wenn Menschen aus ganz unterschiedlichen Teilen der Welt im Saal unseres Landratsamtes zusammenkommen, ihre Familien neben ihnen sitzen und sie schließlich förmlich geloben:
„Ich erkläre feierlich, dass ich das Grundgesetz und die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland achten und alles unterlassen werde, was ihr schaden könnte…“ - dann ist das kein bloßer Verwaltungsakt.
Es ist ein besonderer Moment. Für die neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Und auch für unseren Landkreis.
Seit 2025 führen wir im Landkreis Schmalkalden-Meiningen regelmäßig öffentliche Einbürgerungsfeiern durch - wie es das Staatsangehörigkeitsrecht vorsieht. Vier Feiern fanden im vergangenen Jahr statt, fünf sind für 2026 geplant. Pro Termin begrüßen wir meist 20 bis 40 Menschen, die diesen wichtigen Schritt gehen - oft begleitet von ihren Familien. Es sind bewegende Stunden, in denen spürbar wird, was Einbürgerung wirklich bedeutet: Anerkennung, Zugehörigkeit und Verantwortung.
Allein im Jahr 2025 wurden bei uns 125 Menschen eingebürgert. Seit 2022 waren es insgesamt 442 neue deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Sie stammen aus 51 verschiedenen Ländern - aus Europa, Asien, Afrika sowie Nord- und Südamerika. Syrien ragt zahlenmäßig heraus, was mit den Fluchtbewegungen der vergangenen Jahre zusammenhängt. Doch die Vielfalt ist groß: Von Afghanistan bis Vietnam, von Kenia bis Mexiko, von den Vereinigten Staaten bis Peru. Was die Menschen verbindet, ist nicht ihre Herkunft - sondern ihre Entscheidung. Die Entscheidung, dauerhaft hier zu leben. Hier zu arbeiten. Hier Verantwortung zu übernehmen.
Ein Beispiel ist Ljubov Weber. Geboren in Kaliningrad, mit familiären Wurzeln in Litauen und Usbekistan, lebt sie seit 16 Jahren in Deutschland. Ihr beruflicher Weg war nicht einfach. Ihre Ausbildung als Feldscher - ein Beruf zwischen Krankenschwester und Ärztin - wurde hier nicht anerkannt. Sie entschied sich für einen neuen Weg, ließ sich zur Altenpflegerin anerkennen, bildete sich weiter, studierte Berufspädagogik für Gesundheitsberufe und arbeitet heute als Abteilungsleiterin im DRK-Bildungswerk in Meiningen. Eine beeindruckende Entwicklung - getragen von Fleiß, Mut und Integrationswillen.
Solche Lebensgeschichten zeigen: Einbürgerung ist kein Automatismus. Sie ist das Ende eines langen Weges. Wer eingebürgert werden möchte, muss klare Voraussetzungen erfüllen: mindestens fünf Jahre rechtmäßiger Aufenthalt, gesicherter Lebensunterhalt, Sprachkenntnisse auf B1-Niveau, das Bestehen des Tests „Leben in Deutschland“, ein Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung - und keine relevanten Straftaten.
Die Zahl der Anträge ist in den letzten Jahren gestiegen - ein Kraftakt für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fachdienst Ausländer- und Personenstandswesen, die mit großem Engagement arbeiten.
Warum entscheiden sich Menschen für die deutsche Staatsangehörigkeit? Weil sie mitgestalten wollen. Weil sie wählen dürfen möchten. Weil sie Zugang zu allen Berufen haben wollen - ohne ausländerrechtliche Einschränkungen. Weil sie Sicherheit wollen: ein gesichertes Aufenthaltsrecht, Schutz durch den deutschen Staat, Freizügigkeit in der Europäischen Union. Und weil viele längst sagen: Deutschland - und hier ganz konkret Schmalkalden-Meiningen - ist meine Heimat geworden.
Ich habe mich stets gegen illegale und ungesteuerte Migration ausgesprochen, aber immer deutlich gemacht: Wer arbeitet, sich bei uns engagiert und unsere Werte akzeptiert, ist bei uns herzlich willkommen. Wer all dies nicht tut, kann hier im Umkehrschluss keine Perspektive haben. Die erfolgreiche Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in den Arbeitsmarkt spielt für unseren Landkreis wie für viele Regionen in Deutschland längst eine große Rolle. Rund zwölf Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse gehen inzwischen auf neu Zugewanderte und EU-Freizügigkeit zurück. Ohne diese Menschen wäre unsere wirtschaftliche und soziale Lage deutlich angespannter. Sie arbeiten in Pflege und Handwerk, in Industrie und Handel, in Schulen, Praxen und Betrieben. Sie sind Fachkräfte, Studierende, Unternehmer, Auszubildende. Sie sind Teil unserer Vereine, unserer Nachbarschaften, unserer Gesellschaft.
Bei jeder Einbürgerungsfeier sage ich deshalb: Seien Sie Brückenbauer. Errichten Sie Brücken zwischen Ihrer Herkunft und Ihrer neuen Heimat. Brücken zwischen Kulturen, Erfahrungen und Perspektiven. Denn auch wir als Gesellschaft gewinnen. Vielfalt bereichert - wenn sie auf dem Fundament gemeinsamer Werte steht.
Diese gemeinsamen Werte heißen Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde. Wer eingebürgert wird, bekennt sich zu ihnen. Vielleicht sollten wir uns alle - auch wir, die wir hier geboren wurden - von Zeit zu Zeit bewusst machen, welches Privileg es ist, in einem Land zu leben, in dem diese Werte gelten.
Einbürgerung ist eine Frage der Anerkennung. Aber auch eine Frage der Verantwortung - für die neuen Bürgerinnen und Bürger ebenso wie für uns als Gesellschaft.
Ich wünsche allen Neubürgerinnen und Neubürgern von Herzen, dass sie sich weiterhin willkommen fühlen, dass sie ihre Talente einbringen und ihre Zukunft hier bei uns gestalten. Und ich danke allen, die diesen Prozess engagiert begleiten.
Ihre
Peggy Greiser
Landrätin des Landkreises Schmalkalden-Meiningen