Titel Logo
Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Straußfurt
Ausgabe 2/2026
Gemeinde Straußfurt "Straußfurter Heimatklänge"
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Besen band man früher selbst

Zu den Hauptbeschäftigungen an den langen Winterabenden zählte auch das Besenbinden. Kein Bauer wäre früher auf den Gedanken gekommen, die Besen für Haus und Hof zu kaufen. Dazu war das Geld ein zu rares Ding. Im Allgemeinen nahm man zum Besenbinden Birkenreisig. Trotz des unterschiedlichen Nutzungsrechtes des Waldes (Manche Höfe besaßen eigene Waldungen), holte sich der Bauer sein Reisig. Der Wald erlitt dabei keinen Schaden. Das Material bildeten meist nicht die Zweige der Birkenstämme, sondern man nahm es vom sogenannten Stockausschlag. Dieser entstand an den Birkenstumpfen, dort, wo im Vorjahr gefällt worden war. Hier bildeten sich oftmals große Birkenbüsche von zartem schlanken Wuchs, wie er gerade zum Besenbinden benötigt wurde. Die kräftigen Triebe blieben ohnehin stehen und konnten sich zu neuen Birkenbäumchen entwickeln. Mit dem Beschneiden des Reisigs begann die Arbeit. Man stutzte Ruten auf gleiche Länge und Dicke. Danach begann das Binden. Zehn bis zwölf Triebe legte der Binder derart neben- bzw. aufeinander, dass sie sich gut ineinanderfügten. So wurden sie zum ersten Male gebunden und zwar dort, wo der Stiel aufhören und der eigentliche Besen beginnen sollte, nämlich im unteren Drittel. Dann der obere Teil, der den Stiel darstellt. In der Mitte und am oberen Ende nochmals gebunden und der Besen war fertig. Als Bindematerial fand Weide Verwendung. Nun erfolgte das Formen oder Pressen. An einer geeigneten Stelle abgelegt, ein Brett darüber und oben darauf Presssteine. So blieben die Besen einige Zeit liegen und bekamen dadurch ihre gewünschte breite Form. Als alleiniger Broterwerb konnte die Besenbinderei seinen Mann nicht ernähren, aber sie diente als zusätzliche Erwerbsquelle.

Lothar Dillenberger

Ortschronist