In vorangegangenen Artikeln haben wir Überlegungen darüber angestellt, was Regeln für Personen, die Gesellschaft und sogar die ganze Welt bedeuten. Oft sind diese vage oder überhaupt nicht formuliert. Es gibt aber auch strenge Vorschriften, z. B. die Quarantäne-Regeln in der Corona-Pandemie. Davon haben die meisten die Nase voll. Und mit den Regeln der 40-tägigen Fastenzeit nehmen es die meisten auch nicht mehr so genau wie früher. Interessanterweise stammt „Quarantäne“ vom französischen „quarantaine“ für „vierzig“. Jesus hat 40 Tage gefastet, das Volk Israel zog 40 Jahre durch die Wüste, 40 Tage ohne zu essen und zu trinken lief der Prophet Elia zu Gott auf den Berg Sinai. Andererseits mussten Seeleute zu Zeiten der Pest 40 Tage auf ihren Schiffen bleiben, bevor sie wieder an Land durften. Anscheinend hatte man sich damals an der biblischen Dauer von 40 Tagen orientiert. Bis heute verwendet man den Ausdruck „Quarantäne“, obwohl die Menschen schneller als in 40 Tagen gesund werden und dafür das biblische Verständnis von Fasten keine Rolle spielt.
Die Zahl 40 und Fasten als geistige Vorbereitung haben also an Bedeutung verloren. Trotzdem ist das Fasten als Ausprobieren neuer Gewohnheiten – warum und wozu auch immer – nicht komplett verschwunden. Außerdem fasten nach wie vor Christen, Muslime und Juden aus religiösen Gründen. Einen guten Überblick über die Fastenregeln und -traditionen in den verschiedenen Religionen bietet eine Seite des Norddeutschen Rundfunks unter https://www.ndr.de/ratgeber/Fastenzeit-ab-Aschermittwoch-2026-Veraenderung-durch-Verzicht,fasten211.html (aufgerufen am 12.02.2026). Dort finden sich auch die folgenden Hinweise: „Heute sieht die Kirche die Fastenzeit weniger streng. Neben einem Verzicht auf Alkohol können auch der Verzicht auf Süßigkeiten, Fernsehen, Auto oder Handy (Digital Detox) Wege sein, um sich auf das Wesentliche zu besinnen. Wichtig sei, dass es sich um eine spürbare und bewusst erlebte Veränderung handelt, die auch als Bereicherung empfunden werden kann. (…) Kirchen beider Konfessionen rufen traditionell in den Wochen vor Ostern zum „Klimafasten“ auf. Dieses Jahr steht die Aktion unter dem Motto „Soviel du brauchst“. In jeder der sieben Wochen der Fastenzeit steht ein anderes Thema mit einer besonderen Fragestellung im Mittelpunkt, darunter: Wovon habe ich genug? Was macht mich heute reich? Wie sieht Gerechtigkeit aus? (…) Die evangelische Kirche ruft in der Fastenzeit zudem zur Aktion „7 Wochen ohne“ auf. Das Motto in diesem Jahr: „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“. Teilnehmende sind bis zum 6. April dazu eingeladen, sich im mitfühlenden Umgang mit anderen und mit der Natur zu üben.“
Außerdem gibt es bekanntlich die verschiedensten Formen des Fastens aus medizinischen, ästhetischen oder Wellness-Gründen. Allen Fastenformen ist gemeinsam, dass es Regeln gibt, an die man sich halten sollte. Dies hat wiederum mit der Sprachgeschichte zu tun. Das Wort „fasten“ wird von einem altgotischen Wort hergeleitet, das so viel wie „festhalten“ bedeutet. Es geht also ums Festhalten an den Fastenregeln oder an einer Haltung, die man für richtig hält. Die Wortgeschichte kennt außerdem auch eine indogermanische Wurzel. Danach geht es um Reinheit oder Reinigung. Schließlich kann sich jede und jeder in der Fastenzeit bemühen, mit sich ins Reine zu kommen. Dazu gehören durchaus auch Überlegungen, wie man durch sein Verhalten dazu beiträgt, Energie zu sparen, das Klima zu schützen, das Trinkwasser sauber zu halten und überhaupt umweltbewusst zu handeln. Die Fastenzeit kann genutzt werden, um das zu üben.
Apropos: Altgriechisch heißt „askein“ so viel wie „üben“ oder „trainieren“. Die einen üben sich im Verzicht auf Alkohol, Nikotin, Zucker, üppiges Essen, die anderen im Verzicht auf Fernsehen, Internet, Autofahren und mehr. Es geht dabei nicht nur um Verzicht schlechthin, sondern mehr um das (zeitweise) Weglassen als Einüben veränderter Gewohnheiten bzw. selbst gegebener Regeln. Letzter Tipp dazu: Halten Sie sich an die eigenen Regeln nicht derart fest, dass es zu Verkrampfungen kommt!