Gunnar Jungmichel vom Kreisbauernverband (von links), Landrat Christian Herrgott und Gastgeber Sandro Schellenberger während des diesjährigen Erntegesprächs.
Landrat Christian Herrgott besuchte zum Erntegespräch in diesem Jahr die Agrar-Milch-Mast GmbH Frössen, die seit 2021 von Sandro Schellenberg geleitet wird. Zusammen mit dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes, Gunnar Jungmichel, Dr. Britta Ender vom Thüringer Bauernverband und Olaf Löscher aus dem Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und ländlichen Raum (TLLLR) tauschten sie sich über den Stand der diesjährigen Ernte und die aktuelle Herausforderung für Landwirte und Landwirtschaftsbetriebe aus.
Zu Beginn des Gesprächs gab Sandro Schellenberg einen kleinen Überblick über das Agrarunternehmen, das rund 800 Hektar Land bewirtschaftet und in dem Pflanzenanbau, Tierhaltung und Weidewirtschaft in einem geschlossenen Kreislauf aufeinander aufbauen. Das Herzstück des Frössener Agrarbetriebes ist jedoch die moderne Melkanlage, die den Arbeitsaufwand und die Arbeitszeiten optimiert und maximale Effizienz bringt. Der niedrige Milchpreis, immens gestiegene Kosten durch weltweite Krisen und Engpässe sowie der Rückgang der Erträge und der Futterproduktion bringen das Unternehmen mit seinen 25 Angestellten, von denen nur drei älter als 50 sind, allerdings an die Belastungsgrenze.
Auch in Bezug auf die diesjährige Ernte zeigt sich ein durchmischtes Bild: „Während wir bei der Wintergerste mit 78 Dezitonnen pro Hektar ein solides Ergebnis erzielt haben, blieben der Winterweizen und die Sommergerste hinter den Erwartungen zurück und die Rapsernte fiel mit 27 Dezitonnen besonders enttäuschend aus“, berichtet Schellenberg. Der Kreisbauernverband bestätigt diese Schilderung für das gesamte Kreisgebiet. Als Ursache nennt Gunnar Jungmichel die Hitzeperiode Anfang Juni, als in den Pflanzen auf Höhe der Ähren Temperaturen von bis zu 60 °C gemessen wurden, was das Wachstum und den Reifeprozess der Körner massiv geschädigt habe.
Schwierigkeiten bereitet den Landwirten auch die langanhaltende Trockenheit, vor allem in Bezug auf die Futtermittelherstellung. „Die ersten beiden Schnitte waren gut, aber so wie es aktuell aussieht, scheint kein weiterer ertragreicher Futtermittelschnitt mehr möglich zu sein“, berichtet Sandro Schellenberger, was ihn und seine Milchviehwirtschaft vor besonders große Herausforderungen stellt.
Darüber hinaus tauschten sich die Beteiligten beim Erntegespräch über den Fachkräftemangel in der Landwirtschaft und Möglichkeiten zur Fachkräftegewinnung und -bindung aus. Hierfür hat der Thüringer Bauernverband ein Projekt ins Leben gerufen, um Auszubildende zu unterstützen und die duale Ausbildung gegenüber einer ungelernten Anstellung auf Mindestlohnbasis wieder attraktiver zu machen.
„Unser Landkreis ist maßgeblich durch die Landwirtschaft geprägt und darum braucht es dringend gut ausgebildete Fachkräfte in den landwirtschaftlichen Betrieben. Sie produzieren unsere Lebensmittel und pflegen unsere Kulturlandschaften und dafür gebührt ihnen Anerkennung und Respekt“, resümierte Landrat Christian Herrgott und dankte all jenen, die in der Landwirtschaft tätig sind.
Text & Foto: Pressestelle Landratsamt