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Amtsblatt des Landkreises Schmalkalden-Meiningen
Ausgabe 2/2026
Nichtamtlicher Teil
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Informationen

Mehl ist nicht gleich Mehl: Die beiden Brüder, Bäcker und Geschäftsführer Daniel (l.) und Thomas Marr (r.) vermitteln Landrätin Peggy Greiser und Bürgermeister Markus Böttcher allerlei Wissenswertes aus der Backstube.

Unternehmensbesuche der Landrätin:

Traditionsbäckerei Marr: Handwerk, Nachhaltigkeit und Familiengeist in Steinbach-Hallenberg

Am 20. Januar 2026 besuchten Landrätin Peggy Greiser, Bürgermeister Markus Böttcher und Kathleen Straßenmeyer von der Wirtschaftsförderung der Stadt die Traditions-Bäckerei und Konditorei Marr in Steinbach-Hallenberg. Hier wird noch ganz traditionell gearbeitet: Die Füllung für den Kokoskuchen wird liebevoll von Hand zubereitet und der Mohn wird im klassischen Emailletopf gekocht – ein Zeugnis echter Backkunst.

Familie Marr führt die Bäckerei in vierter Generation. Thomas Marr lebt mit seiner Familie am Standort Steinbach-Hallenberg, Bruder Daniel mit seiner Familie in Viernau, wo die Bäckerei Marr im Jahr 2000 eine Filiale im Gewerbegebiet eröffnete. Um die Produktion noch nachhaltiger zu gestalten, wurde die Filiale in Viernau im vergangenen Jahr mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach ausgestattet. Fast der gesamte dort erzeugte Strom wird direkt vor Ort verbraucht.

Geschmack und Kaufverhalten ändern sich

Das Sortiment hat sich über die Jahrzehnte stark gewandelt: Während zu DDR-Zeiten überwiegend Mischbrote gebacken wurden, sind es heute Spezialbrote, Brötchen und besondere Backwaren. Gleichzeitig hat sich das Kundenverhalten verändert – viele kaufen ihre Backwaren inzwischen im Supermarkt. Um neue Zielgruppen zu erreichen, hat die Bäckerei ihre Angebote erweitert und arbeitet eng mit regionalen Partnern zusammen. So werden beispielsweise Eier für die Backwaren aus Exdorf geliefert und gleichzeitig dort die Marr-Brote verkauft. Immer freitags wird zudem die Winne Mühle in Breitungen mit Broten, Brötchen und Gebäck beliefert.

Zu besonderen Anlässen überraschen die Marr-Brüder ihre Kunden mit kreativen Angeboten. Zum Männertag etwa gibt es eine Männerhandtasche, gefüllt mit Brot, Bier und allem, was ein Mann an diesem Tag benötigt. Dabei setzt die Bäckerei auch auf regionale Kooperationen, etwa mit dem Spirituosenhandel Hannes aus Viernau, der ein breites Sortiment der Prinz Feinbrennerei anbietet.

Von Generation zu Generation

Beim Besuch in der Backstube betonte der Seniorchef, wie stolz er darauf ist, dass seine beiden Söhne den Betrieb übernommen haben. Auch der Nachwuchs ist schon eingebunden: Daniels Sohn, Schüler der 9. Klasse, hilft im zweiwöchigen Rhythmus samstags in der Backstube mit. Ob er später den Betrieb übernehmen wird, ließ die Familie offen.

Der Seniorchef erinnerte sich: Früher war Roggenmischbrot das am meisten produzierte Brot. Ein 4-Pfünder kostete damals 124 Pfennig und war teilweise günstiger als Tierfutter – dennoch konnten 13 Bäcker in Steinbach-Hallenberg gut davon leben. Heute ist die Bäckerei Marr die einzige handwerkliche Backstube in der Kernstadt. In der Backstube werden wöchentlich ca. 750 Kilogramm Weizen- und 500 Kilogramm Roggenmehl verarbeitet.

Beim Unternehmensbesuch auf den Geschmack gekommen

Die Gäste erhielten in der Backstube eine kleine Mehlkunde und lernten, wie man optisch normales Mehl von Vollkornmehl unterscheidet. Der Sauerteig, seit über 100 Jahren gehegt und gepflegt, ist für den besonderen Geschmack der Backwaren verantwortlich und garantiert lange Frische. Selbst während der Urlaubszeiten der Bäcker wird der Sauerteig „in Ruhe gelegt“ und rechtzeitig wieder aktiviert.

Im Innenhof der Bäckerei wurden die Holzbacköfen besichtigt, in denen donnerstags auch Rippchen gebacken werden. In der Vorweihnachtszeit kann man außerdem Stollenteig zum Backen vorbeizubringen – ein Service, den viele Bürgerinnen und Bürger schätzen.

Zum Abschluss durften die Gäste die handwerklichen Kreationen verkosten: das Mar(r)onibrot mit 50 Prozent Maronenmehl, die Hallenburgkruste mit Treber aus der Bierproduktion und ein saftiges Roggenbrot. Jede Spezialität ein Zeichen für die Verbindung von Tradition, Handwerk, Nachhaltigkeit und Familiengeist.