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Stadt Wadern
Ausgabe 26/2026
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Leitungswasser gehört zum Lebensstil

Leitungswasser ist ein idealer Begleiter beim Essen.

Leitungswasser wird immer noch gelegentlich unterschätzt. Ein Blick auf Trinkgewohnheiten im In- und Ausland zeigt, warum es sich lohnt, den Wert unseres Wassers aus der Leitung neu zu entdecken

Den Sommer nehmen wir zum Anlass, unser gutes Wasser näher zu betrachten. Leider schwingt in dem Wort „Leitungswasser“ etwas Abwertendes mit. Damit ist häufig etwas Technisches verbunden, man nicht gleich an Lebensmittel. Dabei ist Trinkwasser das am besten überwachte Lebensmittel überhaupt. Wenn Sie in Ihrem Sommerurlaub ins Ausland kommen, erleben Sie vielleicht die Selbstverständlichkeit, mit der Ihnen zum Essen oder Kaffee Leitungswasser serviert bekommen. In Deutschland reichen italienische Restaurants es oft zum Espresso, sonst ist dies eher die Ausnahme. Wir trauen uns eher nicht, Leitungswasser zu bestellen, weil wir befürchten, scheel oder als Geizkragen angesehen zu werden.

Zwischen Kultur, Gastronomie und Gewohnheit

In skandinavischen Ländern, wo alkoholische Getränke teuer sind, ist es sehr verbreitet, zum Essen nichts anderes als Leitungswasser zu trinken. Dort ist die Trinkwasserqualität ähnlich hoch wie bei uns; das mag in südlichen Ländern anders sein, dort empfiehlt sich durchaus Wasser in Flaschen. Aber offensichtlich gibt es trotz aller Internationalisierung und Ähnlichkeit der gastronomischen Angebote kulturelle Unterschiede. Gastronomen in Frankreich sind sogar verpflichtet, den Gästen auf Wunsch Leitungswasser zu bringen, sofern diese auch noch etwas anderes konsumieren. Das gilt bei uns nicht. Aber zum „Leben wir Gott in Frankreich“ bzw. zur französischen Esskultur gehört Leitungswasser ganz einfach dazu.

Andererseits haben Gastronomiebetriebe (überall auf der Welt) ein berechtigtes Interesse daran, Mineral- oder Tafelwasser mit einer Gewinnspanne zu verkaufen und sich ggf. für Leitungswasser den Aufwand für Service und Reinigung entgelten zu lassen. Auf der Homepage der Zeitschrift „Chip“ findet sich ein Artikel vom April dieses Jahres zu der Regelung in Deutschland: „Die EU-Trinkwasserrichtlinie 2020/2184 regt die Gastronomie nur an, Leitungswasser kostenlos oder gegen eine geringe Dienstleistungsgebühr bereitzustellen. Eine Verpflichtung entsteht daraus nicht. Betriebe können das Angebot daher ablehnen oder eine kleine Servicepauschale berechnen, etwa für Gläser, Karaffen und den Aufwand“ (https://www.chip.de/news/geld-finanzen-recht/kostenloses-leitungswasser-im-restaurant-das-gilt-in-deutschland_4f138d51-bb2a-49ee-a7b5-fbd4994e1854.html, aufgerufen am 19.06.2026).

Tagtägliches Element nachhaltigen Konsums

Zweifellos ist Leitungswasser in Ihren eigenen vier Wänden das preisgünstigste Getränk überhaupt. Selbst wenn es Ihnen nicht nur um den Preis geht, werden Sie mehr Argumente dafür als dagegen finden. So erging es 2010 in Berlin auch den Gründern des Vereins „a tip: tap“ (Leitungswasser heißt auf Englisch tap water, kurz: tab, und Tipp heißt tip; daher der lustige Vereinsname „a tip: tap“), der Leitungswasser zum Hauptgetränk in der Gesellschaft machen möchte.

„Wir finden es absurd, dass Menschen in Deutschland Wasser in Flaschen kaufen, obwohl wir Leitungswasser von top Qualität haben und durch das Trinken von Leitungswasser Plastikmüll, CO2, Geld und Transportwege gespart werden können. Leitungswasser ist ein wunderbares Beispiel für nachhaltigen Konsum: ein regionales Produkt, verpackungsfrei, emissionsarm und gesund – und damit ein leichter Einstieg zu einem nachhaltigeren Lebensstil für alle Menschen in Deutschland“ (https://atiptap.org/uber-uns/a-tip-tap/, aufgerufen am 19.06.2026).