Als Max Langenhan (re.) den Schlitten im Oktober bei Frank Holland-Merten abholte, träumte er noch vom Olympiasieg. Jetzt sind er und Julia Taubitz am Ziel ihrer Träume.
Björn Schneider (li.) und Gregor Deschwanden mit der Bronzemedaille.
Grüße in die Heimat: Eric Bauroth (li.) live im TV beim Einmarsch während der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele.
Nicht nur die beiden Spitzensportlerinnen Vanessa Voigt und Katherine Sauerbrey vertraten das Haseltal und die Region bei den kürzlich zu Ende gegangenen XXV. Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo. Neben Funktionären, wie unserer Steinbach-Hallenberger Ehrenbürgerin und Thüringer Skiverbandspräsidentin Kati Wilhelm oder Trainern, wie Cuno Schreyl aus Altersbach, waren noch weitere Teammitglieder, Helfer und Unterstützer aus Steinbach-Hallenberg an den Erfolgen von Olympiateilnehmern beteiligt.
Die Schlitten der beiden Olympiasieger im Rennrodeln, Max Langenhan und Julia Taubitz, wurden in Frank Holland-Mertens Firma FHM Karosserie-Lack-Design in Steinbach-Hallenberg lackiert. „Am 2. Oktober war Max Langenhan hier und hat den Schlitten geholt“. Und auch Merle Fräbel, die beim olympischen Einzelrennen Achte wurde, kennt das Unternehmen von Frank Holland-Merten und Schwester Franziska Gerlach.
Am Donnerstag, den 12. Februar, kurz nach der Goldfahrt der Staffel im Rennrodeln piepte das Handy von Frank Holland-Merten. Mit einer Sprachnachricht der Olympiasieger Julia Taubitz und Max Langenhan bedanken sich die beiden mit den Worten: „Das ist der schnellste Lack der Welt.“ Damit ist Holland-Merten jetzt „Quadroolympiasiegerlackierer“, wie er sich selbst scherzhaft bezeichnet.
„Meist rufen die Sportler an, ob ich die Schlitten lackieren kann.“ Und dann geht alles seinen Gang. Holland-Merten hat eben Kontakte. Die stammen aus seiner Zeit, als er selbst Langlauf trainierte und an der Sportschule in Oberhof war. Seine damaligen Mitstreiter hat er bis heute nicht aus den Augen verloren. Ehemalige Sportler wie Andi Langenhan sind jetzt Trainer. „Man kennt sich“, sagt Holland-Merten. Längst arbeitet er im Familienbetrieb. Sein Vater machte sich 1982 mit einer Fahrzeuglackiererei selbstständig. Nach der Wende kam die Karrosserieinstandsetzung hinzu. Neue Lacke und Verarbeitungstechniken wurden eingeführt. So reifte der Entschluss, 1996 am Schertzer eine moderne Halle mit Lackier- und Trockenkabine zu errichten. Dorthin bringen die Athleten ihre Schlitten. Und das seit vielen Jahren schon. „Das hat sich halt so ergeben“, sagt Holland-Merten. „Und wenn sie zufrieden sind, dann kommen sie wieder.“
Los ging es ursprünglich mit der Boblackierung. Der erste Rodelschlitten, den Frank Holland-Merten lackierte, gehörte dem jetzigen Stützpunkttrainer Andi Langenhan. Schlitten vieler anderer Athleten folgten. Holland-Merten fällt zuerst Tatjana Hüfner ein, die im Einsitzer 2010 in Vancouver Gold und 2014 in Sotschi Silber holte. Und dann natürlich Johannes Ludwig, der jetzt als Experte aus dem ZDF-Olympiastudio berichtete. Auch seinen Schlitten, mit dem er 2022 in Peking Doppelolympiasieger wurde, hat Holland-Merten lackiert. Und genau dieser Schlitten stand als Dekoration im Mainzer Olympiastudio. Immer, wenn Ludwig als Interviewpartner zu Gast war, stand damit auch ein „Stück“ Steinbach-Hallenberg vor der Sitzgruppe. Frank Holland-Merten freut das natürlich. „Die Arbeit war damals aufwendig“, erinnert er sich. Ludwig hatte sich den Schlitten dreifarbig gewünscht. Am Ende war er sehr zufrieden. Und genau darauf komme es an, so Holland-Merten.
Die Sportler bringen die Schlitten als „Rohlinge“. Holland-Merten grundiert sie zunächst. Anschließend werden sie gefüllert. Dieses Verfahren sorgt für eine perfekt glatte Oberfläche und dient als Haftvermittler für den Decklack. Zum Schluss werden dann mehrere Schichten Lack aufgetragen. Bis der Schlitten komplett fertig ist, dauert es vier Wochen. Mittlerweile hat Frank Holland-Merten eine Vorrichtung in seiner Halle, die er für das Lackieren der Schlitten verwendet.
Wie kam der Schweizer Skispringer Gregor Deschwanden zu seiner Bronzemedaille? Ganz einfach: mit der Hilfe des Skitechnikers Björn Schneider aus Rotterode. Dieser fuhr 800 Kilometer von Südthüringen bis nach Predazzo: Wofür? Damit Gregor Deschwanden mit den richtigen Ski unter den Füßen von der Normalschanze in Predazzo abheben konnte.
Björn Schneider ist Skitechniker der Mannschaft der Eidgenossen. Vor dem ersten Springen, am Tag des letzten Trainings, machte sich im Team der Eidgenossen plötzlich Unruhe breit. Trainer Martin Künzle wählte die Nummer von Björn Schneider, bekam ihn ans Telefon, rief hektisch die Frage rein, wo denn ein bestimmtes Paar Ski von Deschwanden sei. Schneider antwortete: „Die sind bei mir zu Hause.“ Schließlich könne man ja nicht immer und überall hin alle und jeden Ski mitnehmen. Für den engagierten Schneider war die Sache schnell klar: Er musste fahren und die Ski daheim holen. Also setzte er sich ins Auto, 800 Kilometer für Hin- und Rückfahrt lagen vor ihm. Regen, Nebel, Staus, nur drei Stunden Schlaf - all das konnte ihn nicht aufhalten.
Der ganze Aufwand hat sich jedenfalls mehr als gelohnt: „Ich bin überglücklich“, sagte Schneider nach dem Wettkampf, in dem Philipp Raimund sensationell Olympiasieger wurde. Gregor Deschwanden hatte jetzt einen echten Wunderski unter seinen Füßen, mit ihnen segelte er sogar zum Schanzenrekord (107 Meter) und fast ebenso sensationell zur Bronzemedaille. Schneider: „Mir kamen die Tränen. Es war ein unglaublicher Moment. Schön zu sehen, dass wir für unsere Arbeit belohnt wurden.“
Eine weitere Olympia- und damit Erfolgsgeschichte schrieb Eric Bauroth aus Viernau, der vom Footballfeld zum Co-Trainerstuhl des schwedischen Rennrodel-Teams avancierte.
Eric Bauroth hat in seinem Leben schon einiges von der Welt gesehen. Dafür hat er hart gearbeitet. Der gebürtige Viernauer kam mit 13 Jahren ans Sportgymnasium Jena. Hier erhält er eine gezielt Basketball-Ausbildung. Und landet schließlich in der Jugendbundesliga. Doch dann kam Corona und bremste die sportliche Karriere aus. „Ich musste mir was Neues suchen. Und habe deshalb als Personaltrainer im Athletikstudio Nexlevel Athletes in Zella-Mehlis angefangen. Die Jungs dort hatten die Gunslingers gegründet.“ Auch Eric Bauroth steigt dort ein und wird damit aktives Mitglied des Südthüringer American Football Teams.
Es dauert nur ein Jahr, da hat er den ersten Profivertrag in der Tasche. „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt er. Doch die Saison der Footballer ist immer zeitlich begrenzt. Normalerweise reicht sie von März bis Juli. Dazwischen kehrt er nach Zella-Mehlis in das Athletikstudio zurück. Auch im Oktober 2023 arbeitet er gerade hier, als das schwedische Rennrodel-Team zeitgleich in Oberhof einen Vorbereitungskurs absolviert und die Sportler zwischen den Trainingseinheiten zu Nexlevel Athletes entsendet.
Bei dieser Gelegenheit lernt Eric auch Tove Kohala kennen und schließlich auch lieben. Da sie Schwedin ist und kein Deutsch kann und Eric als Deutscher auch kein Schwedisch spricht, erfolgt am Anfang die Verständigung nur über englisch: Doch beide lernen nach und nach die Sprache ihres Partners. Über die Station Innsbruck in Österreich, wo Eric als Footballer aktiv ist und Freundin Tove auf der dortigen Bahn trainiert, geht es dann urplötzlich nach Schweden. Denn der Zufall will es, dass Eric genau zu diesem Zeitpunkt ein Angebot des Football-Vereins aus Stockholm bekommt. Eric muss nicht lange überlegen. Er packt seine Sachen und zieht mit Tove Kohala zusammen.
In deren Heimat lernt er auch ihre Familie kennen. Und muss feststellen: „Im schwedischen Rennrodelteam tragen fast alle Mitglieder den gleichen Nachnamen. Nämlich Kohala.“ Vater Hasse hat selbst an den Olympischen Winterspielen 1992 und 1994 teilgenommen und ist inzwischen Trainer der schwedischen Mannschaft. Er ist es auch, der Eric Bauroth als Co-Trainer ins schwedische Team holt.
Für den jungen Südthüringer war die Sportart Neuland. „Deshalb versuche ich, mir möglichst viel von den anderen Trainern abzuschauen“, verrät er. Als Ausgleich bringt er seine Erfahrungen als Personaltrainer mit ein. Im Krafttraining setzt er beispielsweise komplett neue Impulse. Auf die Frage, ob das etwas gebracht hat, antwortet Freundin Tove mit einem klaren: „Yes“. Seitdem ist Eric Co-Trainer des schwedischen Rennrodel-Teams. In dieser Funktion begleitete er das schwedische Rennrodelteam und seine Freundin Tove bei ihrem Wettkampf im Frauen-Einsitzer im Cortina Sliding Centre, bei dem sie den 19. Platz belegte.
Pressestelle