Der Wald rund um Rastenberg ist für viele Menschen ein besonderer Ort. Er bietet Ruhe, Erholung und die Möglichkeit, beim Wandern oder Spazierengehen Kraft zu tanken. Gleichzeitig erfüllt er wichtige Funktionen: Er gibt uns Kühle und frische Luft an heißen Tagen, speichert Wasser und bietet zahlreichen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum, den sie in unserer Kulturlandschaft oft nicht mehr finden.
Viele Stadträte haben sich deshalb bereits vor vier Jahren intensiv mit dem Schutz unseres Waldes beschäftigt. Im Streitholz wurde eine Fläche unter Schutz gestellt, ebenso rund 1.700 Habitatbäume (alte und besondere Bäume) im gesamten Rastenberger Wald. Gerade im Streitholz leben sehr seltene und vom Aussterben bedrohte Fledermausarten - ein wertvoller Schatz, den wir bewahren möchten. Auch der Schwarzstorch wurde im Mühltal häufiger gesehen.
Seit zwei Jahren gibt es mit dem Programm „Klima Wildnis" erneut die Möglichkeit, Wald dauerhaft zu schützen. Bundesweit soll versucht werden, dass sich mindestens 2 % der deutschen Wälder frei entwickeln können. Wir haben uns in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Ablauf und den Bedingungen dieses Programmes beschäftigt. Haben mit dem Forstamt gesprochen, mit Wildnisbotschaftern und Sachverständigen. Wichtig war uns dabei, dass der Wald im Eigentum der Stadt bleibt - also im Eigentum unserer Bürgerinnen und Bürger. Ein Verkauf des Waldes kommt für uns nicht infrage. Vielmehr bietet das Programm die Chance, den langfristigen Erhalt zu sichern und gleichzeitig eine Entschädigung für entgangene Holzerträge zu erhalten.
Wichtig ist: Unser Wald bleibt weiterhin nutzbar. Die Wege dürfen wie gewohnt zum Wandern und Spazierengehen genutzt werden. Auch die Jagd bleibt möglich, um Wildschäden vorzubeugen. Bei Schädlingsbefall darf und muss eingegriffen werden. Wir können unseren Wald also weiterhin so erleben, wie wir ihn lieben. Nur eines ist im Schutzbereich nicht mehr erlaubt: der Holzeinschlag.
Die wirtschaftliche Situation zeigt zudem, dass die Erträge aus der Waldbewirtschaftung seit Jahren sinken. Nach Abzug aller Kosten - Holzeinschlag, Wegebau, Beförsterung - hatten wir im Jahr 2025 sogar ein negatives Ergebnis. Im Durchschnitt rechnen wir künftig mit etwa 25.000 Euro Gewinn pro Jahr auf unserer gesamten bewirtschafteten Fläche von 352 Hektar.
Für das Streitholz mit 75 Hektar Fläche wurde ein aktuelles Gutachten erstellt, welches den Wert dieser Fläche mit 2,25 Millionen Euro beziffert. Dieser Betrag ist auch die oben erwähnte Entschädigung für entgangene Erträge aus Holzeinschlag. Für den Verzicht auf den Holzeinschlag im geschützten Bereich Streitholz wird eine Dienstbarkeit im Grundbuch eingetragen. Damit wird der Verzicht dauerhaft und rechtlich verbindlich abgesichert. Als Gegenleistung für diesen bestätigten Verzicht erhält die Stadt die genannte finanzielle Entschädigung. Die 75 Hektar des Streitholz entsprechen 21 Prozent unserer bewirtschafteten Waldfläche - also weniger als einem Viertel - und lediglich 9,3 Prozent des gesamten Waldes im Bereich Rastenberg, also unter Einbeziehung der Flächen anderer Waldbesitzer. Der jährliche Gewinnanteil, der auf die 75 Hektar des Streitholz entfällt, liegt theoretisch bei nur rund 5.300 Euro. Hinzu kommt, dass nicht jedes Jahr gleichmäßig über das Waldgebiet Holz eingeschlagen wird. Um allein durch Holzeinschlag auf der Fläche des Streitholz 2,25 Millionen Euro zu erwirtschaften, müssten wir dort rund 420 Jahre lang jährlich Holz einschlagen.
Unser Wald ist uns wichtig. Und es ist eine spannende Vorstellung, einen überschaubaren Bereich wie das Streitholz, in welchem wir bereits geschützte Flächen ausgewiesen haben, einfach der Natur zu überlassen und zu beobachten, wie sich dieser Wald ohne größere Eingriffe entwickelt. Für den Holzeinschlag und die damit verbundenen Einnahmen bleibt uns als größter Waldbesitzer im Landkreis weiterhin genügend Fläche.
Wir stehen vor der Frage, die einmalige Möglichkeit zu nutzen oder auszuschlagen. Sind Sie bereit, gemeinsam mit uns das Abenteuer Wildnis zu wagen?
Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, melden Sie sich bitte gern bei mir.
Herzlichst
Ihre Bürgermeisterin
Beatrix Winter