Die Begegnungsstätte „zsamm simmer“ im Haus der Pflege in Tettau war in ein lila Blumenmeer getaucht, das dankenswerterweise von der Blumenstube in Kleintettau gesponsert worden war.
Beim Stephanus-Dienst standen einschneidende Veränderungen an. Sowohl Organisationsleiterin Manuela Kraus, als auch Pflegedienstleiterin Marion Manz verabschiedenden sich in die Rente. Zu ihren Nachfolgerinnen wurden Jennifer Roß und Franziska Schiebel bestimmt.
Im Rahmen eines Gottesdienstes, bei dem viele Tränen flossen, wurde die Übergabe vollzogen und der Staffelstab an die nächste Generation Leitungsteam übergeben.
Hans Kaufmann führte Gedanken aus, in denen er alle Menschen, die anderen helfen, als Engel bezeichnete. Engel kann man auch heute bei uns erkennen. Sie tragen eine einheitliche Kleidung, sie kommen mit kleinen Autos um die Ecke geschossen, sind immer eilig unterwegs, um von einer Person zur anderen zu kommen und Hilfe zu bringen. Heute hier und jetzt sind wir in einer Engelsstation. Ihr liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stephanus Dienstes, ihr seid die Engel der heutigen Zeit. Ihr alle seid einfach Engel hier auf Erden. Ohne Euch wäre das Leben nicht so lebenswert. Euch gebührt unser aller Dank und unsere Anerkennung. Großes Danke an Euch beiden, liebe Manuela und Marion für Euren so langen Dienst hier. Ihr wart ja mit die Aktiven der ersten Stunde und ihr habt Euch klasse Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgebildet. Danke dafür.
Engel gibt es im Himmel und so ist überall, wo Menschen geholfen wird, ein kleines Stückchen vom Himmel und im Himmel ist Gott.
Eine Besucherin meinte: „Ihr könnt stolz sein, auf das was ihr geschaffen habt. Ihr habt mitgeholfen, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.“
Zu den Klängen des Liedes „ins Wasser fällt ein Stein“ merkte Manuela Kraus an: Als mein Mann Rolf und ich vor knapp 40 Jahren auf Initiative einiger Betroffener den Stephanus-Dienst gründeten, hatten wir keine Ahnung, wie große Kreise der Stein ziehen würde, den wir in den großen See der unversorgten Pflegebedürftigen in unserer Region warfen. Es gab zwar Pflegedienste für die medizinisch-pflegerische Versorgung, aber niemand bot Haushaltshilfe, Einkaufsdienste, Rufbereitschaft oder Fahrdienste an. All das war aber in unserer Gegend, wo sehr viele alte und kranke Menschen keine Verwandten in greifbarer Nähe haben, sehr nötig.
Ganz klein, überschaubar und familiär sollte der neue Pflegedienst werden. Nicht mehr als 20 Patienten und nicht mehr als 4 Mitarbeiter. Das Versorgungsgebiet sollte nur die Gemeinde Tettau mit ihren Ortsteilen umfassen, damit man kurze Wege hat und die wertvolle Zeit mit der Pflege und nicht auf der Straße verbringen kann. Doch schon bei der Zulassung machte uns das Landratsamt einen Strich durch die Rechnung. Man wollte keinen Pflegedienst anerkennen, der sich nur für eine Gemeinde zuständig fühlt. Also erweiterten wir unser Versorgungsgebiet auf das Telefon-Ortsnetz Tettau und nahmen Buchbach und Kehlbach dazu. Dabei konnte man immer noch auf kurzen Wegen von einem Ort in den anderen fahren.
Doch die gute Arbeit und das umfassende Angebot sprachen sich schnell herum und so wurde der neue Pflegedienst immer größer. Da wir niemanden, der an unsere Tür klopfte, abweisen wollten, mussten wir zwangsläufig immer mehr Pflegekräfte einstellen. Dabei kam uns zu Hilfe, dass mit der Wiedervereinigung und dem damit verbundenen Zusammenbruch der staatlichen Gesundheitsvorsorge der DDR in den Nachbargemeinden die Gemeindeschwestern arbeitslos wurden. Da wir nicht alle in Tettau anstellen konnten, gründeten wir in Gräfenthal einen weiteren Pflegedienst, den Sozialdienst Elisabeth von Thüringen.
Nach fast 40 Jahren ist der Stephanus-Dienst nun auf über 80 Patienten und 17 festangestellte Mitarbeiter angewachsen.
Es tut sehr weh, nun das Zepter aus der Hand zu geben, so Kraus. Der Stephanus-Dienst ist mein Lebenswerk, doch ich musste einsehen, dass meine Krankheit mir allmählich die Kraft raubt. Es hat viel Freude gebracht, Menschen zu helfen und Mitarbeiter zu entwickeln. So viele haben sich im Laufe der Jahre von ungelernten ArbeiterInnen zu Fachkräften qualifiziert und manche hat sogar noch Zusatzweiterbildungen absolviert oder sind als Zivildienstleistende in der Pflege hängengeblieben. Ich habe noch viele Ideen, wie man das Leben unserer alten und kranken Mitbürger erleichtern kann und würde mich freuen, wenn diese meine Nachfolgerinnen in Erwägung ziehen könnten. Auf jeden Fall weiß ich meine Nachfolge bei Jennifer Roß in guten Händen und weiß, dass der Funke überspringen wird. Ich bin dankbar, dass wir immer wieder gute MitarbeiterInnen gefunden haben und ich bin dankbar für Marion Manz, die mir so lange treu zur Seite gestanden hat. Ich wünsche dir, liebe Jenni auch so eine Marion, aber ich glaube, du hast sie in Larissa, die dich tatkräftig unterstützt, schon gefunden.
Wenn ich in all den Jahren, so schloss Frau Kraus, jemanden weh getan habe, so bitte ich um Verzeihung. Es geschah nicht mit Absicht oder sollte der berühmte „Tritt in den Hintern“ sein, der die Betroffenen weiterbringt.
Jennifer Ross:
Heute ist für mich ein besonderer – und auch ein bisschen wehmütiger – Tag. Wir verabschieden nicht nur unsere Chefs, sondern auch Menschen, die mich in den letzten Jahren mit Herz, Verstand und einer guten Portion Humor begleitet haben. Natürlich werde ich eure klaren Worte, eure motivierenden Ansprachen – und ja, auch eure legendären Anschisse vermissen. Diese haben mich jedoch sehr weitergebracht und dafür bin ich euch sehr dankbar. Im Namen des gesamten Teams möchte ich Euch von Herzen Danke sagen: Danke für euer Vertrauen, eure Geduld und eure Unterstützung. Danke, dass Ihr uns nicht nur als Mitarbeiter, sondern als Menschen gesehen habt. Heute ist ein besonderer Tag für unseren Stephanus-Dienst – ein Tag des Abschieds und des Neubeginns. Wir blicken zurück auf eine Zeit voller Einsatz, Verantwortung und Herz. Und wir schauen nach vorn auf neue Impulse und frische Energie.
1. Vorsitzender Karsten Schwope:
Liebe Manuela, danke für deinen großen Einsatz, deinen Weitblick und deine Menschlichkeit. Du hast den Stephanus-Dienst durch viele Herausforderungen geführt, Strukturen geschaffen und vor allem Menschen begleitet – Mitarbeitende wie Patienten. Dein Wirken hinterlässt Spuren. Für deine Geduld, Klarheit, Offenheit und deinen Mut danken wir dir von Herzen.
Liebe Marion, auch dir danken wir herzlich. Du warst das Herzstück der pflegerischen Arbeit – fachlich kompetent, menschlich zugewandt und immer mit offenem Ohr für das Team. Du hast Pflege nicht nur organisiert, sondern gelebt. Du hast Qualität gesichert, Veränderungen begleitet und dafür gesorgt, dass unsere Klientinnen und Klienten die bestmögliche Unterstützung erhalten. Dein Einsatz hat unseren Dienst geprägt und gestärkt.
Abschied heißt Veränderung – und Veränderung bringt Chancen. Heute begrüßen wir zwei Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und den Stephanus-Dienst in die Zukunft zu führen.
Ich freue mich, heute unsere neue Organisationsleitung zu ernennen: Unsere Jenni Du bringst Erfahrung, Fachkompetenz und eine klare Vision mit. Wir sind sicher, dass du mit deiner Art zu führen, Offenheit und Engagement den Stephanus-Dienst weiterentwickeln und stärken wirst. Herzlich willkommen! Wir wünschen dir Kraft, Freude und Erfolg.
Ebenso freue ich mich, unsere neue Pflegedienstleitung zu ernennen: Unsere Franzi Du übernimmst eine Aufgabe, die viel Verantwortung, Empathie und Fachwissen erfordert. Wir wissen, dass du diese Rolle mit Herz und Kompetenz ausfüllst. Wir wünschen dir einen guten Start, viel Unterstützung und erfüllende Momente.
Der Stephanus-Dienst lebt von den Menschen, die hier arbeiten – von ihrem Mut, ihrer Fürsorge und ihrem täglichen Einsatz.
Heute verabschieden wir zwei Menschen, die uns lange begleitet haben, und begrüßen zwei neue, die unseren Weg weitergehen. Möge dieser Übergang ein Zeichen von Wertschätzung, Vertrauen und Zuversicht sein.
Vielen Dank an alle – auf eine gute gemeinsame Zukunft.
In seiner Engel-Rede bemerkte Hans Kaufmann zum Schluss: Liebe Engelchen, ihr seid ja immer flott unterwegs, weil der nächste Patient schon auf Euch wartet. Ich lege Euch aber ans Herz: Ihr solltet nicht schneller fahren, als Euer Schutzengel fliegen kann.
Ich habe noch viele Ideen, wie man das Leben der Pflegebedürftigen verbessern kann. Kann ich es doch jetzt aus der Sicht der selbst Betroffenen sehen.
Danke, dass uns so viele freiwillige Helfer bei unserem Bauprojekt unterstützen.
Lieber Gott, wir bitten dich, dass du unsere Gemeinschaft stärkst. Lass uns in Liebe und Respekt miteinander umgehen und einander in schwierigen Zeiten unterstützen. Wir bitten dich, dass du unsere Gemeinschaft in die Zukunft führst, uns den Mut gibst, neue Wege zu gehen und Herausforderungen gemeinsam zu meistern.
Ich wünsche allen Pflegekräfte, dass sie nach der Arbeit Ruhe finden und Ihre eigenen Sorgen ablegen können. Bewahre sie vor Erschöpfung und schenke ihnen Freude an der Begegnung mit den Menschen.
Möge das Leben jedes Einzelnen hier reich an Liebe, Glück und Freude sein. Mögen alle Herausforderungen zu Wachstum führen und möge jeder von uns seine Talente nutzen, um die Welt positiv zu beeinflussen.