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"Fahner Höhe" Kurier
Ausgabe 16/2026
Nichtamtlicher Teil der Verwaltungsgemeinschaft „Fahner Höhe und ihrer Mitgliedsgemeinden“
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Die Zuflucht in der Einsamkeit

Der Dreilindenhof der heute leider ungenutzt und verfallen ist.

Im Zweiten Weltkrieg wurde im Herbst des Jahres 1943 nach dem jungen Soldaten Ernst Wolf aus Burgtonna gefahndet. Er hatte bis zu diesem Zeitpunkt in Russland also an der Ostfront seinen Dienst getan. Damals herrschten dort zu diesem Zeitpunkt ständig Chaos durch verlustreiche Rückzugsgefechte. Täglich starben dabei viele Soldaten. Die Bevölkerung aber ganz besonders seine Eltern, der Burgtonnaer Steinbruchsbesitzer Alwin Wolf und dessen Frau, wurden oftmals nach dem Verbleiben ihres Sohnes gefragt. Dieser befand sich auf dem abseits gelegenen Dreilindenhof der sich einsam in der Nähe der Fahner Höhe und der Umgebung der weitflächigen Felder befindet. Auf halber Strecke der Hauptverkehrsstraße die sich zwischen Gräfentonna und Döllstädt befindet sieht man in der Ferne den Dreilindenhof vor unserem heimatlichen Waldgebiet. Dort befinden sich gegenüber des früheren Wohn- und Stallgebäude der Hof und die Scheune. Am rechtsseitigen Ende des Hofes befinden sich drei Lindenbäume, nach dem dieses Anwesen einst benannt wurde. Einige Burgtonnaer Bauern waren Ernst Wolf beim Bearbeiten ihrer Felder begegnet aber keiner hat ihn verraten. In der Abendzeit kam er oft mit dem Fahrrad oder zu Fuß und sein Weg führte ihn in die Gräfentonnaer Fasanerie. Wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Frühjahr 1945 fand das Leben des jungen Ernst Wolf ein plötzliches Ende, denn er wurde verraten. Er traf sich oft mit einem 17-jährigen Mädchen aus Gräfentonna in der Fasanerie. Diese hatte jedoch eine besorgte Mutter, die alleinstehend war und als Landarbeiterin in der ehemaligen Gräfentonnaer Domäne arbeitete. Es ist anzunehmen, dass sich diese Frau große Sorgen wegen der täglichen abendlichen Abwesenheit ihrer Tochter machte, daher stellte sie diese zur Rede. Die Tochter gestand jetzt ihr heimliches Verhältnis mit Ernst Wolf und ihr abendliches Treffen in der Fasanerie. Sicherlich war die Mutter darüber nun sehr aufgeregt und hat ohne weitere Überlegung sogleich den Ortspolizisten darüber informiert. Ein Bataillon der Wehrmacht umstellte daraufhin am nächsten Abend die Fasanerie und Ernst Wolf wurde erschossen. Der in Burgtonna wohnhafte Vater, der Steinbruchbesitzer Alwin Wolf, wurde sogleich verhaftet, weil er seinen fahnenflüchtigen Sohn in dem abseits gelegnen Dreilinden beherbergt hatte. Er soll in das Konzentrationslager nach Buchenwalt gebracht worden sein. Auch seine Frau wurde verhaftet und nach Kriegsende entlassen. Aber Alwin Wolf kehrte nicht wieder in seinen Heimatort zurück obwohl diese schicksalhaften Geschehnisse nur wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren.

Arnd Pfeifer