In Anbetracht der Tragödie, die über die Bevölkerung von Wallerfangen nach Schließung der Steingutfabrik Anfang 1931 hereinbrach, ereignete sich die Auflösung der Fabrik in einer präzisen, zweiphasigen Gangfolge.
Nachdem Wallerfangen über mehrere Jahre hinweg Verluste eingefahren hatte, beschloss der Aufsichtsrat der Werke Villeroy & Boch, die Fabrik zum 01.07.1928 zu schließen, falls es nicht gelänge, den Verkauf zu erhöhen und die Herstellungskosten zu senken. Diese Bedingungen wurden selbst durch die Einstellung des neuen Direktors Walter Fiehn und die Entlassung von mehreren hundert Arbeitern nicht erreicht. Der Aufsichtsrat stellte zwar in dem nachfolgenden Schließungsbeschluss fest, dass durch die Fiehn'sche Führung große Fortschritte in jeder Beziehung gemacht worden seien, dass aber die allgemeinen Verhältnisse stärker seien und es ausweglos machten, die Verlustwirtschaft zu beenden. Das oberste Gremium der V&B-Fabriken kam deswegen zu dem Schluss, dass es aufgrund dieser schlechten wirtschaftlichen Lage unmöglich sein würde, den Betrieb in Wallerfangen weiter aufrechtzuerhalten. Im November 1930 wurde die Schließung endgültig beschlossen und zum 31.01.1931 vollzogen.
Der Aufsichtsrat ließ sich vor allem dadurch zu dem Schließungsbeschluss leiten, dass die Verhältnisse auf dem Steingutmarkt immer schlechter geworden waren und infolgedessen in den V&B-Fabriken eine Überproduktion an Steingut bestand. Die Rückgliederung des Saargebietes an den schwierigen französischen Markt spielte ebenso eine dominante Rolle wie der Umstand, dass durch die Liquidierung der Aktivwerte von der Steingutfabrik Wallerfangen Gelder frei wurden, die für die Regenerierung der Steingutfabrik Mettlach verwandt werden konnten. Hierdurch und durch die Übernahme der guten Produktionsartikel von Wallerfangen erhoffte der Aufsichtsrat, dass sich die Verhältnisse in Mettlach deutlich verbesserten. Bei der Fassung des Schließungsbeschlusses enthielt sich Emanuel Villeroy de Galhau (Bild), der Großvater des 2017 verstorbenen Claude V. de Galhau, als Einziger der Abstimmung.
Im Rückblick war die Steingutfabrik Wallerfangen ein Glücksfall und ein notwendiger Resonanzboden für lebendige Wirtschafts- und Ortsgeschichte zugleich. Kraftvoll und unerschütterlich nahm das Werk seine Position ein an Wallerfangens beschwerlichem Weg in die Neuzeit. Diesen Platz bewahrte es so entschieden wie ein vom Schicksal verliehenes Muttermal oder ein nach reiflicher Überlegung gesetzter Punkt.
Text: Rainer Darimont, T: 62843, Bild: Museum Wallerfangen
Verein für Heimatforschung Wallerfangen