Zum Gedenken an die Opfer der Schlagwetterexplosion in der Grube Luisenthal (1962) wurde auf der historischen Gruft Lengersdorff ein Gedenkstein aus poliertem dunklem Granit errichtet. Ursprünglich stand dieses Denkmal an der Westmauer des 1853 begründeten Altfriedhofs. Als diese Mauer Ende der 1960er Jahre für eine Erweiterung durchbrochen wurde, versetzte man die Stele auf das Grab von Peter Joseph Lengersdorff († 1926). Dabei handelt es sich um eine echte Gruft – einen tiefen, ummauerten Hohlraum unter der Erdoberfläche.
Das dicht umrankte Grabmal des einstigen Leiters der Wallerfanger Steingutfabrik bot damals den perfekten Rahmen: Wie eine grüne Wand ließ der Bewuchs den Luisenthal-Gedenkstein wirken. Nachdem es jahrzehntelang unter dichtem Efeu verborgen gewesen war, legte die Friedhofsverwaltung der Gemeinde Wallerfangen das Grabmal 2024 in mühsamer Präzisionsarbeit wieder frei. Zum Vorschein kam ein völlig unversehrtes Kunstwerk von monumentaler Eleganz.
Das hochwertig ausgeführte Grabmal bricht mit dem verspielten Jugendstil und setzt auf die strenge und geometrische Eleganz des Art Déco (ca. 1920er/30er Jahre) – ein Unikat auf dem Wallerfanger Friedhof. Der in massiver Bauweise gestaltete Kalkstein ruht auf kurzen, geschwungenen Füßen; klare Linien und abgestufte Gesimse bestimmen das Bild. Die Frontseite ist in drei vertikale Felder unterteilt, wobei nur das mittlere Feld eine minimalistische und harmonisch integrierte Inschrift trägt. Quer über dem Stein prangt der Name „L E N G E R S D O R F F“ in monumentaler Moderne, darunter findet sich zentral die Inschrift für den ehemaligen Fabrikdirektor: Peter Joseph Lengersdorff (1868–1926). Der Verstorbene hatte nachweislich eine Familie. Trotzdem ruht er in der ummauerten Gruft heute mutterseelenallein.
Gekrönt wird das Denkmal von einem Kreuz auf einer steinernen Weltkugel, getragen von einer stilisierten Stufenpyramide. Obwohl früher nur diese Spitze aus dem Efeu ragte, identifizierte die Kunsthistorikerin Edith Ruser das Werk bereits in den 1990er Jahren treffend als Art-Déco-Kunstwerk.
Text und Foto: Rainer Darimont, T: 62843