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Amtsblatt des Saale-Orla-Kreises
Ausgabe 2/2021
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Seit einem Jahr prägt das Corona-Virus den Alltag

Am 3. März 2020 - noch vor der Erkenntnis, dass das Halten von Abstand und Tragen von Gesichtsmasken die Ausbreitung des Coronavirus eindämmt - informierten Matthias Zacher von der Landespolizeiinspektion (von links), Amtsarzt Dr. Torsten Bossert, Landrat Thomas Fügmann und der 1. Beigeordnete Jürgen Hauck in einer Pressekonferenz über den ersten bestätigten Corona-Fall Thüringens.

In wenigen Tagen, am 2. März, jährt sich das Bekanntwerden des ersten bestätigten Corona-Falls Thüringens. Betroffen war ein 57-jähriger Mann aus dem Saale-Orla-Kreis, der sich im Ski-Urlaub in Italien infiziert hatte. „Bis dahin dachten wir, Corona wäre weit weg“, erinnert sich Landrat Thomas Fügmann und ergänzt: „Wir haben die Situation sehr ernst genommen und früh harte Maßnahmen getroffen, für die wir vor allem in den sozialen Medien stark kritisiert wurden - letztlich waren alle Maßnahmen richtig.“

Die Kreisverwaltung war vorbereitet. „Im Februar habe ich die Mitarbeiter für den Fall einer Katastrophenlage instruiert. Schon Mitte Januar haben wir mit Abstrichen zum Beispiel bei China-Rückkehrern begonnen“, beschreibt Amtsarzt Dr. Bossert die Anfangsphase. Die Telefone der sofort eingerichteten Bürger-Hotline standen nicht mehr still. Im Laufe des ersten Corona-Monats gab es im Kreis 32 Infektionen. Eine Pflegeeinrichtung in Triptis meldete bald allein 28 Infektionen unter den Bewohnern und am 3. April auch den ersten Todesfall in Verbindung mit Corona.

Inzidenz sinkt im Juni auf Null

Die so genannte erste Welle im Saale-Orla-Kreis endete im späten Frühjahr. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die Anzahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche, sank im Juni auf null. Nach mehreren corona-freien Wochen wurden im Spätsommer einige heimkehrende Urlauber positiv getestet. Die zweite Welle, die bis dahin nicht für möglich gehaltene Fallzahlen mit sich brachte, begann mit einem Corona-Geschehen im Oktober in einer Wohnstätte für Menschen mit Behinderung in Schleiz. 15 Bewohner und acht Mitarbeitende infizierten sich. Der Saale-Orla-Kreis erreichte den Grenzwert von 35 Fällen je 100.000 Einwohner.

Im November mahnte Amtsarzt Dr. Bossert: „Die Zahlen explodieren gerade.“ Die Sieben-Tage-Inzidenz überstieg am 9. Dezember die 400er-Marke, die Zahl der Gesamtinfektionen die 1000. Bei durchschnittlich 50 neuen Fällen pro Tag wurden 400 Quarantänebescheide erteilt; bis Dezember über 10.000 Bescheide. Es gibt 400 bis 600 Anrufe pro Tag an der Bürgerhotline.

Höchststand an Heiligabend

Ausgerechnet an Heiligabend erreicht die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis mit 499,3 (401 Infektionen in einer Woche) den bisherigen Höchststand. Bereits seit Anfang Dezember gehört der Saale-Orla-Kreis, der bis in den Spätherbst verhältnismäßig glimpflich durch die Pandemie kam, ununterbrochen zu den am stärksten betroffenen Regionen Deutschlands.

Nach einem Jahr stellt sich nun die Frage, warum die Fallzahlen und Inzidenzen gerade hier so hoch sind. „Ein großes Problem für uns ist der nahe tschechisch-deutsche Grenzverkehr. Das Ausmaß des täglichen Ein- und Auspendelns ist enorm, wir haben mehrere Hundert berufsbedingte Pendler täglich“, erklärt Landrat Thomas Fügmann mit Blick auf die extrem hohen Fallzahlen in Tschechien, die sich beispielsweise auch im oberfränkischen Grenzraum widerspiegeln.

Sorge vor der dritten Welle

Und aktuell ist die Sorge vor einer dritten Welle mit aggressiv mutierten Viren groß. „Es reichen einige wenige Fälle und wir haben große Ausbruchsgeschehen“, kann Dr. Torsten Bossert anhand von aktuellen Fällen mit ausgeprägten familiären Infektions-Häufungen berichten. „In diesem Ausmaß kennen wir das aus dem vergangenen Jahr nicht. Mitunter hatte sich nicht einmal der Ehepartner angesteckt, aber mittlerweile haben wir Cluster, bei denen innerhalb einer Familie zehn Personen vom Kleinkind bis zur Großmutter positiv sind“, so der Amtsarzt.

„Wir sind auf eine dritte Welle eingestellt, hoffen aber, dass sie nicht kommt“, erklärt Dr. Torsten Bossert und Landrat Thomas Fügmann ergänzt: „Das wäre katastrophal. Die Leute würden einen dritten Lockdown kaum verstehen. Es darf jetzt nicht zu früh gelockert werden.“

Das Ziel ist es, das Infektionsgeschehen auf einem erträglichen Niveau zu halten, bis Fortschritte bei Impfungen und Therapie dazu beitragen, dass das Coronavirus nicht mehr das gesamte gesellschaftliche Leben überlagert - und das möglichst weit vor dem zweiten Jahrestag der ersten nachgewiesenen Infektion Thüringens.

Text und Foto: Pressestelle LRA