Ich weiß nicht, wie oft es das schon gegeben hat, aber die Gemeinde Straufhain hat Anfang Juli einen langjährigen Mitarbeiter mit seinem Arbeitsgerät in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.
So kurios es klingt, so kurios ist es auch.
Nun sind wir zum Glück keine Fluggesellschaft und geben einem pensionierten Piloten gleich mal sein Flugzeug mit, aber dass unser langjährige Mitarbeiter Gunter Sauerbrey auf seinem geliebten Weimar M 700 Bagger in die Rente tuckert, das macht mich sehr zufrieden.
Eigentlich sollten sich die Wege von Gunter und seinem Bagger schon vor Jahren trennen, aber es kam dann doch anders und irgendwie auch besser.
Als ich 2019 das erste Mal mit den Jungs vom Bauhof zusammensaß und dabei auch Gunter richtig kennenlernte, wurde mir schon gesagt, dass der Bagger wohl die erste Investition sein wird. Er hatte damals schon weit über 10.000 Betriebsstunden bei mindestens 5.000 Gunterstunden auf der Uhr, leckte, knarzte und manchmal fuhr er gar nicht. Dennoch entschieden wir uns für die Anschaffung eines Radladers, den der Bauhof bisher nicht hatte aber dringend brauchte.
Ich telefonierte einige Angebote durch und nachmittags saßen Gunter, Roberto und ich im Sprinter und brausten Richtung Hannover. Nachts um zwölf waren wir mit Radlader wieder zurück und um viele Stunden Gespräche im Auto reicher. Das war der Beginn der Modernisierung des Bauhofes in den letzten 7 Jahren und als stellvertretender Bauhofleiter hat Gunter diese mit eingeläutet. Danach kamen Multicar, LKW mit Kran, Traktor, Hänger, Rasentraktor und eine Vielzahl anderer Technik aber was blieb, war Gunters Bagger.
Wie soll ich sagen …viele haben dicke Arme vom schwer heben, was Gunter sicher auch oft musste, aber hauptsächlich hat Gunter mit seiner Fettpresse trainiert und in den letzten Jahren zunehmend immer mehr. Nach einem sehr schweren Defekt vor ein paar Monaten war dann klar, dass eine erneute Reparatur keinen Sinn macht, denn auch Ersatzteile waren kaum noch zu bekommen. In Holland gab es noch eine solche Pumpe gebraucht ohne Garantie, aber auf so dünnes Eis kann man sich als Gemeinde nicht begeben. Der Restwert wurde ermittelt und so hat es sich dann ergeben, dass Gunter seinen Bagger und irgendwie auch Freund, mit in den Ruhestand nehmen konnte.
Ich fand das immer sehr amüsant und liebenswert, wie Gunter seinen Bagger liebte, den nur in Ausnahmefällen der Bauhofchef einmal bewegen durfte. Ich habe Gunter nie in die Verlegenheit gebracht, selbst mal auf den Bagger klettern zu wollen. Ich bin mir sicher, er hätte mir das erlaubt, aber er hätte innerlich mit jedem Ventil, jedem Anschlag und jedem Zahnrad seines Baggers mitgelitten. Gunter hatte völlig Recht mit seiner Haltung, denn er hat den Bagger viel mehr als nur gefahren. Er hat seinen Bagger gekannt wie kein anderer, er hat hineingehört und hat uns so rechtzeitig vor größeren Schäden bewahrt, aber was für die Haltbarkeit wohl am wichtigsten war, der Gunter ist ein begnadeter Baggerfahrer.
Bei „Wetten dass“ hat mal einer mit einem Bagger ein Feuerzeug angemacht und damals dachte ich auch, wow, was für eine Leistung. Nach den mittlerweile 7 Jahren, die ich Gunter mit seinem doch schon altersschwachen Bagger erlebte, glaube ich, dass Gunter bei „Wetten dass“ mit einem neuen Bagger wahrscheinlich einen Faden in eine Nähnadel gefädelt hätte. Gunter und seiner speziellen Beziehung zu seinem Bagger haben wir es zu verdanken, dass der alte Weimar M 700 so lange bei noch überschaubaren Kosten durchgehalten hat. Der Nachfolger wird in wenigen Wochen erwartet und so endet nun eine Echte Ära. Die Ära einer echten Bauhoflegende.
16 Jahre hat Gunter im Bauhof der Gemeinde gearbeitet und ganz sicher hat er nicht nur gebaggert. Gunter hat mit seinen Ideen, seinem technischen Verständnis und seinem handwerklichen Geschick überall seine Spuren hinterlassen. Nicht nur in unseren Ortsbildern oder unserer Infrastruktur, sondern auch bei seinen Kollegen und auch bei mir. Wir haben oft um technische Lösungen gerungen, zusammengesessen und diskutiert, wir haben getüftelt und ausprobiert. Wir waren auch unterschiedlicher Meinung, haben mal krumm geschaut, aber eine Lösung schien immer greifbar und wurde stets erreicht.
Es werden immer auch die zwischenmenschlichen Momente sein, die ich sehr vermissen werde: Gunters verschmitztes Grinsen, wenn ich auf ihn zulaufe um ihm die Hand zu geben … ich werd’s vermissen. Wie selbstverständlich aufgezogen zu werden oder Gunter aufzuziehen … ich werd’s vermissen. Dass fast jeder Jux mit einem Stuffer in die Seite beendet wurde … ich werd’s vermissen. Gunters etwas gequälter Versuch das eigene Böckchen zu überspielen, wenn seine Lösung mal keine Mehrheit fand … ich werd’s vermissen. Die ehrliche Sorge in Gunters Ausdruck, wenn sein Bagger mal wieder um Ruhestand bat und meine gleichzeitige Angst vor immer größer werdenden Zahlen … ich werd’s nicht so sehr vermissen. Unter meist ständigem Gelächter den schlechtesten Kaffee der Welt im Bauhof mit den Jungs und Gunter zu trinken … ich werd’s so sehr vermissen.
Lieber Gunter, bei Deinem offiziellen Abschied im Bauhof habe ich irgendwie den richtigen Moment für ein paar Worte verpasst. Als er dann nochmal kam, hatte ich mich schon an der Grenze für so etwas vorbei getrunken. Auch war mir da eigentlich schon klar, dass ich mich für Dein Schaffen nicht nur in einer geschmückten Garage bedanken will. Deswegen ging das mit dem vorbei trinken wahrscheinlich dann auch so schnell, aber gute Zeiten vergehen leider immer schnell … selbst wenn es 16 Jahre sind. Deine Arbeit hat die Gemeinde stets besser gemacht und dafür, lieber Gunter, hab den allerherzlichsten Dank im Namen der Gemeinde Straufhain.
Für den Ruhestand wünsche ich Dir und Karin viel Gesundheit und die Verwirklichung vieler eurer Träume und für Dich und Deinen Bagger, eine erfolgreiche Restaurierung und noch viele, viele Stunden quietsch, ächz und brum brum …
Liebe Grüße
Tino