Mehr als ein halbes Jahrhundert ruhte das Grabmal des im Jahre 1926 Verstorbenen im Verborgenen, behütet und zugleich versteckt durch wild wuchernden Efeu. Nachdem die Friedhofsverwaltung im Jahr 2026 das Grabmal mühselig freigelegt hatte, war man erstaunt über den Fund, der wieder das Licht der Welt erblickte: ein vollkommen erhaltenes Kunstwerk des Art Déco, das durch seine monumentale Anmut besticht (siehe Teil 1). Doch die wichtigste Frage bleibt: Wer war der Mensch, dem dieses elegante Denkmal einst gesetzt wurde?
Lengersdorff war der vorletzte Leiter der Wallerfanger Steingutmanufaktur und führte das Werk als Visionär von 1919 bis 1926 durch die prekäre Nachkriegszeit. Seine Karriere prägten davor Führungspositionen in halb Europa: von Aachen und Antweiler über Maastricht bis Berlin. Lengersdorff war Mitbegründer der internationalen Steingutvereinigung „Convention de Bruxelles“. Die Kunsthistorikerin Beatrix Adler beschrieb den mit 50 Jahren in Wallerfangen zum Generaldirektor ernannten Lengersdorff „als weitblickenden Kaufmann und brillanten Keramikexperten“. Sein analytischer Verstand erfasste früh, dass „die veraltete Wallerfanger Fabrikationseinrichtung vollständig unzulänglich, zu teuer im Betrieb und den modernen Ansprüchen nicht mehr gewachsen“ sei. Trotz des Widerstands des Firmenvorstands gegen seine mutigen Reformpläne führte Lengersdorff die Manufaktur durch Fleiß und Innovation zu einer neuen Blüte. Sein plötzlicher Tod 1926 im Alter von 58 Jahren markierte den Wendepunkt und das Ende einer Ära. Chronist Theodor Liebertz wertete dies als den „ersten harten Schlag“, der den Niedergang des Wallerfanger Werkes einleitete. Nach einer Interimsphase (1926–1929) durch Lengersdorffs Sohn Martin als Technischen Direktor und der finalen Leitung durch Walter Fiehn schloss das Werk 1931 infolge der Weltwirtschaftskrise.
Da keine Nachfahren im Ort verblieben, übernahm die Gemeinde die Grabpflege – eine Würdigung der Verdienste Lengersdorffs um das Gemeinwesen und eine Würdigung der künstlerischen Qualität seines Denkmals.
Text und Foto: Rainer Darimont, Tel: 62843