Viele Menschen sehen Antibiotika als Wunderwaffe an, die bei jeder schwereren Infektion schnell und wirksam hilft.
Dies stimmt allerdings leider nicht.
Woran liegt das?
Der Begriff „Antibiotikum“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt: „gegen das Leben“
Allerdings richten sich Antibiotika nicht gegen alles Leben, sondern nur gegen Bakterien, die entweder abgetötet oder in ihrem Wachstum gehemmt werden.
Antibiotika werden also zur Bekämpfung von Infektionen eingesetzt, die durch Bakterien verursacht werden. Bakterien kommen praktisch überall und in unzähligen Arten und Formen vor. Sie machen uns aber nicht alle krank. Viele sind sogar ausgesprochen nützlich. Sie leisten uns z.B. in Form der sogenannten Darmflora gute Dienste bei der Verdauung.
Weil Antibiotika nicht zwischen "guten" und "schlechten" Bakterien unterscheiden können, töten sie leider auch die nützlichen ab. Das kann zum Beispiel die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen.
Erkältungskrankheiten wie auch die Grippe sind Virusinfektionen. Gegen Viren sind Antibiotika absolut machtlos. Das liegt daran, dass Antibiotika in den Stoffwechsel der Bakterien eingreifen. Viren hingegen haben gar keinen eigenen Stoffwechsel, sondern bedienen sich zur Vermehrung einer Wirtszelle. Sie bieten den Antibiotika praktisch keinen Angriffspunkt.
Trotzdem kann es auch bei einer Erkältung nötig werden, dass der Arzt ein Antibiotikum verschreibt. Das ist immer dann der Fall, wenn es im Laufe einer Erkältungskrankheit zu einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien kommt. Mediziner nennen das eine Superinfektion. Bei 90% der Erkältungskrankheiten ist eine Antibiotikatherapie nicht angezeigt, da es sich dabei um reine Virusinfektionen handelt!
Etwa 40 bis 60 Prozent der Antibiotika-Rezepte sind falsche Verordnungen, so Dr. Michael Kresken von der Paul-Ehrlich-Gesellschaft. In jedem zweiten Fall werden sie also ohne Grund verschrieben, meist bei harmlosen Infekten wie Schnupfen oder Husten. Der Grund: Die Erwartungshaltung der Patienten verleitet viele Ärzte zur schnellen Verschreibung: Viele Patienten fordern die Antibiotika regelrecht ein, weil sie nicht ohne ein vermeintlich gut wirksames Medikament nach Hause gehen wollen.
Schon heute wirken bei vielen Bakterien Antibiotika nicht mehr, weil die Erreger bereits resistent geworden sind. Im ambulanten Bereich geschieht dies am häufigsten, weil Antibiotika zu häufig eingesetzt werden oder weil die Patienten ihre Medikamente nicht in ausreichender Dosierung oder nicht mit dem richtigen zeitlichen Abstand einnehmen. Viele setzen die Medikamente ab, sobald es ihnen besser geht. Das Problem: Widerstandsfähige Bakterien können überleben und werden gegen das Medikament unempfindlich.
Darüberhinaus fördert der großzügige Antibiotikaeinsatz in der Tiermast die Resistenzbildung.
Da die Bakterien gegen immer mehr Antibiotika resistent werden, sind wir darauf angewiesen, dass die Pharmaindustrie ständig neue Antibiotika entwickelt – ein Wettlauf mit der Zeit.
Ein besonders großes Problem stellen resistente Keime in Krankenhäusern dar.
Ein paar wichtige Regeln zur Einnahme von Antibiotika sollte man unbedingt beachten:
In der Regel sind Antibiotika gut verträglich. Hauptnebenwirkungen sind Allergien, besonders häufig das so genannte Arzneimittelexanthem mit Hautausschlägen am ganzen Körper. Aber auch Störungen der Darmflora können vorkommen. Deshalb kann es zu weichen Stühlen und Durchfall kommen. Bei Frauen treten nach der Therapie häufig Pilzinfektionen auf.
Deshalb sollten Antibiotika zurückhaltend eingesetzt werden und nur wenn notwendig und genau nach Vorschrift eingenommen werden.