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"Fahner Höhe" Kurier
Ausgabe 8/2026
Nichtamtlicher Teil der Verwaltungsgemeinschaft „Fahner Höhe und ihrer Mitgliedsgemeinden“
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Buchlesung über die Gleichensage am Donnerstag, dem 7. Mai 2026 in der Gerald Käppler GmbH, Gothaer Straße 4, Tonna

Es laden ein: Förderverein Schloss Tonna e.V., Heimatverein Burgtonna e.V. und Tonnaer Heimatfreunde

Liebe zu dritt: Der zweibeweibte Graf von Gleichen

Buch über die Gleichensage

Ein edler Herr lebt in trauter Gemeinschaft mit zwei Frauen. Die Geschichte für die Jahrhunderte, der Traum für die Ewigkeit. Männer sind fasziniert davon, vielleicht auch die eine oder andere Frau. Der Adlige zieht in den Krieg, am besten für den Glauben, und dann errettet ihn eine orientalische Schöne. Er zieht heim, geht eine Doppelehe ein. Vielleicht steckt mehr als nur ein Körnchen Wahrheit im Mythos.

Diese Geschichte ist in Thüringen, vor allem in Erfurt und um die Drei Gleichen, mit dem Grafen von Gleichen als einem Haupthandlungsträger bekannt. Die abenteuerliche Geschichte des zweibeweibten Grafen von Gleichen gehört ganz fest in den Schatz deutscher Sagen. Nicht nur rund um die Burg Gleichen bei Erfurt und in der thüringischen Landeshauptstadt selbst ist sie daheim, sondern in einigen Orten und Regionen, die das Geschlecht der berühmten Grafen von Gleichen einst besessen hat.

Dazu gehört das kleine, verträumte Dorf Ehrenstein bei Stadtilm genauso wie Gräfentonna, die Bachstadt Ohrdruf oder Blankenhain bei Weimar. Bad Pyrmont und Coppenbrügge, beide im niedersächsischen Weserbergland liegend, schmücken sich genauso mit Fug und Recht mit dem Mythos der Gleichensage. Bad Pyrmont gilt gar als einer der Schauplätze. Im Zuge der Restauration am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde sogar die Veste Wachsenburg zum Erinnerungsort der Sage, obwohl sie mit dieser eigentlich gar nichts zu tun hat. Das nicht mehr vorhandene Gemälde des Professors Schneider auf der Wachsenburg avanvierte gar zum bekanntesten Postkartenmotiv der Gleichensage.

Die Grundhandlung der berühmten Sage findet sich aber bereits in seit der Zeit um 1200 in der französischen Überlieferung und hat bis heute einen festen Platz in den französischen Volksmärchen. Den harmonievollen Ausgang bekommt die Mär allerdings erst als Epos des gräflich-gleichischen Hauses. Doch sie setzt sich noch im Odenwald, am Rhein und in Franken fest, in der Regel mit anderen Handlungsträgern. Schließlich findet der Sagenstoff seinen Weg noch weiter in den Norden und wird sogar über Aulosen in der Altmark erzählt, natürlich wieder mit anderen Nuancen mit einem leckeren Mittagsmahl. So ist die Sage des Grafen von Gleichen mit seinen Frauen eine Wandersage, noch exemplarischer, als es andere sind. Der Sagenstoff ist unterwegs, und die Sage an sich wandert ebenfalls wieder.

Dirk Koch