Autark heizen mit Wärmepumpe, Photovoltaikanlage und Batteriespeicher - in der Werbung klingt das vielversprechend. Doch wie unabhängig können Haushalte tatsächlich werden, und wann lohnt sich die Investition?
Eine Photovoltaikanlage ohne Batteriespeicher kann in einem Einfamilienhaus etwa 20 bis 30 Prozent des gesamten Strombedarfs für Haushalt und Wärmepumpe decken. Mit Batteriespeicher steigt dieser Anteil auf etwa 40 Prozent. Doch damit sich die Investition lohnt, müssen die Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sein.
Je höher der Anteil des selbst genutzten Solarstroms, desto wirtschaftlicher ist die PV-Anlage. Eine Wärmepumpe kann diesen Eigenverbrauch erhöhen. Doch da die Sonne nur tagsüber scheint und Strom auch nachts benötigt wird, kann ein Batteriespeicher den Eigenverbrauch weiter steigern.
Ein Problem bleibt jedoch: „PV-Anlagen liefern im Sommer am meisten Strom, während der Heizbedarf im Winter am höchsten ist. Ein Batteriespeicher kann zwar Strom für die Nacht speichern, aber nicht über mehrere Tage oder gar Wochen“, erklärt Ramona Ballod, Energiereferentin der Verbraucherzentrale Thüringen. Das bedeutet: Solarstrom kann die Wärmepumpe nur dann versorgen, wenn am Tag zuvor genug Sonne geschienen hat.
Auch wenn der Eigenverbrauch durch die Wärmepumpe steigt, nimmt der tatsächliche Autarkiegrad oft ab. Der Grund: Im Winter, wenn der Heizbedarf hoch ist, produziert die PV-Anlage nur wenig Strom.
„Je effizienter eine Wärmepumpe arbeitet, desto weniger Strom benötigt sie - das erhöht die Unabhängigkeit. Besonders vorteilhaft ist eine gute Wärmedämmung, denn sie reduziert den Heizwärmebedarf und damit den Stromverbrauch der Wärmepumpe“, so Ramona Ballod.
Ein Haus kann nicht allein mit Solarstrom versorgt werden - saisonale Speicher fehlen. „In gut gedämmten Gebäuden mit geringem Stromverbrauch lassen sich aber über 60 Prozent des Strombedarfs selbst decken. Ist die Dämmung schlecht, sinkt der Autarkiegrad erheblich“, so die Expertin.
Wirtschaftlich sinnvoll ist es, den Eigenverbrauch bei mindestens 30 Prozent des erzeugten Solarstroms zu halten. Auch der Batteriespeicher sollte gut dimensioniert sein: Zu große Speicher kosten unnötig Geld, altern schneller und verbrauchen mehr Ressourcen. Die Verbraucherzentrale Thüringen empfiehlt, die Speicherkapazität so zu wählen, dass sie den Strombedarf für eine Nacht abdeckt.
Wer unsicher ist, welche Größe für PV-Anlage, Wärmepumpe oder Batteriespeicher optimal ist, kann sich an die Energieberatung der Verbraucherzentrale Thüringen wenden. Ein Termin für ein persönliches Beratungsgespräch kann unter der Telefonnummer 0800/809 802 400 (kostenfrei) vereinbart werden.
(Text veröffentlich mit freundlicher Genehmigung der Energieberatung der Verbraucherzentrale Thüringen)