hat.“ Diese kleine Episode in der Literaturgeschichte wählt Thomas Mann zum Kern seines Romans „Lotte in Weimar“. Nach seiner Emigration in die USA 1938 setzt er damit der ideologischen Vereinnahmung Goethes durch die Nationalsozialisten seine eigene Sicht auf den Klassiker entgegen. Dabei zeigt Mann die menschlichen Widersprüche in Goethes Persönlichkeit und Werk und fängt mit feinem Humor und literarischer Eleganz die melancholische Stimmung seines Wiedersehens mit Charlotte ein. „Eine Erzählung, 1816 in Weimar spielend, worin ich mir die phantastische Freude mache, Goethen persönlich auf die Beine zu stellen. Kühn, nicht wahr? Aber nachdem ich’s mit 40 vermieden, will ich mir’s mit 60 lustspielmäßig gönnen“, schreibt Thomas Mann im November 1936. Der Wetzlarer Autor und Regisseur Oliver Meyer-Ellendt entwirrt in seinem Vortrag den Aufbau des Romans und trennt die historischen Fakten von Manns dichterischer Freiheit. Vor allem werden die Figuren des Romans lebendig: die verwitwete Charlotte, die im Hotel „Zum Elephanten“ von einem Strom neugieriger Goethe-Verehrer besucht wird, Goethes Sohn August mit väterlichem Begrüßungsauftrag und schließlich Goethe selbst, den Thomas Mann seufzen lässt: „Die Vergangenheit verschwört sich mit der Narrheit gegen mich.“ Der Kellner des „Elephanten“, Mager, begeistert sich indessen am Besuch Lottes in Weimar: „Das ist ein Erlebnis - wie soll ich es nennen. Es ist buchenswert.“ Und die Goethe-Gesellschaft hat ihn gebucht, Oliver Meyer-Ellendt, den studierten Literatur- und Musikwissenschaftler, der sich auf das Schreiben und Inszenieren theatralischer Stadtführungen spezialisiert hat und seinen Zuhörern am Donnerstag, 21. Mai um 19 Uhr in der Aula des Gymnasiums „Am Weißen Turm“ einen interessanten und unterhaltsamen Abend zum Besuch Lottes in Weimar bescheren wird. ALLE Interessenten sind herzlich eingeladen.