heute schlagen wir ein weiteres Kapitel unter dem Titel: Unsere Gärten (und Äcker) im Klimawandel auf. Heute geht es um die Süßkartoffel (Ipomoea patatas).
Was die ursprüngliche Herkunft dieser tollen Pflanze anbelangt, so gibt, respektive gab es da höchst unterschiedliche Sichtweisen. Der deutsche Forschungsreisende Alexander von Humboldt (1769-1859) war der Überzeugung dass die Wildform der Ipomoea batatas ursprünglich in Mittelamerika beheimatet war. Neuere Forschungen legen jedoch recht glaubhaft nahe, dass die Gattung Ipomoea im Paläozän in Asien ihren Ursprung hat. Heutzutage wird sie in fast allen wärmeren Ländern der Tropen, Subtropen und mittlerweile sogar in den gemäßigten Zonen der Erde angebaut.
Auch bei uns in Deutschland ist der Bekanntheitsgrad der Süßkartoffel in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Man kann sogar sagen, die Süßkartoffel hat sich mittlerweile in deutschen Landen zur regelrechten „Trendknolle“ entwickelt. War sie bis vor einigen Jahren noch eine Rarität in unseren Gärten, wird sie derweil auch dort von den Gärtnerinnen und Gärtnern sehr gerne angepflanzt. Selbst im professionellen Gemüsebau wird sie inzwischen auch hierzulande erfolgreich angebaut. Allerdings ist sie hier immer noch ein sogenanntes Nischenprodukt, und so sind die Anbauflächen in der landwirtschaftlichen Praxis doch noch recht bescheiden. Sie konzentrierten sich bislang vor allem auf unsere wärmeren Regionen in Bayern (ca. 60–80 Hektar), Rheinland-Pfalz, Niedersachsen sowie auf einige Großbetriebe im Raum Baden-Württemberg (allein die Erzeugerregion rund um die Insel Reichenau am Bodensee bewirtschaftet über 100 Hektar Bio-Süßkartoffeln). Zum Vergleich: Unsere altbekannte, reguläre Kartoffel wächst in Deutschland auf rund 268.000 bis 300.000 Hektar. Bislang waren es zumeist die klimatischen Hürden, die den hiesigen Anbau im größeren Maß verzögert haben. Denn die Süßkartoffel ist extrem kälteempfindlich und sie benötigt richtig hohe Bodentemperaturen, will man einen entsprechenden Ertrag einfahren. Deshalb mussten unsere Landwirte bislang häufig auf schwarze Mulchfolien zurückgreifen, um den Boden künstlich zu erwärmen. Ein Arbeitsgang, der wohl künftig – siehe Klimawandel – nicht mehr notwendig sein dürfte.
Bis unsere Agrarwirte den deutschen Markt allerdings vollständig bedienen können, werden vermutlich unsere bedeutendsten Lieferanten der Süßkartoffel wohl weiterhin die USA und Ägypten sein.
Was macht die Süßkartoffel, die rein botanisch gesehen mit unserer klassischen Kartoffel nicht verwandt ist, nun so begehrenswert? Nun, beide Knollen haben ganz spezifische Stärken. Ein pauschales welche „besser“ ist, gibt es so nicht. Eindeutig die Nase vorn hat „unsere althergebrachte Kartoffel“ beim Kalorien- und Gewichtsmanagement. Denn sie hat rund 15 bis 20 % weniger Kalorien und auch deutlich weniger Zucker als die Süßkartoffel. Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass bei abgekühlten, gekochten Kartoffeln ((z. B. die für Kartoffelsalat) sich eine sogenannte resistente Stärke entwickelt. Und diese wirkt wie ein Ballaststoff. Sie füttert die „guten“ Darmbakterien und lässt den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen. Zudem liefert unsere „alte Kartoffel“ etwas mehr Eiweiß, sowie mehr Kalium, was wichtig für den Blutdruck und unsere Muskeln ist. Und da außerdem lange Transportwege, durch den regionalen Anbau, nicht notwendig sind, ist sie auch (noch) deutlich nachhaltiger.
Die Süßkartoffel hingegen punktet eindeutig bei den Vitaminen. Sie ist eine absolute Vitamin-A- und Beta-Carotin-Bombe. Das ist unschwer erkennbar an der orangenen Farbe ihres Fruchtfleisches. Zudem liefert sie deutlich mehr zellschützendes Vitamin E. Von großem Vorteil ist auch die Tatsache, dass trotz des höheren Zuckeranteils die komplexe Zusammensetzung ihrer Kohlenhydrate und Ballaststoffe dazu führt, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Essen nur langsam und gleichmäßig ansteigt (= niedrigerer glykämischer Index), als bei unserer heiß zubereiteten Standard-Kartoffel. Als weiteren Pluspunkt würde ich die Tatsache sehen, dass die Süßkartoffel kein giftiges Solanin enthält, und somit auch roh verzehrt werden kann. Dünn gerieben und dann roh verschiedenen Salaten zugegeben ist, wird sie zum Highlight. Zudem gart sie in der Pfanne oder im Ofen rund ein Drittel schneller als unsere herkömmliche Kartoffel, was für uns Energie- und Zeitersparnis bedeutet.
Zusammenfassend kann man sagen: Die ideale Wahl zwischen diesen beiden „Kartoffelarten“ ist wohl sehr individuell. Legt man Wert auf ein kalorienbewusstes, regionales Produkt, ist unsere klassische Kartoffel geradezu perfekt. Will man hingegen ganz gezielt Vitamine „tanken“, und zieht man die süßliche Geschmackskomponente (zumindest bei einigen Gerichten) vor, dann ist die Süßkartoffel das Mittel der Wahl. Schön, dass wir die Wahl haben!