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Stadt Wadern
Ausgabe 28/2026
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Rebound-Effekt

Schöne neue Welt…?

Wenn Effizienz verpufft

Energiesparende Technik allein schützt das Klima nicht. Oft machen wir die Einsparungen durch unser Verhalten wieder zunichte - ein Phänomen, das als Rebound-Effekt bezeichnet wird.

In den Ferien und im Urlaub machen wir Sachen, die wir uns sonst eher versagen: faulenzen, feiern, Geld ausgeben usw. Dahinter stecken vielleicht das Bedürfnis, nicht immer nur vernünftig zu sein, und die Vermutung, dass dies nicht vernünftig wäre. Verwirrend, aber irgendwie auch verständlich. Wir und unsere Welt sind nicht frei von Paradoxien.

Wenn Ihnen dies weit hergeholt erscheint…; es geht noch weiter: Wilhelm Stanley Jevons stellte 1865 fest, „dass die Einführung neuer Dampfmaschinen trotz besserer Effizienz zu einer Erhöhung des Kohleverbrauchs führte, da die Dampfmaschine nun in vielfältigeren Anwendungsgebieten eingesetzt werden konnte“. Was hier fürs 19. Jahrhundert beschrieben wurde, ist der inzwischen gut erforschte Rebound-Effekt.

Im Basketball bezeichnet „Rebound“ den Ball, der nach einem Fehlwurf vom Korb oder Brett zurückprallt und den ein Spieler fängt und für einen Gegenangriff nutzt. An der Börse versteht man unter einem Rebound eine schnelle Kurserholung einer Aktie oder des Marktes nach einem Kursverfall. Im Zusammenhang mit Energieeffizienz und Nachhaltigkeit geht es darum, dass ein technischer Fortschritt „zurückprallt“ in unerwartetes, paradoxes, nicht effizientes Verhalten.

Effizienz spart nicht automatisch Energie

Im Mai 2026 hat das Umweltbundesamt Forschungsergebnisse zu Rebound-Effekten im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung veröffentlicht, diese Publikation enthält auch den oben zitierten Passus (https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11740/publikationen/2026-05/75_2026_Texte.pdf, aufgerufen am 02.07.2026). Dort wird auf Seite 21 zusammenfassend erklärt: „Der Grundmechanismus eines Rebound-Effektes ist der, dass Umweltentlastungseffekte infolge von Effizienzverbesserungen in der Praxis nicht in dem Maße wirksam werden, wie es erwartet oder beabsichtigt wird.“

Anders gesagt: Wenn wir durch Effizienz sparen, nutzen wir das Gesparte oft so, dass der Umweltvorteil wieder kleiner wird. Beispiele: Wir kaufen energieeffiziente Geräte und lassen sie unnötig laufen, oft weil wir zu bequem sind, sie auszuschalten. Wir duschen länger, denn wir haben ja einen Sparkopf installiert. Wir haben effiziente LEDs und lassen das Licht unnötig an. Neue, energieeffiziente Fenster stellen wir auf Kippe. Wir haben eine gute Wärmedämmung und gönnen uns höhere Raumtemperaturen. Den super energiesparenden Kühlschrank lassen wir mit unnötig tiefen Temperaturen laufen. Wir nutzen die Waschmaschine mit der besten Effizienzklasse wenig befüllt und mit höheren Temperaturen als nötig, beim Geschirrspüler verhält es sich ähnlich. Ein verwandtes Phänomen ist Online-Shopping: Die Digitalisierung spart Wege, aber das Paketvolumen wächst, inklusive Retouren und zusätzlicher Logistik.

Entscheidend ist unser Verhalten

Fest steht: In vielen Fällen verbraucht die Technik heute weniger Strom als früher. Dafür besitzen wir aber auch mehr Elektrogeräte und nutzen mehrere oft gleichzeitig (z. B. PC und Laptop). Allgemein tendieren wir dazu, energieeffiziente Geräte (dazu gehören auch Pkw) häufiger bzw. länger zu benutzen. Der Rebound-Effekt zeigt, dass effizientere Technologie allein nicht ausreicht, um Umweltbelastungen zu senken - auf unser Verhalten kommt es an.

Wer denkt, er habe unter ökologischen Gesichtspunkten eine saubere Weste möchte sich manchmal Ausnahmen gönnen. Aber wenn wir Energieeinsparungen in Konsum umwandeln, verpufft der Vorteil. Einen allgemeinen Maßstab zum optimalen Konsum gibt es nicht. Da kommt wiederum die (eigene) Vernunft ins Spiel - inklusive Lust an Unvernunft (s. o.).