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Mitteilungsblatt Gemeinde Wallerfangen
Ausgabe 51/2025
Mitteilungen der Verwaltung
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Der Freiheitskämpfer Johannes Guittienne

In unserer Region können wir mit einem echten Freiheitskämpfer aufwarten. Es handelt sich um Johannes Guittienne, den großen Sohn des kleinen Ortes Niedaltdorf, den lange Zeit vergessenen Rebellen. 1985 weihten die Niedaltdorfer ihren neuen Dorfplatz ein und benannten ihn nach Johannes Guittienne. Er und seine Freunde traten damals für Dinge ein, die heute selbstverständlich sind: Freiheit der Person und der Rede, Pressefreiheit, freie und geheime Wahlen.

Guittienne, 1809 in Niedaltdorf geboren, besuchte das Gymnasium in Trier und studierte ab 1829 in Heidelberg, Berlin und München Jura. Hier verschrieb sich der als „Franzos“ Bewitzelte in den gefährlichen Zeiten des „Vormärz“ dem Kampf für eine freiheitliche Demokratie. Der Begriff „Vormärz“ steht für die Epoche der deutschen Geschichte zwischen 1830 und der Märzrevolution von 1848. Die Herrschaft der deutschen Fürsten wurde von Bürgern, Arbeitern und Bauern gestürzt und die Durchlauchtigkeiten wurden zu politischen Reformen und dem Einrichten von regionalen Parlamenten gezwungen. Am 27.05.1832 zog Guittienne mit 30.000 anderen auf das Hambacher Schloss. Dort forderte man Demokratie und Freiheit in einer Stimmung, die alle wie in einem Hexenkessel berauschte.

Doch Guittienne wurde, wie so viele seiner Kampfgefährten, ein Opfer der Verfolgung in den Metternich’schen Reaktionsjahren zwischen 1815 und 1840. In Berlin wurde er verhaftet und saß acht Wochen in Einzelhaft. Auf der Festung Magdeburg erging erst drei Jahre später das Todesurteil durch das Beil. Noch vier weitere Jahre verbrachte der an Leib und Seele Zerschlagene unter dem Damoklesschwert des Todesurteils. Dann begann sich etwas zu rühren, ein Zittern unter der Oberfläche, schwache Warnsignale, dass starke Mächte sich in Bewegung setzten. Endlich, nach sieben Jahren Gefangenschaft, wurde Guittienne 1840 im Zuge der Amnestie durch König Friedrich Wilhelm IV. begnadigt und entlassen.

Auf dem Gut seiner Eltern an der Nied erholte sich der schwer Angeschlagene. Als er Catharina Richard (1816-63) kennenlernte und 1846 heiratete, war Guittienne endgültig geheilt und machte richtig Karriere. Nach der Eheschließung wohnte er zunächst in Ihn, wo dem Paar bis 1857 sechs Kinder geboren wurden. 1848 wurde Guittienne Bürgermeister von Ihn/Ittersdorf. Doch er hielt das Landleben nicht lange aus. Man wählte ihn in den Landtag der Rheinlande, in das Frankfurter Vorparlament, und er wurde Mitglied der Preußischen Nationalversammlung. Der mit charismatischen Merkmalen Versehene engagierte sich in allen möglichen anderen Gremien: So arbeitete er in einer „Kommission zur Neuregelung des Irrenhauswesens“, war Mitglied des Saarlouiser Kreistages, Vertreter der Landgemeinden des Kreises Saarlouis im rheinischen Provinziallandtag Düsseldorf und später noch einmal Bürgermeister, dieses Mal von Oberesch. Zusammen mit dem Wallerfanger Notar Johann Schily war Guittienne der Kern einer fortschrittlichen politischen Gruppe im Kreis Saarlouis. Neben der Forderung nach Pressefreiheit setzte diese sich auch für eine selbstständige Gemeindeverfassung ein.

Schon zu Lebzeiten war der „Volkstribun von der Nied“ im ganzen Land bekannt. Durch Ausstrahlung, Überzeugungskraft und Empathie faszinierte und inspirierte er andere Menschen. Seine Amtsgeschäfte erledigte er nach Aussage seiner Zeitgenossen klug und umsichtig, und für seine klare, aufrechte Haltung hat er nicht nur von seinen Freunden Anerkennung erhalten. Was macht einen Helden aus? Wenn es Mut, Stärke, Sittlichkeit und die Kraft sind, Unglück auszuhalten, dann ist Guittienne zweifellos ein Held. Er verstarb am 10.05.1889, geblieben sind seine Gedanken und Aussagen, die auch heute noch ihre Gültigkeit haben.

Text: Rainer Darimont, T: 62843, Foto: gemeinfrei Wikipedia, Bildtechnik Klaus Eisenbarth

Verein für Heimatforschung Wallerfangen e. V.