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Amtsblatt der Stadt Steinbach-Hallenberg
Ausgabe 2/2026
Steinbach-Hallenberg
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Stadtmitteilungen

Projektleiterin Jana Endter und Geschäftsführer Max Reumschüssel (v.li.) von der Simson Private Akademie gGmbH luden Katharina Schenk, Thüringer Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie und Bürgermeister Markus Böttcher zu einem Gespräch über Fachkräftegewinnung nach Viernau ein.

Am Freitag, den 23.01.2026, fand bei der Simson Private Akademie (SPA gGmbH) in Viernau ein Strategiegespräch statt. Anlass waren bürokratische Herausforderungen bei der Umsetzung von EU-geförderten Projekten zur Gewinnung von Auszubildenden und Fachkräften aus dem Ausland, die einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels leisten.

An dem Gespräch nahmen Katharina Schenk, seit dem 13.12.2024 Thüringer Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie, Bürgermeister Markus Böttcher, Max Reumschüssel, Geschäftsführer der Simson Private Akademie, Jana Endter als verantwortliche Projektleiterin für das Usbekistan-Projekt sowie Kathleen Straßenmeyer von der Wirtschaftsförderung der Stadt Steinbach-Hallenberg teil.

Die Simson Private Akademie ist aus der früheren Berufsschule Fahrzeug- und Jagdwaffen Suhl hervorgegangen. Seit 1999 befindet sich der Standort auf dem Friedberg, ausgestattet mit CNC-, Computer- und Schweißkabinetten. Seit 2017 nutzt die SPA zusätzlich die ehemaligen Räumlichkeiten der AWP in der Außenstelle Viernau. Ziel war und ist es, den Standort zu erhalten und langfristig die Ausbildung von Fachkräften für regionale Unternehmen sicherzustellen. Ausgebildet werden ausschließlich gewerblich-technische Berufe sowie überbetriebliche Ergänzungsausbildungen. Die SPA ist zugelassener Prüfungsstandort der IHK für mehrere Ausbildungsberufe, darunter Konstruktions- und Zerspanungsmechaniker, Werkzeugmechaniker, Fachkräfte für Metalltechnik sowie Maschinen- und Anlagenführer.

Die Akademie hatte um das Gespräch gebeten, um konkrete Anliegen an die Politik zu adressieren. Geschäftsführer Max Reumschüssel betonte, dass die SPA Initiator des Usbekistan-Projektes sei und bereits frühzeitig mit dem Land zusammengearbeitet habe. Auf die Frage der Ministerin nach der Wahl Usbekistans verwies er auf seine persönlichen Kontakte aus einem früheren Studienaufenthalt sowie auf die günstigen Rahmenbedingungen: eine junge, wachsende Bevölkerung, begrenzte Perspektiven im Heimatland und gute sprachliche Voraussetzungen durch Deutschunterricht in den Schulen.

Ein zentrales Anliegen der SPA ist ein stärkerer Fokus auf den Mittelstand sowie der Erhalt dieser Form der Wirtschaftsförderung. Gerade kleinere Betriebe könnten nicht alle Ausbildungsinhalte selbst abdecken, da qualifizierte Ausbilder gleichzeitig als Fachkräfte im Betrieb fehlen. Ohne entsprechende Unterstützung bestehe die Gefahr, dass Ausbildungsplätze künftig nicht mehr angeboten werden. Die SPA wünscht sich daher langfristige Planungssicherheit über längere Förderzeiträume.

Ein weiterer Punkt betrifft den hohen bürokratischen Aufwand bei internationalen Projekten. Projektleiterin Jana Endter schilderte, dass teilweise über mehrere Jahre hinweg detaillierte Angaben zu Verbrauchsmaterialien und Investitionen gemacht werden müssten, was unter den aktuellen Marktbedingungen kaum realisierbar sei. Der personelle Aufwand sei für die Bildungsträger kaum zu leisten.

Bisher hat die SPA rund 120 Auszubildende aus Usbekistan nach Deutschland geholt und vor allem in Südthüringen integriert - von Eisenach bis Schalkau. Auf die Frage nach dem Erfolgsrezept erklärte Max Reumschüssel, dass eine enge Begleitung der jungen Menschen entscheidend sei. Dazu gehöre auch die soziale Integration, etwa durch die Teilnahme an regionalen Veranstaltungen. Ein Beispiel war die Museumsnacht in Steinbach-Hallenberg, bei der die Auszubildenden das usbekische Nationalgericht Plov zubereiteten.

Unterstützt wird die Auswahl geeigneter Teilnehmer durch Shonosir Sharakhmedov, der während der Corona-Zeit in Schmalkalden studierte. Er bringt sich heute aktiv ein, um jungen Menschen aus seiner Heimat den Weg nach Deutschland zu ermöglichen. Dabei spielt auch die Herkunft der Auszubildenden eine Rolle, da Erfahrungen im ländlichen Raum die Integration erleichtern können.

Kritisch angemerkt wurde zudem, dass Förderkriterien soziale Aspekte und das persönliche Wohlbefinden der Auszubildenden kaum berücksichtigen. Gleichzeitig wurde die Vielzahl an Prüfstellen hinterfragt. Nach Ansicht der SPA könne eine stärkere Fokussierung auf Qualität und Praxisnähe die Attraktivität des Standortes Thüringen erhöhen. Aktuell plant die Akademie gemeinsam mit politischen Vertretern aus der Region Fargʻona den Aufbau eines Ausbildungszentrums in Usbekistan, um bereits dort nach deutschen Standards auszubilden. Dieses Vorhaben scheitert derzeit noch an behördlichen Anforderungen.

Ministerin Schenk würdigte mehrfach die Arbeit der Simson Privaten Akademie und sagte zu, die vorgetragenen Anliegen in die Landesregierung einzubringen. Insbesondere die stärkere Sichtbarkeit regionaler Projekte auf Landesebene solle künftig unterstützt werden. Auch einer Teilnahme an der geplanten Delegationsreise nach Usbekistan im Oktober stand sie offen gegenüber.

Pressestelle