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Mitteilungsblatt Gemeinde Wallerfangen
Ausgabe 43/2026
Mitteilungen der Verwaltung
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Historische Seite / Mitteilungen der Verwaltung

1 Das Rathaus von Wallerfangen ist im Saarland als kommunales Dienstleistungszentrum in seiner Art einzigartig. Von dezenter Eleganz, ist es hell, zentral platziert und so angelegt, dass sich die BürgerInnen darin nicht klein fühlen. Dieser Eindruck der Zugänglichkeit ist von Dr. Karl Hanus, einem vom Bauhausstil geprägten Architekten, gewollt und gibt ohne jeden Zweifel den Ton an. Der Ursprung dieses Baus liegt im September 1961: Damals zog die Verwaltung um, da das Historische Rathaus auf der Adolphshöhe aus allen Nähten platzte und einen erheblichen Renovierungsstau aufwies. Das moderne Gebäude in der Ortsmitte bot fortan reichlich Platz und beheimatete in seiner Geschichte bislang fünf Bürgermeister: Rudolf Klein, Walter Hettinger, Wolfgang Wiltz, Günter Zahn und den heutigen Hausherrn Horst Trenz.

 

2 Doch dann folgte in unseren Tagen eine bemerkenswerte Wende. Nach einer rund vierjährigen, umfassenden Bauphase und einem gewaltigen Kraftakt erstrahlt das markante Architekturdenkmal nun in frischem Glanz: Seit dem Jahr 2026 füllen Verwaltung und Bürgerschaft das von Grund auf sanierte Gebäude wieder mit Leben. Die umfassende Kernsanierung des gesamten Ensembles reichte von der Trockenlegung und Ausschachtung des Kellers über energetische Modernisierungen bis hin zur vollständigen Barrierefreiheit. Zudem wurden das Foyer neu gestaltet, moderne Glastrennwände und Akustikwände im Sitzungssaal installiert sowie Fensterbänke und Fliesenarbeiten erneuert.

3 An der wechselvollen Baugeschichte des Alten und des Neuen Rathauses lässt sich ein faszinierender Kontrast ablesen: Mitten in Wallerfangen stehen – von Teilen der Bevölkerung fast unbemerkt – gleich zwei öffentliche Gebäude, die vom saarländischen Denkmalamt als architektonische Perlen unter Schutz gestellt wurden. Ihre Ästhetik markiert das Spannungsfeld zweier grundverschiedener Baustile. Auf der Adolphshöhe glänzt der Historische Stil mit einer seltenen Schweizer Variante, während auf dem zentralen Fabrikplatz ein Bauwerk der Klassischen Moderne entgegengesetzt wird. Eigentlich ein bauhistorischer Glücksfall für ein kleines Gemeinwesen wie Wallerfangen. Dennoch rief der hochmoderne „Hanus-Bau“ 1961 auch Skeptiker auf den Plan, die lieber am Alten und Gewohnten festgehalten hätten. Aus ihrer Sicht müsse sich der an historische Bauten gewöhnte Wallerfanger nun erst an ein kubisches Behördenhaus aus Stahlbeton mit silbrig glänzender Front gewöhnen – ohne klassisches Dach und abseits vertrauter baukünstlerischer Formen. Demgegenüber steht die breite Zustimmung für den zeitgenössischen Neubau: Befürworter loben die glänzende Interpretation eines Bautyps der Klassischen Moderne, die städtebauliche Bedeutung der zentralen Ortskernlage und die Barrierefreiheit, welche die Zugänglichkeit des Rathauses perfekt unterstreicht.

4 Doch der Konflikt bewegt sich auf hohem Niveau. Schließlich verfügen die zahlreichen historischen Bauten Wallerfangens mit ihrem Stilreichtum und schicken Lagen über enorme ästhetische Reize. Von dieser architektonischen Vielfalt profitiert letztlich die gesamte Gemeinschaft, sodass hier jeder Bürger visuell und kulturell voll auf seine Kosten kommt.

5 Letztlich beweist der Fabrikplatz, dass historische Wurzeln und moderner Fortschritt kein Widerspruch sein müssen. Das moderne Design und die schnörkellosen Fassaden des heutigen Rathauses verkörpern genau jenen Innovationsgeist, der am selben Ort einst die Keramikindustrie aufblühen ließ. So schließt sich der Kreis: Damals wie heute weist der Fabrikplatz Wallerfangen entschieden den Weg in die Moderne.

Text: Rainer Darimont, Tel: 62843, Bild: Klaus Eisenbarth

Verein für Heimatforschung Wallerfangen e. V.