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Wadgasser Rundschau
Ausgabe 23/2023
Sonstige amtliche Mitteilungen
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Heidis grüne Ecke

Liebe Garten und Naturfreunde,

war das in der vorigen Woche eine Überraschung für Sie oder kannten Sie das Herzgespannkraut schon - zumindest vom Aussehen her? Wenn Sie den Stand des OGV Werbeln beim Wadgasser Frühlingsmarkt besucht haben, dann hatten Sie die Gelegenheit dieses Heilkraut kennenzulernen und auch zu erwerben. Natürlich gab es neben den mündlichen Erläuterungen vor Ort auch eine kurze schriftliche Vorstellung, mitsamt einer Rezeptur, gratis zum Mitnehmen für Zuhause.

Heute möchte ich nun allen Interessierten die Möglichkeit geben, dieses ehemals weit verbreitete Kraut kennen zu lernen. Daher wenden wir uns dem Anbau im eigenen Garten zu. Dieser ist notwendig will man über eigenes Herzgespannkraut verfügen. Zwar ist es in freier Natur in Mitteleuropa bis nach Ostasien heimisch (in Nordamerika wurde es eingeschleppt) und folgte den menschlichen Besiedlungen. Früher konnte man es häufig an Mauern und Zäunen finden, aber heutzutage ist das Herzgespann in Deutschland selten geworden, daher steht die Pflanze unter Naturschutz! Man darf sie dementsprechend bei uns aus der freien Natur nicht mehr entnehmen oder sammeln! Wenn man Herzgespann jedoch im eigenen Garten hat, kann man es zur Zeit seiner Blüte ernten. Dies ist zwischen Juni und September der Fall. Dann sitzen die, für das menschliche Auge unscheinbaren, sehr kleinen, zartrosa- bis purpurfarbenen Lippenblütchen quirlförmig in den Blattachseln der viereckigen, hohlen Stängel. Die für uns unspektakulären Blütchen haben besonders auf Hummeln, aber auch auf zahlreiche andere Insekten, eine hohe Anziehungskraft, denn sie bieten diesen viel Nektar und ebenfalls mittlere Mengen an Pollen gerade in der nahrungsärmeren Spätsommerzeit. Nach der Bestäubung bilden sich je Blüte vier kleine, braune Samen, die sogenannten Klausenfrüchte. Hat man dem Herzgespannkraut einen passenden Standort, also nährstoffreichen, lockeren Boden in sonnigen bis halbschattigen Lagen gegeben, wird es sich wohlfühlen und dann auch selbst aussäen. Von da an brauchen Sie sich keine Sorgen mehr zu machen, ohne diese Heilpflanze auskommen zu müssen. Die Pflanze gedeiht sogar, bei entsprechenden Standortbedingungen s. o., in entsprechend großen Kübeln.

Ihre 1. Herbstgespannpflanze können Sie als Staude in gut geführten Gärtnereien erwerben oder Sie fragen einfach bei uns, also bei dem OGB Werbeln nach. Sie kann natürlich auch aus Saatgut, das zu sehr unterschiedlichen Preisen angeboten wird, selbst gezogen werden. Die Aussaat im Freien sollte ab April bis spätestens Anfang Juni erfolgen. Da die Samen des Herzgespanns Lichtkeimer sind, sollten Sie dieselben nur ganz spärlich mit Erde bedecken und bei heißen Sommertagen leicht feucht halten. Wichtig ist auch, dass die kleinen Jungpflänzchen immer genügend Wasser erhalten. Der Boden sollte in dieser Zeit nicht tropfnass, aber auch dann leicht feucht sein. Die besten Erfahrungen habe ich bei der Anzucht von Herzgespannkraut aus Samen, mit Pflanzkästen gemacht. Da diese durch das einfache Verbringen an einen anderen Standort Extrembedingungen (wie andauernde heiße Sonneneinstrahlung oder unwetterartige Regengüsse) entzogen werden können. Die optimale Keimtemperatur für die Samen liegt zwischen 12 und 18 °C. Wenn die Pflänzchen eine ungefähre Höhe von 8 – 10 cm haben, ist es Zeit dieselben zu vereinzeln und umzusetzen. Die ideale Pflanzzeit für Stauden liegt im Spätherbst ab Oktober oder im zeitigen Frühjahr ab März. Damit die neuen Pflänzchen gute Anwachsbedingungen haben, wäre es ideal, wenn Sie die Pflanzfläche gut vorbereiten, indem Sie dafür sorgen, dass unerwünschte Beikräuter entfernt sind und der Boden spatentief gelockert ist. Magere, karge Böden sollten im Zuge dessen mit etwas reifem Kompost aufgebessert werden. Anschließend wird ein großzügiges Pflanzloch ausgehoben und die Staude nicht tiefer, als sie zuvor im Topf oder Container saß, eingesetzt. Der Abstand zwischen „Löwenschwanz-Pflanzen“, so wird das Herzgespannkraut auch genannt, und anderen Gewächsen sollte etwa 60 cm betragen. Nun wird mit Substrat aufgefüllt, die Erde rund um die Pflanze herum angedrückt und abschließend kräftig gewässert. Hat sich die Pflanze erst etabliert, gilt sie als robuste und pflegeleichte Wildstaude. Allerdings könnte eine Bewässerung in der ersten Zeit nach der Pflanzung und in besonders heißen und trockenen Sommern notwendig sein. Spätestens, wenn die Blätter schlaff herabhängen, sollten Sie ihr, am besten am frühen Morgen, einen kräftigen Schluck aus der Gießkanne geben. Als Düngung gilt eine Gabe reifen Komposts, zur Zeit des Blattaustriebs im Frühjahr, als vollkommen ausreichend.

Wenn Sie selbst, Ihre Familie und Freude hinreichend mit Herzgespannkraut versorgt sind, dann wäre es ratsam, so ungefähr ab September, also nach der Blüte, das Herzgespannkraut bis eine Handbreit über dem Boden zurück zu schneiden. Die Staude zieht gegen Ende des Jahres ihre oberirdischen Teile sowieso ein, aber mit dem Rückschnitt verhindern Sie einmal weitere Selbstaussaaten und zum Zweiten erleichtert der Rückschnitt der Stängel den Neuaustrieb im nächsten Jahr. Da das echte Herzgespannkraut bis 40 °C winterhart ist, benötigt es keinen Winterschutz.

Jetzt fehlen nur noch die verschiedenen Möglichkeiten der Anwendungen. Darüber informiere ich Sie in der nächsten Woche! Haben Sie bis dahin eine gute Zeit!

Ihre Heidemarie Traut