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Amtsblatt der Stadt Steinbach-Hallenberg
Ausgabe 10/2024
Steinbach-Hallenberg
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Stadtmitteilungen

IHK-Präsident Torsten Herrmann (li.) und Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen, führten Außenministerin Baerbock durch das Unternehmen und gingen im anschließenden Gespräch auf die wirtschaftliche Situation im Kammerbezirk und die unmittelbare Wirkung von politischen Entscheidungen auf die Unternehmen ein.

Beim Firmenrundgang suchte Außenministerin Baerbock immer wieder das Gespräch mit den ausländischen Azubis und Mitarbeitern des Unternehmens.

Mit einem Eintrag ins Gästebuch der Stadt Steinbach-Hallenberg endete der Besuch von Außenministerin Annalena Baerbock in Südthüringen.

Die Bundesaußenministerin Annalena Bearbock besuchte auf ihrer Sommerreise Südthüringen und machte auch in Steinbach-Hallenberg Halt. Dabei zeigte sie sich beeindruckt, was die mittelständische Wirtschaft in der Region auf die Beine stellt. Bei ihrem Treffen mit Vertretern der IHK Südthüringen bei der Firma Hehnke GmbH & Co. KG informierte sie sich über die Erfahrungen der Südthüringer bei der Gewinnung ausländischer Fachkräfte und Auszubildender.

Das Vietnam-Projekt der Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer Südthüringen, welches seit acht Jahren betrieben wird, ist auch im fernen Berlin nicht mehr unbekannt. Ebenso das Usbekistan-Projekt der SPA Simson Private Akademie gGmbH.

Das Auswärtige Amt hatte deshalb bei der IHK angefragt hatte, ob sich die Ministerin die Umsetzung der Projekte vor Ort einmal anschauen könne.

Torsten Herrmann, ehrenamtlicher IHK-Präsident und im Hauptberuf einer der beiden Geschäftsführer der Hehnke GmbH & Co. KG, führte die Ministerin durch seine Firma. Hier kam diese mit jungen Menschen, wie Seyed Mehdi Mousavi aus Afghanistan, der vor einem Jahr seiner Frau nach Südthüringen hinterhergezogen war, ins Gespräch. Auch Jamoliddin Beymurodov lernt die Ministerin kennen. Er stammt aus Usbekistan und ist stolz darauf, nun den Beruf des Verfahrensmechanikers für Kunststofftechnik zu lernen. Ein bisschen Deutsch habe er schon in seiner Heimat gelernt, doch richtig los ging es erst, als er in Südthüringen angekommen sei. Einen längeren Weg hat Thanh Tung Nguyen schon hinter sich. Er kam vor fünf Jahren mit dem Vietnam-Projekt in die Region und hat inzwischen seinen Abschluss als Mechatroniker. „Ich will bleiben“, versichert er Baerbock.

Er gehört zu den 70 Prozent der aus dem asiatischen Land angeworbenen Auszubildenden, die von ihren Betrieben übernommen werden. Eine Quote, die in Deutschland in vergleichbaren Programmen ihresgleichen sucht. 90 Prozent der jungen Menschen, die schon in Vietnam mit Sprach- und Integrationskursen auf das Leben in Südthüringen vorbereitet werden, schaffen ihren Abschluss.

Zahlen, die die Ministerin sichtlich beeindrucken. Noch mehr beeindruckt sie aber der Mut der jungen Menschen. „Ich habe sehr großen Respekt, denn es ist ja nicht einfach, mit 16, 17 oder 18 Jahren zu sagen, man verlässt jetzt seine Heimat und geht in ein völlig fremdes Land, in eine ganz andere Kultur“, sagt Baerbock.

Im anschließenden Gespräch mit Vertretern der IHK Südthüringen und der Landesverwaltung, versicherte Baerbock, dass es ihr Ziel sei, dass Deutschland konkurrenzfähig werden müsse beim Anwerben ausländischer Fachkräfte. Länder wie Kanada würden Einwanderungsprogramme bieten, die in etwa mit dem vergleichbar seien, was Deutschland nun vorhabe, könnten aber mit dem Pluspunkt wuchern, dass man dort Englisch sprechen könne. Daher lobt sie das Vorgehen der Südthüringer Wirtschaftskammern, in ihrem Anwerbungsprogramm einen Sprachkurs schon im Heimatland vorzulagern. Und sie verspricht, dass vieles rund um das Thema Zuwanderung von Fachkräften in den kommenden Jahren einfacher werden soll. Etwa durch die Digitalisierung des Visum-Prozesses.

Allerdings schränkt Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen ein, dass die von der Bundesregierung angestoßenen Vereinfachungen zunächst für Verzögerungen gesorgt hätten. Weil plötzlich neue Anforderungen gestellt würden, die zwischen den zuständigen Behörden noch nicht ausreichend abgestimmt seien. Im aktuellen Jahrgang der Azubis aus Vietnam habe das zu fünf Wochen Verzug geführt. „Anlaufschwierigkeiten“, heißt es dazu aus dem Stab der Ministerin, die inzwischen abgestellt sein sollten.

Baerbock sagt, sie habe ja nicht erst auf ihrer diesjährigen Reise durch Deutschland erfahren, dass das Herz der Wirtschaft nicht in den Metropolen schlage, sondern in den ländlichen Regionen. Und dass es die Unternehmen dort seien, die gute Lösungen für ihre Probleme finden würden. Wie bei der Zuwanderung ausländischer Fachkräfte und Auszubildender. Die Vertreter der IHK und der Landesentwicklungsgesellschaft geben der Ministerin aber zu verstehen, dass das alles kein Selbstläufer sei. Dass Unternehmen finanzielle Unterstützung bräuchten, um all das zu stemmen. So ist zum Beispiel eine sozialpädagogische Betreuung der Azubis Teil des Vietnam-Projektes. Das soll die Integration der jungen Menschen in der Fremde fördern und Problemen wie Heimweh vorbeugen. Auch Wohnungen stellen die Betriebe ihren Azubis in der Regel bereit. All das wird derzeit aus verschiedenen Töpfen des Freistaats bezuschusst und müsste vom Bund in ähnlicher Form übernommen werden, wenn Berlin sich dazu entscheiden sollte, das Programm für ganz Deutschland zu adaptieren. Und die Sicherung der Qualitätsstandards bei allen Beteiligten sei sicherlich auch ein Schlüssel des Erfolges, sagte Pieterwas.

Im weiteren Verlauf des Gespräches gelangen beide Seiten zu der Überzeugung, dass es gut ist, einmal persönlich miteinander zu sprechen. So hat sich bei Torsten Hermann und Ralf Pieterwas, wie wohl bei vielen Menschen in Deutschland, der Eindruck verfestigt, Baerbock kümmere sich bei ihren Auslandsreisen einzig und allein um eine wertebasierte Außenpolitik. Sie reise mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt und vergesse dabei zum Beispiel die Interessen der deutschen Wirtschaft. Zum Beispiel in China. Es müsse doch vielmehr darum gehen, dass sich Deutschland für fairen Marktzugang deutscher Firmen einsetze, statt die Einhaltung demokratischer Werte einzufordern, formuliert es Torsten Herrmann in Richtung der Ministerin. Genau das tue sie, versichert diese - nur leider werde dieser Teil ihrer Außenpolitik in der Öffentlichkeit allzu gerne übersehen.

Und im Falle China strebe die Bundesregierung eben auch eine Vorbereitung Deutschlands auf den Ernstfall an. Der zum Beispiel dann eintreten könnte, wenn China den Verkauf europäischer Autos generell untersagt. Oder wenn China Taiwan überfallen sollte und damit der Nachschub dringend benötigter Chips und Halbleiter zusammenbrechen könnte.

Im Anschluss an den Firmenrundgang und die Gespräche trug sich Außenministerin Baerbock noch mit herzlichen Worten in das „Goldene Buch“ - das Gästebuch der Stadt Steinbach-Hallenberg - ein.

Am Ende gingen alle Beteiligten mit zufriedenen Gesichtern auseinander. Mit dem Gefühl, dass es gutgetan hat, einmal direkt miteinander zu reden, statt nur übereinander.

Pressestelle