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Wadgasser Rundschau
Ausgabe 41/2026
Sonstige amtliche Mitteilungen
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Heidis grüne Ecke

Liebe Garten- und Naturfreunde,

vorige Woche hatte ich eine Warnung wegen des starken Ausbreitungsdrangs der Topinambur an Sie weitergegeben. Dabei hatte ich auch erwähnt, dass die Topinambur ein Neophyt sei. Das hat mächtig Wellen geschlagen…Und so sehe ich mich heute veranlasst, Ihnen etwas mehr zu den sogenannten Neophyten zu erklären.

Die Frage, die im Zusammenhang mit dem Begriff Neophyten immer wieder von Ihnen gestellt wurde ist: „Warum werden Neophyten mitunter gefürchtet? Wo liegt das Problem?“

Dazu zunächst so viel: Viele, man kann sogar sagen sehr viele bei uns mittlerweile heimischen Nutz- und Heilpflanzen kommen ursprünglich aus anderen Ländern. Nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz (BfN) gibt es in Deutschland über 2.200 vormals wild lebende gebietsfremde Pflanzen, von denen sich rund 441 bis 470 Arten fest bei uns etabliert haben. Dazu gehören beispielsweise die Echte Kamille, der Weizen, die Walnuss, die Esskastanie, Kartoffeln und Tomaten, die Sonnenblumen, Paprika und Chili, der Mais und auch der Kürbis. Selbst die Kultur-Heidelbeeren (nicht zu verwechseln mit der heimischen Wald-Heidelbeere) und unsere großfrüchtigen Gartenerdbeeren, sowie die Goji-Beeren (Gemeiner Bocksdorn) gelten als etablierte Neophyten. Spätestens bei dieser Aufzählung werden Sie erkennen: Neophyten sind nicht per se schlecht! Im Gegenteil, denn alle die jetzt hier benannten Pflanzen gehören zu unserer Nahrungskette. Diese Arten sichern einen nicht unwesentlichen Teil unserer Ernährung und sie gelten in Europa als völlig unproblematisch, da sie außerhalb von Äckern und Gärten kaum dauerhaft wild überleben können – mit Ausnahme der Goji-Beeren, die sich manchmal unkontrolliert ausbreiten.

Insgesamt gesehen ist es tatsächlich auch nur ein kleiner Teil der „neuen Pflanzen“, die es schaffen, sich hier bei uns dauerhaft anzusiedeln. Voraussetzungen hierzu sind: einmal die gute Anpassung der jeweiligen Pflanze an unser hiesiges Klima, ein weiterer Punkt ist die Tatsache, dass bei uns Schädlinge aus dem „Heimatland“ dieser „Einwanderer“ hier nicht vorkommen.

Weitere hier „ansässige“ unbedenkliche oder sogar sehr nützliche Neophyten sind beispielsweise sogenannte Insektenpflanzen und wertvolle Bienenweiden. Zu ihnen gehören: die Phacelia (Bienenfreund), die gewöhnliche Nachtkerze und die Kornblume. Letztere ist streng genommen ein sogenannter „Archäophyt“, da sie bereits vor 1492 eingewandert ist. Zu den ebenfalls unbedenklichen Neophyten gehören auch einige Baumarten. Da wären z. B. die Douglasie und die Roteiche zu nennen. Diese Bäume wurden wegen ihres raschen Wachstums oder ihrer Resilienz gegenüber dem Klimawandel angepflanzt und gelten (solange sie nicht in sensible Naturschutzgebiete vordringen) wirtschaftlich gesehen – als sehr nützlich.

Sie sehen, man sollte schon genauer hinsehen, ehe man alle sogenannten Neophyten verdammt. Aber man sollte eine wichtige Abgrenzung vornehmen, indem man sich die Frage stellt: Wann wird ein Neophyt "problematisch", wann muss man ihn als „invasiv“ einstufen?

Ein Neophyt wird erst dann zum Problem und als invasiv eingestuft, wenn er unsere heimische Biodiversität, sowohl in der Pflanzen- als auch in der Tierwelt, verdrängt, wie das z. B. der Japanknöterich und das Drüsige Springkraut tun. Auch der Kirschlorbeer, der häufig in unseren Gärten angepflanzt wird, verwildert zunehmend in stadtnahen Wäldern und lässt unseren ursprünglichen heimischen Pflanzen immer weniger Raum. Dann gibt es Neophyten, die verändern den Lebensraum, etwa indem sie den Boden mit Stickstoff anreichern (wie z. B. die Vielblättrige Lupine), so dass dort lebende, zum Teil seltene Pflanzenarten nach und nach schlechtere Bedingungen vorfinden und letztlich gänzlich verdrängt werden. Wieder andere Neophyten in Deutschland bergen Gefahren für die Gesundheit des Menschen. Dazu gehört z. B. die Ambrosia-Pflanze, deren Samen leider oftmals in Vogelfutter zu finden sind! Diese Ambrosia bildet extrem viele hochallergene Pollen aus, die schwere Allergien und Asthma auslösen können. Und auch der Riesen-Bärenklau birgt Gefahren. Er bildet phototoxischen Saft, der bei Hautkontakt und Sonneneinstrahlung schwere Hautverbrennungen verursacht.

Konnte ich (zumindest fast) alle Fragen zu den Neophyten beantworten? Dann bis nächste Woche!

Ihre Heidemarie Traut