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Amtsblatt des Landkreises Schmalkalden-Meiningen
Ausgabe 12/2023
Nichtamtlicher Teil
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Neue Ideen für alte Hütte

Hier kommen junge Bäumchen in den Boden.  

Schmuck sieht die sanierte Hütte jetzt aus.

Erleben und lernen im „Grünen Klassenzimmer“ dank LEADER

In eine Hütte am Waldrand unweit des Rennsteiges bei Brotterode ist wieder junges Leben eingezogen. Das Haus aus dem Jahre 1938 wurde zum „Grünen Klassenzimmer Laudenbach“ hergerichtet. Künftig will das Domizil mitten im Wald vielen Schülergruppen Gastgeber sein, die hier nicht nur Unterrichtstoff auf ganz andere Weise erlernen sollen. So nah an der Natur können auch ganz praktische Dinge ausprobiert und weitergegeben werden. „Was alles möglich ist, wollen wir jetzt in einen Film packen, der neugierig machen soll“, sagt Meiko Lesser. Ihn und seine Mitstreiter von der Projektgruppe „Grünes Klassenzimmer Laudenbach“ vom Verein „Lerndorf Trusetal“ e.V. treibt schon lange der Gedanke nach solch einem ganz besonderen Lernort um. Die alte „Landrats-Hütte“ bot sich hierfür bestens an, die Regionale Aktionsgruppe (RAG) LEADER „Henneberger Land“ e.V. und das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR) in Meiningen unterstützten das Vorhaben. Zu tun gab es eine ganze Menge - Sanierungsmaßnahmen waren erforderlich. Rund 21 300 Euro flossen als Fördermittel, dies waren 60 Prozent der Gesamtsumme. Die Kommune Brotterode-Trusetal hatte den Förderantrag für das innovative Vorhaben bei der RAG eingereicht und erhielt grünes Licht. Die Akteure der Projektgruppe sammelten außerdem Spenden, die sie zum Eigenanteil der Kommune beisteuerten.

Film soll Interesse wecken

Am Eröffnungstag sind nun erstmals Kinder im Anmarsch, die einen spannenden Tag erleben wollen - das Handy ist schnell vergessen. Ein Kamerateam wird dies alles begleiten und festhalten. Vor allem aber wollen die Macher mit dem Film später auch die Schulen erreichen, die dieses Angebot unbedingt nutzen sollten. „Nur über Umwelt, Natur und Nachhaltigkeit im Unterricht theoretisch zu reden, bringt nicht viel - man muss es leben“, sagt Meiko Lesser. Wer zur Hütte kommt, findet nichts Fertiges vor. Es geht nicht ums Konsumieren und Bespaßen, sondern ums Machen.

Die Hütte am Oberen Beerberg in 700 Metern Höhe bietet dafür ideale Voraussetzungen. Die Kinder sollen nicht nur theoretischen Unterricht erleben, sondern auch praktische Aktivitäten wie Holzhacken und Feuermachen. Ein stilles Örtchen gibt es natürlich auch, doch fürs Spülen muss zunächst Wasser aus der Quelle geholt werden. Der Fokus liegt darauf, einfache Alltagsfertigkeiten zu erlernen, die oft vergessen werden.

Später am Eröffnungstag erleben Kinder aus Jungen aus Brotterode-Trusetal, Floh-Seligenthal, Schmalkalden, Bad Liebenstein und Eschenbergen einen abwechslungsreichen Tag, der von dem Kamerateam begleitet wird. Lehrerinnen gestalten Unterrichtsstunden zu Biologie und deutscher Literatur. Später stehen Aktivitäten wie Sensenmähen, Pflanzen von jungen Bäumen und Singen am Lagerfeuer auf dem Programm. Selbst Ziegenmilch können die Kinder verkosten. „Alles Ideen, die man hier mit Partnern umsetzen kann“, sagt Meiko Lesser.

Eltern und Mitstreiter sind an diesem Tag ebenso mit hierhergekommen, um dieses besondere Projekt zu unterstützen. „Die Väter, Mütter und Kinder hatten richtig Bock auf diesen Tag und haben sich gleich angeboten, künftig in der Projektgruppe mitzuarbeiten - jeder ist willkommen.“ Jetzt müsse man aber noch die Schulen und Pädagogen mit ins Boot holen. Das sei auch das Anliegen dieses Tages und des Films. „Das hat alle motiviert“, sagt der gelernte Werkzeugmacher mit großer Affinität zu Tradition, Natur, Umwelt, Brauchtum und dem Leben auf dem Lande.

Langjähriges Engagement

Die Projektgruppe „Grünes Klassenzimmer“ ist schon viele Jahre in und um Laudenbach aktiv - der kleine Ort gehört zur Stadt Brotterode-Trusetal. Hier wurde bereits ein solcher Lernort angelegt - allerdings unter freiem Himmel. Alte hochstämmige Obstbaumsorten wurden gepflanzt, ein großes Insektenhotel gebaut, Informationstafeln aufgestellt sowie Wildkräuterwiese und Bienenweide angelegt. Kinder erlernen hier, wie man mit der Sense mäht und somit die Fläche schonend bewirtschaftet. Lehren und Lernen heißt die Devise. Generationen sind hier bereits Hand in Hand unterwegs. „Und das ist gut so, denn die Älteren können viel an die Jüngeren weitergeben.“ Organisiert wurden mehrfach auch schon Mahdwettbewerbe mit der Sense. „Wir müssen einfach wieder lernen, das normale Leben und Werte mehr zu schätzen“, sagt Lesser, der selbst vieles von seinem Großvater erlernt hat und dies mit Gleichgesinnten an viele Kinder und Interessierte weitergeben möchte.

Kontakt für weitere Informationen:

RAG LEADER "Henneberger Land" e.V.

Rippershäuser Straße 16

98639 Rippershausen

Tel. 03693/5050-821 (Do.: 10-14 Uhr)

Tel.: 03643/863126

www.leader-rag-henn.de

www.leader-thueringen.de