Unsere Gegend war früh besiedelt und es wurde früh geschmiedet. Schon die Vorfahren der Kelten (1300-800 v.Chr.) hinterließen um den Hansenberg metallene Hortfunde, die im 19. Jh zu den bedeutendsten Deutschlands zählten. Der Hortfund „Hansenberg“ aus dem 9. Jh.v.Chr mit bronzenen Fußringen aus einer Zinn- und Kupferlegierung ist besonders hervorzuheben. Die 12 Fußringe sind als Typus „Wallerfangen“ in den Sprachgebrauch der Wissenschaft eingegangen. Auch in späterer Zeit bestand eine große Nachfrage nach Wallerfanger Kupfererzen; das zeigt der reiche Bronzeschmuck in den keltischen Gräbern um den Limberg (800 - 350 v. Chr.). Im Anschluss betrieben die Römer in St. Barbara das berühmt gewordene Kupfererzbergwerk des Emilianus und begründeten für unsere Gegend die Kulturgeschichte der Farben. Neueste Ausgrabungsfunde im Stollen Bruss (Foto), 130 Meter weiter westlich, lassen den Schluss zu, dass das von den Römern als Farbstoff verwendete Kupfererz Azurit hier in größerem Stil abgebaut wurde.
Azurit-Proben aus der Römerzeit in Wallerfangen, z.B. im Palast Kaiser Konstantins in Trier, wurden auf die Zeit vom ersten bis zum vierten Jahrhundert nach Christus datiert. Der blaue Farbstoff war schon damals durch die aufwändige Gewinnung rar und teuer. Auch weil es zu Römerzeiten nur eine Handvoll Kupfererzbergwerke nördlich der Alpen gab. Der gut bezahlte himmelblaue Azurit kommt normalerweise zusammen mit dem grünen, chemisch identischen Malachit in Kupferlagerstätten vor, aber so verwachsen, dass eine Trennung nur unter großem Aufwand möglich ist. Umso interessanter war die Lagerstätte Wallerfangen, wo Azurit fast rein vorkommt. Der aus Azurit gewonnene Farbstoff war weitaus wertvoller als Kupfer. Legt man römische Preise zugrunde, so erbrachte das Bergblau aus Wallerfangen mehr als das Zehnfache des Kupferwertes. Jüngste Untersuchungen bewiesen für die Römerzeit die Verwendung von Azuritlinsen vor allem auch als Rohstoff für die Edelfarbe Ägyptisch-Blau. Dabei stieg der Wert nochmals um ein Vielfaches. Aus diesen vielen Gründen zählt die Erforschung des römischen Bergbaus in Wallerfangen zu den "Lieblingsprojekten" des Deutschen Bergbau-Museums Bochum.
Ankündigung: Der Verein für Heimatforschung Wallerfangen lädt ein zu einem Vortrag am 24. November um 18.00 Uhr in der Aula der Grundschule „Altes Rathaus“ Wallerfangen auf der Adolphshöhe. Der Eintritt ist frei. Es spricht Dr. Gabriele Körlin, Stv. Leiterin des Forschungsbereichs Montanarchäologie am Deutschen Bergbaumuseum Bochum. Das Thema lautet: „Das Imperium macht Blau - Zum römischen Azurit-Bergbau in Wallerfangen“. Die Referentin leitete von 2003 bis 2019 insgesamt 13 Grabungskampagnen des Deutschen Bergbaumuseums im „Stollen Bruss“.
Text: Rainer Darimont, T.: 62843, Bild: Markus Battard
Verein für Heimatforschung Wallerfangen