Gestern war beim Betterverse-Projekt richtig etwas los. Mehrere Kinder waren da, und wir haben Eulen gebastelt. Dabei wurde ich gefragt, warum ich Betterverse ins Leben gerufen habe. Okay, ich versuche es.
Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen und war eines der jüngsten Kinder. Als ich alt genug war, um jemanden zu brauchen, der etwas mit mir unternimmt, waren meine älteren Geschwister schon mit ihrem eigenen Leben beschäftigt oder aus dem Haus. Ich hätte mir damals einfach jemanden gewünscht, der Zeit für mich hat.
Vielleicht ist das ein Grund, warum ich Kindern heute diese Möglichkeit geben möchte. Vielleicht bin ich aber auch nie richtig erwachsen geworden. Ein Teil von mir ist immer noch ein Kind. Vielleicht komme ich deshalb so gut mit Kindern klar.
Im Jahr 2000 hörte ich von den Entwicklungszielen der Vereinten Nationen. Ich fand die Idee großartig, verlor sie aber wieder aus den Augen.
2015 kamen die 17 SDGs. Und plötzlich machte es Klick. Ich schaute in den Spiegel und hatte einen Michael-Jackson-Moment: Wenn etwas passieren soll, muss ich vielleicht selbst damit anfangen.
Seitdem sind elf Jahre vergangen, in denen ich versucht habe herauszufinden, wie ich Kinder erreichen kann – auf eine Art, die Spaß macht und sie zum eigenen Ausprobieren bringt. Vielleicht vergessen sie dabei sogar ihre Handys für ein paar Stunden. Handys sind bei Betterverse übrigens nicht verboten. Social Media dagegen schon.
Deshalb bin ich im Garten gelandet. Ich baue mit Kindern, arbeite mit 3D-Druckern und Raspberry Pis – möglichst mit gebrauchten Geräten – und suche immer wieder nach neuen Ideen. Man weiß schließlich nie, was ein Kind interessant findet, wenn es etwas selbst ausprobieren kann.
Vor kurzem haben wir außerdem zwei gebrauchte Laptops bekommen. Beide wurden gelöscht und mit Linux ausgestattet und können nun bei Betterverse eingesetzt werden. Vielen Dank dafür!
Was ich den Kindern geben möchte, ist einfach: Zeit, Aufmerksamkeit und vielleicht ein bisschen Liebe. Manchmal sogar in 3D-gedruckter Form.
Ich bin nicht der Opa dieser Kinder. Aber ich fühle mich manchmal wie einer. Und weil meine Tochter mir bisher kein Enkelkind beschert hat, muss ich mir eben welche ausleihen.
Betterverse ist ein Ort, an dem Kinder ausprobieren können. Speak English if they want. Sie müssen nichts können und nicht wissen, welches Hobby zu ihnen passt. Wir bauen, pflanzen, basteln, programmieren, drucken in 3D und arbeiten im Garten.
Es gibt keine Noten, keinen Wettbewerb und keinen Leistungsdruck. Betterverse kostet nichts.
Vielleicht kann ich Kindern damit etwas geben, das ich mir selbst als Kind gewünscht hätte: einen Erwachsenen, der Zeit hat und sagt: „Komm, wir machen das zusammen.“ Und vielleicht kommt die Familie einfach mit.
Betterverse findet jeden Freitag von 15:00 bis 18:00 Uhr in der Grundschule Schaffhausen statt. Wenn bis 15:30 Uhr keine kommt, schließen wir an diesem Tag.
Wirklich, bis bald
Steve