Rückenschmerzen sind ein weitverbreitetes Leiden. In Deutschland klagen ca. 35 % der Menschen über Rückenschmerzen. Etwa 70 % der Deutschen hat mindestens einmal pro Jahr Rückenbeschwerden. Betroffen sind außer Kindern alle Altersgruppen, insbesondere aber die 50–70jährigen.
Nach den Atemwegserkrankungen sind Rückenschmerzen der zweithäufigste Grund für Arztbesuche und verantwortlich für ca. 15 % der Arbeitsunfähigkeiten.
Da auch zahlreiche Frühberentungen zumindest teilweise mit Rückenbeschwerden in Zusammenhang stehen, kommt den Rückenschmerzen eine große volkswirtschaftliche Bedeutung zu, denn sie verursachen erhebliche Kosten.
Rückenschmerzen können sowohl von der Wirbelsäule selbst kommen als auch durch verschiedene internistische Erkrankungen hervorgerufen werden.
So können sich beispielsweise Nieren- oder Gallensteine, ein Herzinfarkt, eine Gürtelrose, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, eine Rippenfellentzündung oder ein Zwölffingerdarmgeschwür durch Rückenschmerzen bemerkbar machen.
Das Gros der Rückenschmerzen wird allerdings von Veränderungen am Skelett, an den Bandscheiben, Bändern und/oder Muskeln verursacht. Am häufigsten sind Abnutzungen, Fehlhaltungen und Blockaden insbesondere im Bereich der Lendenwirbelsäule. Daneben finden sich Verletzungen, Brüche, Osteoporose (Knochenentkalkung) und rheumatische Erkrankungen.
Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen psychosomatische Erkrankungen, die insbesondere zu schmerzhaften Muskelverspannungen führen können.
Wichtig sind vor allem eine ausführliche Befragung des Betroffenen insbesondere hinsichtlich Charakter und Lokalisation der Schmerzen sowie Zeitpunkt des Auftretens der Beschwerden sowie eine gründliche Untersuchung. Ergänzend werden eventuell Röntgenaufnahmen, ein CT oder eine Kernspinuntersuchung durchgeführt.
Je nach Ursache und Dauer der Beschwerden sind bei Rückenschmerzen mit einer orthopädischen Ursache vor allem Schmerzmittel, Wärme- oder Kälteanwendungen, Massagen, Bewegungsübungen, Krankengymnastik, Akupunktur und chirotherapeutische Maßnahmen zu nennen. Gerade bei chronischen Rückenschmerzen können Gewichtsabnahme, Rückenschule und eventuell ein Wechsel des Arbeitsplatzes angezeigt sein.
Da Rückenschmerzen oft durch unsere Lebensweise mit Bewegungsmangel und sitzenden Tätigkeiten und durch Übergewicht verursacht werden, ist hier ein wichtiger Angriffspunkt: Normalisierung des Körpergewichts, regelmäßige Bewegung, Meiden einseitiger Belastung und Vermeiden des Hebens und Tragens schwerer Lasten ohne Hilfsmittel. Sport als Ausgleich, insbesondere Schwimmen oder Fahrradfahren, ist besonders zu empfehlen.
Dr. Jutta Dick