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Saale-Sormitz-Kurier Amts- und Mitteilungsblatt der Gemeinde Remptendorf
Ausgabe 3/2026
Gestaltung Seite 2
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Der Bürgermeister informiert ...

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

die Jahreslosung der ökumenischen Gemeinschaft lautet für 2026: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“. Man kann dieser Losung aus tiefer Glaubensüberzeugung folgen oder sie ganz pragmatisch auf das anwenden, was sich gerade vor unseren Augen abspielt. Die Natur macht es uns vor: Die Frühblüher sind allgegenwärtig und die Welt erhält so langsam ihr neues Farbenkleid.

Doch während es draußen Frühling wird, zeigen uns die Nachrichten eine andere, dunklere Welt in tiefer Unruhe. Kriege, weitreichende geopolitische Konflikte und wirtschaftliche Machtkämpfe dominieren die Schlagzeilen und stellen menschliches Handeln wieder infrage. Die universellen Ziele der UN-Charta - weltweiter Frieden, Sicherheit, Abrüstung und freundschaftliche Beziehungen zwischen den Staaten - scheinen vielerorts in den Hintergrund globalwirtschaftlicher Interessen getreten zu sein. Man fragt sich unweigerlich: Sind diese Werte überholt? Ich bin fest davon überzeugt, dass sie es nicht sind. Vielmehr sind die aktuellen Krisen ein schmerzhafter Weckruf, der uns zeigt, was zwingend „neu“ werden muss.

Seit den 1970er-Jahren sprechen wir von mehr Unabhängigkeit, nach der Ölkrise. Faktisch haben wir uns aber immer tiefer in Abhängigkeiten begeben. Die Fixierung auf den reinen Preis hat dazu geführt, dass wir systemrelevante Produktionen ins Ausland - allen voran nach Asien - verlagert haben. Nun spüren wir die wirtschaftlichen Konsequenzen dieser Entwicklung und die damit verbundenen globalen Verteilungskämpfe. Wenn selbst gestandene Industrieunternehmen den Standort Deutschland infrage stellen, findet man schnell einfache Antworten und dementsprechend auch die passenden Schuldigen dafür. Aber wenn das so einfach wäre, warum bestehen diese Probleme weltweit und in verschiedenen Systemen? Jetzt den Standort Deutschland mal wieder mit noch mehr Subventionen retten zu wollen, greift dem zu kurz. Es braucht einen weitsichtigen Zukunftsplan für unser Land und ein starkes, geeintes Europa, das seine Ressourcen und seine Innovationskraft nutzt, um technologisch, sowie wirtschaftlich wieder als souveräner Taktgeber aufzutreten.

Doch was bedeutet diese globale Perspektive für uns hier vor Ort? Wir werden in unserer Gemeinde nicht die Weltpolitik neu ordnen. Aber wir haben es in der Hand, das „Neue“ in unserem direkten Umfeld positiv zu gestalten. Zukunftsorientierte Politik beginnt an der Basis. Das bedeutet konkret: Wir müssen unsere regionalen Kreisläufe stärken. Wenn wir das ansässige Handwerk, die heimische Landwirtschaft und die lokalen Unternehmen unterstützen, machen wir uns Stück für Stück unabhängiger von globalen Verwerfungen. Ebenso verhält es sich im Energiesektor, der seit Jahrzehnten für globale Krisen sorgt. Wir investieren in unsere eigene stetig steigende Widerstandsfähigkeit. Auch die großen Werte wie Respekt, nachbarschaftliche Hilfe und ein konstruktiver Diskurs sind das Fundament für unsere funktionierende Gesellschaft vor Ort.

Neue Wege müssen wir auch bei unseren lokalen Herausforderungen gehen. Für unser Freibad in Liebschütz suchen wir händeringend Personal, um die anstehende Saison abzusichern. Denn erstmals seit langem hat auch unser Betreiber noch keine Aussichten auf einen Bademeister. Die Generation langjähriger, erfahrener Fachkräfte geht in den Ruhestand, und Nachwuchs für dieses verantwortungsvolle Berufsfeld ist schwer zu finden. Hier bitte ich Sie um Ihre Mithilfe: Wenn Sie in Ihrem Umfeld Rettungsschwimmer (Silber oder Gold) oder eine Fachkraft für Bäderbetriebe kennen, vermitteln Sie gern den Kontakt. Wir setzen alles daran, ein attraktives Angebot zu schaffen, um einen sicheren Badbetrieb zu gewährleisten. Unabhängig davon werden wir vor Saisonbeginn eine PV-Anlage installieren, um die Betriebskosten des Bades langfristig und nachhaltig zu senken.

In der ersten Jahreshälfte liegt unser baulicher Fokus auch auf notwendigen Straßensanierungen im gesamten Gemeindegebiet. Lange haben wir hier abgewartet, um die Baumaßnahmen des Glasfaserausbaus abzustimmen. Dies führt mich zu einem leidigen Thema: Die Zusammenarbeit mit den ausführenden Unternehmen, insbesondere der UGG, gestaltet sich in der Fläche als äußerst schwierig. Wir werden vielerorts mit noch nicht wiederhergestellten Straßenoberflächen konfrontiert. Ich versichere Ihnen: Wir prüfen derzeit alle rechtlichen Hebel und werden die uns zur Verfügung stehenden Mittel konsequent nutzen, um unsere Ansprüche auf Schadensbeseitigung durchzusetzen. Dass es auch besser laufen kann, zeigt erfreulicherweise der Ausbau der Glasfaserplus, der zügig voranschreitet und mit bedeutend weniger Einschränkungen seine Ziele verfolgt. Hätten wir 2022/23 gewusst, wie sich dieser Ausbau gestaltet, hätte man wohl einen Plan machen können, um manche Straßenabschnitte gleich mit einer kompletten Oberfläche zu versehen. Nun ist das “neu” machen nicht mehr so einfach.

Veränderungen und Neuanfänge sind eben selten leicht. Das lehrt uns auch die Geschichte des Osterfestes. Es erinnert uns daran, dass echte Erneuerung oft voraussetzt, Altes und Bequemes loszulassen und schwierige Phasen zu überwinden, bevor etwas Gutes entstehen kann. Ich habe die feste Hoffnung, dass uns ein starker Gemeinschaftssinn und das Vertrauen ineinander sicher in eine weiterhin lebenswerte Zukunft führen können. „Siehe, ich mache alles neu!“ - nehmen wir diesen Gedanken als Antrieb für unsere Projekte. Nutzen wir das Frühjahr und den Tatendrang der Natur als Sinnbild dafür, mit Zuversicht und Pragmatismus an der Zukunft unserer Gemeinde zu arbeiten.

Ich wünsche Ihnen allen einen sonnigen, hoffnungsvollen und inspirierenden Frühling.

Ihr Bürgermeister,

Tino König