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Saale-Sormitz-Kurier Amts- und Mitteilungsblatt der Gemeinde Remptendorf
Ausgabe 7/2026
Gestaltung Seite 2
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Der Bürgermeister informiert...

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

vor vier Wochen habe ich an dieser Stelle Bilanz zur Halbzeit meiner Amtsperiode gezogen. Ich habe offen über unsere Potenziale gesprochen, aber auch über den harten Befund der Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft, der uns als Gemeinde auf den hinteren Plätzen sieht. Meine Botschaft war klar: Wir müssen den Umbruch wagen, bevor der Stillstand uns einholt. Die letzten Wochen haben mir und uns allen in aller Härte gezeigt, wie zäh dieser Weg ist. Wer sich bewegt, erzeugt Gegenwind. Aber als Bürgermeister, vor allem aber als Handwerker, ist es mein Anspruch, nicht nur notdürftig zu flicken, sondern haltbare Fundamente zu schaffen.

Zuerst das Erfreuliche: Ein herzlicher Glückwunsch geht an die Männermannschaft des FSV Remptendorf! Mit einer bärenstarken Saison habt ihr euch zum Meister der Kreisklasse gekrönt. Das war gelebter Teamgeist und purer Siegeswille - Qualitäten, von denen sich unsere Nationalelf bei ihrem frühen WM-Ausscheiden eine dicke Scheibe hätte abschneiden können.

Im Gemeinderat ging es zuletzt weniger feierlich zu. Der von mir angestrebte formelle Gründungsbeschluss für ein kommunales Medizinisches Versorgungszentrum (kMVZ) wurde von der Tagesordnung genommen. Einige Gemeinderäte sowie Bürger sehen hierin eine Kompetenzüberschreitung und betrachten die medizinische Daseinsvorsorge im Moment als lokale Nebensache. Aus der Bevölkerung wurde mir stattdessen nahegelegt, mich vorrangig um die Ansiedlung des im letzten Jahr erwähnten Einkaufsmarktes zu bemühen, um die Nahversorgung unserer älteren Generation zu sichern. Als Bürgermeister akzeptiere ich diese Meinungen, wenngleich für mich beide Notwendigkeiten gleich schwer wiegen. Meine Vision für die Einheitsgemeinde Remptendorf bleibt unerschüttert: Eine sichere Zukunft im ländlichen Raum gibt es nur, wenn wir eine starke Infrastruktur vorhalten und die Daseinsvorsorge in greifbarer Nähe bleibt.

Ein echter Nackenschlag traf uns wieder einmal beim Bauhof. Unser Klein-LKW der Marke AEBI (Baujahr 2017), der einmal wieder für eine fünfstellige Summe repariert wurde, erlitt auf dem Rückweg von der Werkstatt die nächste Fehlermeldung mit weitreichenden Folgen. Damit stand das Fahrzeug in den letzten sechs Monaten fast ausschließlich in der Werkstatt - und fällt wohl weiter aus. Eine Neuanschaffung schlägt mit rund 200.000 Euro zu Buche. Dieses Geld ist in der aktuellen Haushaltssatzung nicht eingeplant. Ein adäquater Ersatz ist für 2026 nicht mehr zu erwarten - erst recht nicht, wenn man Ausschreibung, Vergabe und Lieferzeiten bedenkt. Für den kommenden Winterdienst bedeutet das schon heute: Notbetrieb. Das ist die ungeschönte Wahrheit, sollte uns ein normaler regionaler Winter bevorstehen. Wir werden improvisieren müssen. Aber ich versichere Ihnen, wir werden alles daransetzen, die Sicherheit auf unseren Straßen trotz dieser technischen Vollbremsung zu gewährleisten.

„Und täglich grüßt das Murmeltier“ - dieses Gefühl beschreibt auch das Dauerthema Glasfaserausbau. Zwar läuft es mit GlasfaserPlus (Telekom) um Welten besser als mit der UGG, aber auch hier holt uns die Realität ein. Aufgrund von Material- und Einbauproblemen öffnen sich selbst in bereits fertiggestellten Trassen immer wieder neue Baugruben, um die Anschlüsse bis ins Haus zu bringen. Das verhindert saubere Abnahmen und erzeugt Unklarheit darüber, welcher Graben wann wieder aufbricht. Das Tempo und die schiere Masse der Maßnahmen führen am Ende zum Kontrollverlust und zu Folgeschäden.

Ein drastisches Beispiel ist der „Erdfall zu Thimmendorf“. Ende Juni tat sich in der Hitzeperiode plötzlich ein Loch mitten im Asphalt der Kreisstraße auf, direkt vor der Ausfahrt eines Anwohners. Dank des schnellen Einsatzes von Bürgern und Bauhof konnte die Gefahrenstelle noch am selben Abend abgesichert werden. Das Loch war tückisch - an der Oberfläche nur 30 Zentimeter breit, aber über einen Meter tief. Besonders in den Nachtstunden hätte das schwere Unfälle verursachen können. Das Absurde daran, die Kreisstraße befindet sich auf Gemeindegrund, das Loch liegt unmittelbar an einem Kanal des Zweckverbandes, und die Glasfaseranbieter haben genau dort bereits zweimal gebuddelt. Hier Zuständigkeiten zu klären, gleicht einer Sisyphusarbeit, weil Ursache und Wirkung verschwimmen. Das mühsam vereinbarte Ziel lautet nun: Alle vier beteiligten Parteien müssen ihren Beitrag leisten, um den Schaden zu beheben! Wenn wir dieses Beispiel auf alle 14 Ortsteile übertragen, liegt noch viel Glasfaserfrust vor uns, bevor aus der Baustelle eine gewohnte Infrastruktur wird.

Dass es auch anders geht, zeigt eine echte Gemeinschaftsmaßnahme zwischen Thimmendorf und Ruppersdorf. Gemeinsam mit einem spezialisierten Unternehmen aus Österreich testen wir an den kritischen Stellen der Straße erstmals eine dauerhafte Beton-Bankettlösung. Vertreter anderer Kommunen, des Landkreises und des Landesamtes für Bau und Verkehr haben dieses Pilotprojekt aufmerksam verfolgt, um Rückschlüsse für alternative Straßensanierungen zu ziehen. Dank der Sommerferien konnten wir die Straße voll sperren, ohne den Schulbusverkehr zu beeinträchtigen.

Das eröffnete wertvolle Synergien. Die STW erledigt planmäßige Asphaltreparaturen, der Bauhof hebt Straßengräben aus und setzt Einläufe instand, während der Zweckverband längst überfällige Kanalreparaturen durchführt. So werten wir in Eigenregie eine Straße auf, die infrastrukturell für alle wichtig ist, vom Land jedoch zur Gemeindestraße herabgestuft wurde.

Es sind genau diese alltäglichen Strukturen, die wegzubrechen drohen, wenn wir sie nicht mit aller Kraft verteidigen und aufwerten. Was einmal weg ist, kommt nicht wieder. Daher wehre ich mich entschieden gegen die Resignation. Ich werbe für mutige Veränderungen und für mehr Eigenverantwortung. Man hat mir kürzlich den Rat gegeben, ich solle mich als Bürgermeister nur an dem messen lassen, was bereits erreicht ist, nicht an dem, was ich noch erreichen möchte. Als Handwerker verstehe ich diesen Ansatz, eine funktionierende Heizung zählt am Ende mehr, als die kühnste Theorie. Aber aus meiner Erfahrung sage ich Ihnen auch: Jeder großen Tat geht immer eine große Vision voraus! Wenn wir aufhören, groß zu denken und mutige Ideen zu entwickeln, verwalten wir nur noch den eigenen Niedergang. Wir müssen nicht darauf warten, dass die großen Lösungen von oben oder von neuen Regierungen kommen. Deren Baustellen sind zu groß, als dass wir Priorität hätten. Wir müssen dort selbst anpacken, wo am wenigsten Hilfe zu erwarten ist. Und ich weiß, dass wir das können.

Dieses Können und Wollen ist übrigens der Grund, warum sich ein Bundesminister in unsere Dörfer „verirrt“. Am 6. August besucht uns Alois Rainer (CSU), Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, in Ruppersdorf und Gahma. Bei einem Dorfrundgang lenken wir den Blick auf die Bürger und Unternehmer, die mit Mut und Tatendrang beweisen, wie erfolgreiche Wege abseits ausgetretener Pfade aussehen. Zudem besichtigen wir das Areal von Grundschule und Kindergarten, sowie den potenziellen Standort für den Feuerwehrneubau. Um das bürgerschaftliche Engagement zu würdigen, lädt das Ministerium im Anschluss zu einem „Heimatdialog“ in die Halle des Heizwerkes in Gahma ein. Dort haben Sie die direkte Gelegenheit, Fragen, Kritik und Vorschläge zu äußern. Als erste Kommune in Deutschland überhaupt dürfen wir Gastgeber für dieses Format sein. Im Namen des Heimatministers lade ich Sie dazu ebenfalls herzlich ein - alle Details finden Sie im Mittelteil dieses Blattes.

Da wir uns mitten in den Sommerferien befinden, die in den Kindergärten für wichtige Reparaturen und Renovierungen während der zweiwöchigen Schließzeit genutzt werden, wünsche ich Ihnen allen erholsame, schöne Sommertage und angenehme Abendstunden.

Ihr Bürgermeister, Tino König