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Amtsblatt des Saale-Orla-Kreises
Ausgabe 1/2026
Nichtamtlicher Teil
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Nichtamtlicher Teil

Zahlreiche Gäste nutzten die Gelegenheit, dem Landrat oder dem Bürgermeister Marco Seidel beim offenen Bürgergespräch in der Turnhalle in Tanna ihre Anliegen zu schildern und Fragen zu stellen.

Am 7. Januar war Landrat Christian Herrgott mit seinem offenen Gesprächsangebot „Landrat vor Ort“ in der Stadt Tanna zu Gast. Hier nutzte er zusammen mit Bürgermeister Marco Seidel die Gelegenheit, um über aktuelle Projekte zu informieren und auf die zahlreichen Fragen der Bürgerinnen und Bürger einzugehen.

Unternehmensbesuch in Zollgrün

Zuvor besuchten sie jedoch die Firma „Werbetechnik & Metallbau Schmidt“ in Zollgrün, wo im vergangenen Jahr 40-jähriges Jubiläum gefeiert werden konnte. Das Familienunternehmen ist ein Spezialist für individuelle Werbelösungen und bietet von der Beratung über Design, Produktion bis hin zur Montage alles aus einer Hand. Dazu gehören u.a. Fahrzeugbeschriftungen, Lichtwerbung, Schilder, Digitaldruck, Messebau und sogar Metallbau. „Seit der Firmengründung im Jahr 1985 stehen für uns die Zufriedenheit der Kunden und die Erfüllung höchster Qualitätsstandards stets im Vordergrund und das schätzen unsere Kunden sehr“ berichten Firmengründer Andreas Schmidt und sein Sohn Stefan Schmidt sichtlich stolz. Um Unternehmen sichtbar zu machen, arbeitet Werbetechnik Schmidt oft mit Fokus auf LED-Technik und legt besonders großen Wert auf die Verarbeitung hochwertiger Materialien.

Debatte um Windkraft dominiert das Bürgergespräch

Danach ging es in die Tannaer Turnhalle zum offenen Bürgergespräch, an dem etwa 60 Personen teilnahmen. Breiten Raum nahm die Diskussion um geplante Windvorranggebiete ein. Hierbei äußerten vor allem Vertreter von Bürgerinitiativen ihre Bedenken und Einwände. Außerdem teilten sie ihre Sorge mit, Tanna drohe eine Einkreisung durch Windkraftanlagen, da auch auf sächsischer Seite direkt an der Landesgrenze künftig Windvorranggebiete entstehen könnten. Nach einer ausführlichen Schilderung der aktuellen Sach- und Gesetzeslage erklärte der Landrat, dass er persönlich gegen einen weiteren Ausbau sei, jedoch zur Gesetzesvollziehung verpflichtet ist.

„Ohne einen beschlossenen und gültigen Teilplan Windenergie droht uns ab 2028 ein Wildwuchs von Windkraftanlagen. Denn wenn der Teilplan nicht beschlossen wird, wäre es nahezu überall im privilegierten Außenbereich möglich, Windkraftanlagen zu errichten. Wir bekommen dann nicht 1,4 Prozent, sondern 6 bis 8 Prozent der Landkreisfläche mit Windrädern zugebaut. Das wollen wir unbedingt verhindern und dafür brauchen wir den Teilplan“, erklärte Herrgott und appellierte an private Flächeneigentümer, ihre Grundstücke nicht für den Bau von neuen Windrädern zur Verfügung zu stellen.

Fragen zur wirtschaftlichen Lage, digitalen Infrastruktur und Krisenvorsorge

Nach einer etwa zweistündigen Diskussion zum Thema Windkraft, die stark von den Vertretern der Bürgerinitiativen dominiert wurde, forderten die Tannaer Raum für weitere Alltagsthemen ein und fragten zum Beispiel nach der allgemeinen wirtschaftlichen Lage des Landkreises. Dazu erklärte der Landrat, dass der Saale-Orla-Kreis bisher von größeren Insolvenzen verschont geblieben ist und die Lage stabil, aber dennoch angespannt sei. Denn auch große Neuansiedlungen hat es in der jüngsten Vergangenheit nicht gegeben.

Weitere Themen, die die Bürgerinnen und Bürger in Tanna bewegten, waren zum Beispiel der Glasfaserausbau, der aufgrund von Insolvenzen bei Dienstleistern vielerorts nur sehr unzufriedenstellend ablaufe. Bürgermeister Seidel erläuterte hierzu, dass der Energiezweckverband eine Glasfasergesellschaft gegründet hat, um durch den geförderten Ausbau die bestehenden Lücken des eigenwirtschaftlichen Ausbaus zu schließen. Hierfür soll es künftig finanzielle Unterstützung in Millionenhöhe vom Bund geben.

Außerdem kam in Anbetracht des großflächigen Stromausfalls in Berlin die Frage nach der Sicherung der kritischen Infrastruktur im Saale-Orla-Kreis auf. Landrat Christian Herrgott betonte, dass sich der Landkreis intensiv mit dem Thema Katastrophenschutz befasst und der entsprechende Stab regelmäßig geschult wird. In Bezug auf die Stadt Tanna wies Bürgermeister Marco Seidel darauf hin, dass die Stadt in Sachen Krisenvorsorge gut mit der Feuerwehr, dem Stadtbrandmeister und regionalen Unternehmen zusammenarbeite. Dennoch appellierte er an die Eigenverantwortung der Bürger: „Wenn jeder ein kleines bisschen vorsorgt und Trinkwasservorräte für etwa eine Woche anlegt, würde das im Ernstfall schon sehr helfen“, so Seidel.

Weitere Themen des Bürgergesprächs waren - neben der allgemeinen Gesundheitsversorgung und der Entwicklung der Kriminalitätsstatistik – u.a. der Wunsch nach einer flächendeckenden Beschilderung von Wanderwegen sowie die Überprüfung und Aktualisierung der Ausweisung von Rettungspunkten und Löschwasserentnahmestellen.

Text & Foto: Pressestelle Landratsamt