Titel Logo
Mitteilungsblatt Gemeinde Wallerfangen
Ausgabe 21/2026
Mitteilungen der Verwaltung
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Das Geheimnis um die Engelsskulptur von Ihn (1)

Seit Zeiten, deren Ursprung für uns im Dunkel liegt, steht die Engelsskulptur an ihrem angestammten Platz. Hoch über Ihn, auf einer einsamen Geländeterrasse, überdacht von schützender Vegetation, erhebt sich ihre lebensgroße Gestalt und blickt auf das Land hinaus. Es ist jener romantische Ort, an dem sich die Straße nach Kerlingen am Hatzenbüsch gabelt und der Asphalt in den grasigen Feldweg hinunter zur Königsmühle übergeht. Die Erscheinung des Engels ist von einer fast zerbrechlichen Zartheit. Nach Gernot Karge ist die Skulptur in neoklassizistischen Formen ausgeführt, die an klassische griechische Vorbilder erinnern. Das durch ein Band gehaltene, leicht gelockte halblange Haar, das ebenmäßig gebildete Gesicht und das in reicher Faltenbildung auf die Füße herabhängende weite Gewand sind dafür beispielhaft. Die in der rechten Hand gehaltene und nach unten gesenkte Fackel und die abgebrochene kannelierte Säule, auf die sich der Engel stützt, interpretiert Karge als Todessymbole. In seiner linken Hand hält der Engel den aus Rosen gewundenen Siegeskranz, der dunkelblau koloriert und ein Symbol für Christus ist. Die Engelsskulptur ist auf eine seltsame Weise ehrfurchtgebietend – durch eine Mischung aus Melancholie und jener Stille, die nur steinernen Gestalten eigen ist. Vielleicht war es genau diese Aura der Einsamkeit und Schönheit, die sie über so viele Jahre schützte: Während die Welt um sie herum dem Wandel preisgegeben war, blieb sie unberührt, sodass sie bis heute fast ohne Beschädigung geblieben ist.

 

Wer in Ihn oder den Nachbardörfern aufgewachsen ist, kennt den geheimnisvollen Engel auf der Anhöhe seit seinen ersten Schritten. Er war der stumme Zeuge von Kindheitsabenteuern, der Treffpunkt für erste heimliche Begegnungen und der ruhende Pol während der harten Erntezeit. Doch fragt man heute in Ihn oder den Dörfern der Umgebung nach seinem Ursprung, stößt man auf ratloses Schweigen. Fast niemand weiß, wessen Hände ihn geschaffen haben oder wie er seinen Weg auf den Gipfel gefunden hat. Es ist, als hätte die Geschichte selbst den Atem angehalten und das Wissen darum im Dunkeln gelassen. Es sind lediglich wenige Menschen, die eine Antwort kennen. Dazu gehören die beiden Hochbetagten Reinhold Tintinger (97), Vinzenz Schrecklinger (91) und Andreas Urban – und natürlich die Familie von Heinz Tocks, auf deren Grund und Boden die Engelsskulptur steht und schon seit Generationen gestanden hat (Fortsetzung folgt).

Text und Foto: Rainer Darimont Tel: 62843

Verein für Heimatforschung Wallerfangen e. V.