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Amtsblatt des Saale-Orla-Kreises
Ausgabe 6/2026
Nichtamtlicher Teil
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Verkehrssituation und Bebauung in der Innenstadt bewegen die Menschen bei „Landrat vor Ort“ in Ziegenrück

Diese reaktivierte Turbine aus den 1930er Jahren soll bald wieder Strom aus Wasserkraft gewinnen und ins Netz einspeisen, erklärt Karl Jung (links) von der Unternehmensgruppe Renaio.

Mit seinem offenen Gesprächsangebot „Landrat vor Ort“ war Christian Herrgott Mitte Juni im idyllischen Saalestädtchen Ziegenrück zu Gast. Vor dem Bürgergespräch stand ein Ort auf dem Programm, den man auf den ersten Blick als einen „Lost Place“ bezeichnen würde – die ehemalige Pappen- und Kartonagenfabrik am Ortsausgang Richtung Liebschütz. Doch genau hier entsteht gerade etwas Neues, das den Ort wieder zum Leben erwecken soll.

Investor will Stromerzeugung per Wasserkraft reaktivieren

Die alte Fabrikanlage stammt aus dem späten 19. Jahrhundert und war die erste Kartonage- und Faltschachtelfabrik Deutschlands. Seit jeher wurden die Maschinen über Wasserkraft angetrieben – ursprünglich nutzte man dafür die Fernmühle, ab den 1930er Jahren gab es in der Fabrik eine Turbine zur Stromerzeugung. Die sogenannte Pappenfabrik war bis 1994 in Betrieb und ist vor allem vor der Wende mit bis zu 1.000 Angestellten der Hauptarbeitgeber im Ort gewesen.

Seit vier Jahren hat das ehemalige Fabrikgelände nun einen neuen Besitzer. Die Unternehmensgruppe Renaio hat sich auf nachhaltige Infrastrukturprojekte, insbesondere im Bereich Wasserkraft spezialisiert. So sollen auch die beiden Turbinenhäuser der ehemaligen Kartonagenfabrik in Ziegenrück reaktiviert werden und nach derzeitigem Plan noch in diesem Jahr wieder ans Netz gehen. Dafür investiert das Unternehmen aktuell in die technische Ertüchtigung der noch vorhandenen Turbinen sowie den Bau einer Überdachung für die Turbinenhallen und eine Fischtreppe, um die Auflagen des Natur- und Tierschutzes zu erfüllen. Für das umliegende Gelände ist eine Renaturierung geplant; für Ideen und Projekte zu einer alternativen Nutzung und Entwicklung des Geländes ist der neue Besitzer jederzeit offen. Der Stadtrat begrüßt diese Initiative und unterstützt die Pläne des Investors.

Baufällige Häuser, Straßen-Infrastruktur und fehlende Parkplätze sind Kernthemen

Zum anschließenden Bürgergespräch im Hotel „Am Schlossberg“ kamen knapp 30 Personen. Ein zentrales Thema waren die zahlreichen maroden Häuser in der Innenstadt von Ziegenrück. Auch die Stadt würde hier gern eingreifen, einsturzgefährdete Häuser abreißen lassen, um dringend benötigte Parkplätze einzurichten oder Platz für neuen, modernen Wohnraum zu schaffen. Ein grundlegendes Problem sei dabei jedoch, dass viele der betreffenden Häuser externen Eigentümern gehören, die nur schwer oder gar nicht zu erreichen seien. „Wenn jemand sein Gebäude nicht renovieren oder verkaufen will, sind uns als Stadt die Hände gebunden“, erklärte Bürgermeister Chris Lange. Der Landrat ergänzte dazu: „So lang von dem Gebäude keine Gefahr für die Bevölkerung ausgeht, kann auch der Landkreis die Eigentümer nur sehr begrenzt zum Handeln bewegen.“ Außerdem spielt bei vielen Gebäuden in der Innenstadt auch der Denkmalschutz eine Rolle, was einen Abriss zusätzlich erschwert.

Weitere Themen des Abends waren u.a.: die Gemeindestraßen zwischen Külmla und Ziegenrück, die Park- und Baustellensituation in der Stadt, das Radwegenetz sowie diverse bundespolitische Themen.

Für die Veranstaltungsreihe „Landrat vor Ort“ geht es nun in die Sommerpause. Die nächste Station ist am 1. September die Gemeinde Peuschen.

Text & Foto: Pressestelle Landratsamt