die Fußballweltmeisterschaft in der „Neuen Welt“ hat begonnen, aber bei Redaktionsschluss des Amtsblattes lässt das WM-Fieber noch auf sich warten. Dennoch wird es wieder viele tausend Begeisterte geben, die meist gemeinschaftlich die Leistungen der Profisportler kommentieren, analysieren und bewerten. Ich selbst freue mich auch schon darauf, besonders eben auf die gemeinsamen Momente, um im „Expertenkreis“ mit Freude, Frust und „Fachwissen“ zu diskutieren.
Für mich hat seit ein paar Tagen die zweite Halbzeit meiner Wahlperiode bereits begonnen. Seit Juni erleben und ertragen Sie mich schon drei Jahre als Bürgermeister. Es ist mitunter schwierig, selbst einen objektiven Rückblick zu geben, daher bleibe ich auf der subjektiven Ebene, meiner persönlichen Meinung. Viel zu versprechen, was ich nicht halten kann, war von Beginn an nicht der Anspruch, den ich hatte, um die Stelle des Bürgermeisters auszufüllen. Noch heute sehe ich eigene Wissensdefizite, wenn es darum geht, die komplexen Themen zwischen Politik, Verwaltung und Pragmatismus zu managen. Aber die Vorstellung, unsere Infrastruktur zu erhalten oder sogar aufzuwerten, bleibt weiterhin der rote Faden, der mich anspornt.
Neben vielen kleineren Maßnahmen, welche auch in der Vergangenheit stets durchgeführt wurden, sind in verschiedensten Bereichen kleine und große Sprünge bereits gelungen. Mit dem neuen LKW und Bagger für den Bauhof haben wir wesentlich größere Handlungsfreiheit erhalten, um unsere gemeindlichen Aufgaben flexibel und schnell zu erledigen. Die Zusammenführung der Kindergartenleitung hat seit einem halben Jahr bewiesen, dass Kommunikationswege kürzer, direkter und fachlich besser funktionieren, was auch die Zusammenarbeit beider Einrichtungen sichtlich verbessern konnte. Mit PV-Anlagen auf dem Bauhof, dem Sportlerheim in Liebschütz und auf dem Gebäude am Freibad sowie einer Ladesäule am Verwaltungsgebäude in Remptendorf sind erste Energieprojekte umgesetzt worden, die nicht nur Energie sparen, sondern die vorhandenen Potenziale nutzen sollen.
Technisch konnten wir uns auch in der Verwaltung verbessern: Mit neuer IT-Infrastruktur in der Verwaltung, vom Netzwerk über neue Serverstandorte bis hin zu Software und Anwendungen für den Bürgerservice sind wir auch für die nächsten Schritte der Digitalisierung gut vorbereitet. Im Bereich des Katastrophenschutzes haben wir das erste werksneue Feuerwehrfahrzeug seit Gemeindegründung bestellt und arbeiten aktuell am Konzept eines neuen Gerätehauses im Ortsteil Ruppersdorf. Nicht den größten, aber einen wesentlichen Anteil tragen wir auch am Neubau der Rettungswache in Liebschütz, welche wohl im Spätsommer dieses Jahres in Betrieb gehen kann. Mit Abstand ist das Projekt eine ganz besondere Herzenssache, da die Erbauer und ihre Familien eine in allen Belangen vorbildhafte Verantwortung übernommen haben.
Wenn ich diese Dinge so aufzähle und mir viele kleinere, wenngleich nicht unbedeutendere Sachen durch den Kopf gehen lasse, dann bin ich zum Teil erfreut und zugleich noch enttäuscht von der Geschwindigkeit anderer Projekte, welche sich wie ein zäher Kaugummi dahinziehen. Da dieses Amtsblatt vor der Gemeinderatssitzung vom 11. Juni geschrieben wurde, kann ich nur hoffen, dass wir in dieser Sitzung den Beschluss zur Gründung eines kommunalen MVZ gefasst haben. Dies bedeutet nämlich noch lange nicht, dass wir die allgemeinmedizinische Grundversorgung sofort ergänzen oder sichern können, sondern nur, dass wir legitimiert werden, sämtliche Voraussetzungen dafür zu schaffen. Dieser Versorgungsteil ist besonders für den ländlichen Raum ein Kernthema, welches sichtlich aus der greifbaren Umgebung verschwindet.
Wie Sie sehen können, ist noch viel Luft nach oben, was auch die Zustände vieler kommunaler Gebäude und Straßen widerspiegeln. Letzteres stellt uns dieses Jahr noch vor größere Herausforderungen bei der Umsetzung. Mit einer rettenden Maßnahme zum Erhalt der Straße Ruppersdorf - Thimmendorf soll es in den Sommerferien losgehen. Die im Haushalt verankerten umfassenden Straßenreparaturen in Liebengrün am Wasserturm und zum Freibad, sowie in Remptendorf am Saaleblick warten noch auf den fertigen Ausbau von Glasfaserplus, bevor diese beginnen können. In Liebschütz konnte die Oberflächenwasserableitung entlang der Lobensteiner Straße aber schon fertiggestellt werden, da der umfangreiche Straßenbau des Thüringer Landesamtes für Bau und Verkehr wieder einmal abgesagt wurde.
In Burglemnitz kommt eine ungeplante Aufgabe dazu, weil der Glasfaserausbauer UGG sämtliche Kommunen im Stich gelassen hat. Hier haben wir eine Ersatzvornahme initiiert und werden selbst ein Unternehmen zur Beseitigung der entstandenen Straßenschäden beauftragen. Mit ca. 100.000,00 € kein Pappenstiel für eine Gemeinde! Wie und wann wir unser Geld zurückerhalten, wird sich zeigen müssen. Das Thema der Infrastruktur wird uns in den nächsten Jahren in Remptendorf in Form von Kanal- und Straßenbau intensiv beschäftigen. Um unserer kommunalen Aufgabe nachzukommen, werden wir gemeinsam mit dem Zweckverband den Anschlussgrad der Kläranlage erhöhen und für eine Aufwertung der kommunalen Pflichtaufgabe Sorge tragen.
Liebe Bürgerinnen und Bürger, ich möchte mich aber auch bei Ihnen bedanken - insbesondere bei Ihrer Vertretung im Gemeinderat für die bisherige Zusammenarbeit, welche das Angesprochene erst ermöglicht. Danke auch dafür, dass Sie das Angebot angenommen haben und stets den kurzen und direkten Dienstweg zu mir zu suchen. Die meisten Dinge haben sich dann schnell ergeben oder konnten geregelt werden, indem man einfach miteinander gesprochen hat. Das ist sehr erfreulich und darf gern weiterhin so beibehalten werden.
Wie bereits erwähnt, steht die Ferienzeit auch wieder an und die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen sind fast am Ende ihrer Prüfungen. Danach entscheiden sie nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihr Lebensumfeld, wie der Weg weitergeht. Ich plädiere zwar nicht dafür, dass niemand weggehen soll (neue Erfahrungen zu sammeln, tut jedem mal gut) aber der Gedanke sein erlangtes Wissen und Können in der Heimat wieder einzusetzen, ist meines Erachtens ein Plädoyer wert. Junge Menschen sind der Treibstoff eines gesellschaftlichen Motors, welcher niemals zum Stillstand kommen darf. Weil der Mangel an Einwohnern immer größer wird, tuckert dieser Motor gefühlt nur noch im Standgas und bewegt sich kaum vorwärts.
Aber das gilt nicht nur für Wirtschaft und Ehrenamt, sondern auch für die Familie. Betrachtet man die vielen ursprünglichen Gebäude unserer Gemeinde, so sieht man, dass diese nur noch einen Bruchteil der Bewohner beherbergen, wie vor zwei oder drei Generationen und der Altersdurchschnitt steigt genauso. Eine soziale Verantwortung, die man dem Nachwuchs nicht als Last vererben möchte, kann sich in vielen Bereichen aber auch als nicht-monetärer Gewinn darstellen. Organisierte, aber auch familiäre Kinderbetreuung, günstiger Wohnraum, Platz und Freiheit, Freunde, wie auch das unbeschreibliche Gefühl der Geborgenheit sind Faktoren, die wir jetzt schon bieten können.
Weiche Faktoren gibt es reichlich, die dazu animieren, in der Heimat zu verweilen. Nun gilt es Anreize zu schaffen, um die Ortskerne zu beleben, Infrastrukturen zu stärken, welche die Daseinsvorsorge in greifbarer Nähe sichern, und soziale Räume zu ermöglichen, die vielfältige Interessen bedienen - wie es das Ehrenamt bereits tut. Dass dazu der politische Wille, aber auch die finanziellen Mittel nötig sind, sollte von vornherein klar sein. Aber hier holen uns die Biografie und die vorhandene Struktur leider ein.
Mit dem Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft „Geographien der Unzufriedenheit - Daseinsvorsorge“ stehen die ostdeutschen Regionen, insbesondere der dünnbesiedelte ländliche Raum, ganz hinten an. Die Gemeinde Remptendorf belegt mit dem Platz 10.089 von 10.817 Städten und Gemeinden in Deutschland, einen der letzten Plätze. Für mich ist damit vollkommen klar: Egal, was wir verändern, es kann nicht noch schlimmer werden. Aber in Lauerstellung zu verharren, in der Hoffnung, dass jemand kommt, um uns wie eine Prinzessin aus dem „ewigen Schlaf des Stillstands“ wachzuküssen, ist schier hoffnungslos. Daher gilt für mich, dass wir sofort einen Umbruch wagen müssen, um uns vorwärts zu bewegen, auch wenn Veränderung mit natürlichen Ängsten verbunden ist. Ablehnung und Verweigerung von Neuem werden nur zu noch mehr Unzufriedenheit und Verlusten führen.
Ein besseres Beispiel dafür ist Friedrichroda. Diese kleine Gemeinde im Westen von Thüringen hat durch Mut und große Investitionen in die Infrastruktur den Bruch durch die politische Wende nicht nur überstanden, sondern auch langfristig für sich nutzen können. Die Einwohnerzahlen sind im Verhältnis stabil geblieben, und mit visionärer Weitsicht zeigt sich heute, dass es sich gelohnt hat, die Zukunft zu gestalten. Mit Platz 10 im bundesweiten Vergleich ist dies nicht nur ein Indiz dafür, dass sich progressive, weitdenkende Entscheidungen lohnen, sondern es ist der Beweis für die Gestaltungskraft von gemeinschaftlichen Visionen.
Vielleicht ist es auch genau das, was uns fehlt. Weder die Bundes- noch die Landesregierung - aber ganz oft auch wir selbst - haben keine klare Vorstellung davon, was in 5, 10 oder gar 20 Jahren geschaffen werden muss, damit es im eigenen Wirkungsbereich lebenswert ist. Es geht dabei auch nicht um eine sozialistische Planwirtschaft, sondern mehr um eine Orientierung im Leben und Wirken. Spätestens jeder, der Kinder bekommen hat, hat angefangen, seinen Alltag besser zu planen. Jeder Vereinsvorsitzende oder Geschäftsführer muss Pläne erstellen, um Ziele erreichen zu können.
Für mich stellt sich seit drei Jahren die Frage: Welche mittel- und langfristigen Ziele müssen erreicht werden, um das Leben in der Gemeinde so lebenswert zu gestalten, dass Menschen hier das vorfinden, was zum Existieren notwendig und zum besseren Leben gebraucht wird. Kurzfristige kommunale Ziele sind in der Regel davon geprägt, dass man die Symptome der großen Probleme beheben möchte, welche immer zahlreicher und größer werden.
Lassen Sie uns daher offen über neue Wege, neue Möglichkeiten und neue Ideen reden, denn eines steht fest: Verbesserungen schaffen wir nur gemeinsam.
Mit dem Beginn der Sommerferien werden viele auch wieder an ihnen unbekannte Orte reisen. Versuchen Sie dort einmal aufzunehmen, was anders ist, was möglicherweise besser ist, aber auch, was Sie dort vermissen würden, das Ihnen zu Hause geboten wird. Es ist für mich selbst immer wieder spannend, wie andere Regionen sich selbst verstehen und ihre örtlichen Möglichkeiten nutzbar machen.
Damit wünsche ich Ihnen einen schönen Start in die kalendarische Sommerzeit ab dem 21. Juni. Genießen Sie die Wärme der Jahreszeit und der Gesellschaft bei den WM-Spielen, im Kreis der Familie, mit Freunden oder Gleichgesinnten.
Mit den besten Grüßen
Ihr Bürgermeister Tino König